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+++ Newsblog Deutsche Bank +++ Aktionäre entlasten Aufsichtsratschef Achleitner und Vorstandschef Sewing – wenn auch schwach

Auf der Hauptversammlung machen Investoren und Kleinanleger ihrem Unmut Luft. Die zwei Top-Manager werden dennoch entlastet. Die Ereignisse im Newsblog.
Update: 23.05.2019 - 19:36 Uhr Kommentieren
  • Vorstandschef Sewing deutet einen tiefgreifenden Umbau der Investmentbank an.
  • Extrem niedrige Präsenz gibt Großaktionären hohes Stimmgewicht.
  • Die einflussreichen Stimmrechtsberater Glass Lewis und ISS empfehlen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten.
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Lara Marie Müller
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Aktionäre zeigen der Deutschen Bank die gelbe Karte

Doch auch so ist die Abstimmung ein extrem schwaches Ergebnis. Noch strenger gingen die Aktionäre mit den Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie ins Gericht: beide erhielten mit rund 61 Prozent noch miserablere Abstimmungswerte.

Nach vergleichbar schlechten Stimmergebnis von rund 60 Prozent hatten 2015 die damaligen Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, ihre Ämter bald nach dem Aktionärstreffen aufgegeben.

Im Vorjahr hatten Aktionäre Achleitner und den anderen Aufsichtsräten noch mit einem Ergebnis von 84 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Die Vorstände hatten eine Zustimmung von 94 Prozent erhalten.

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Die Aktionäre der Deutschen Bank haben dem in der Kritik stehenden Aufsichtsratschef Paul Achleitner entlastet. Der 62-Jährige erhielt 71,63 Prozent der abgegebenen Stimmen. Zuvor hatte es Zweifel gegeben, ob der Österreicher nicht entlastet wird. Vorstandschef Sewing wurde mit 75,23 Prozent entlastet. Eine Nicht-Entlastung hätte zwar keine rechtlichen Folgen gehabt, wäre jedoch eine schwere Schlappe gewesen.
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Die Aktionäre werden anders als von der Verwaltung vorgeschlagen nun doch nicht jeweils geschlossen über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat für das Jahr 2018 abstimmen. Stattdessen werde es wie von einem Aktionär gefordert eine Einzelabstimmung über die Entlastung der jeweiligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder geben. "Selbstverständlich werden Ihnen alle Aktionäre sehr dankbar sein für die Verlängerung der Abstimmung", sagt Aufsichtsratschef Paul Achleitner dem Anteilseigner, der die Einzelabstimmung beantragt hat.
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Aktionär Wolf-Erich Jung hat seine 100 Deutsche-Bank-Anteile erst im letzten Jahr gekauft. Die Hälfte seines Investments hat er nun verloren. Besonders sauer ist er auf den Aufsichtsratschef: „Achleitner hat doch keine Sauerei ausgelassen, jetzt steckt die Bank selbst mit Trump unter der Decke.“

Er werde Achleitner auf keinen Fall entlasten. Der Österreicher habe die Kontrolle über die Bank verloren und sei selbst ein gieriger Mensch.

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Keine offizielle Rüge von der Aufsicht: Dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin mit dem Zustand der Geldwäsche-Systemen bei der Deutschen Bank unzufrieden ist, pfeifen Frankfurts Spatzen von den Dächern. Investmentbanking-Chef Garth Ritchie und Regulierungschefin Sylvie Matherat etwa wurden vor einiger Zeit zum Rapport bestellt, weil die Bafin unzufrieden mit der Informationspolitik im Zusammenhang mit der Rolle der Deutschen Bank im Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank war.

Es scheint aber bei klaren Ansagen geblieben zu sein. Sewing sprach davon – ohne in Details zu gehen – , dass die Vorstände bei allen möglichen Geldwäsche-Themen mit der Aufsicht in regelmäßigen Austausch stehe. „Eine formelle Verwarnung hat es nicht gegeben“, sagt Sewing auf eine entsprechende Aktionärsfrage.

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+++Großaktionär Cerberus kassiert jedes Jahr Millionen+++

Der US-Finanzinvestor Cerberus ist nicht nur Aktionär der Deutschen Bank, sondern seit vergangenem Jahr auch Berater von Deutschlands größtem Geldhaus. „Wir haben 2018 einen einstelligen Euro-Millionen-Betrag für die Beratungsleistung bezahlt und erwarten für dieses Jahr einen ähnlichen Betrag“, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Das sei ein marktübliches Honorar für komplexe Beratungsdienstleistungen.

Es sind durchschnittlich fünf bis zehn Cerberus-Berater für die Deutsche Bank im Einsatz“, sagte Sewing. Sie hätten das Institut bisher vor allem in den Bereichen Treasury, Investmentbanking und Kosten-Management beraten – nicht jedoch bei der geplatzten Fusion mit der Commerzbank. Der Rahmenvertrag mit Cerberus sei auf unbestimmte Zeit geschlossen und könne von beiden Seiten mit einmonatiger Frist gekündigt worden, sagte Sewing. Nach der Beendigung des Beratungsverhältnisses müsse Cerberus alle vertraulichen Informationen zurückgeben oder vernichten.

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Zwischen all der Kritik der Aktionäre setzte Alexander Kling gegenüber Sewing und Achleitner zu ganz großen Lobeshymne an. Kling, der bis vor einem Jahr noch in der Kommunikationsabteilung des Geldhauses arbeitete, sagte: „Mit Christian Sewing hat die Deutsche Bank einen Vorstandsvorsitzenden, der ranklotzt. Einer, der sich nicht zu schade ist, selbst in der Küche zu stehen.“ 

Seine Ex-Kollegen hätten den festen Willen, aus dem aktuellen Tal herauszukommen. Die Führung würde die Mitarbeiter stets ermutigen, auch Unbequemes auszusprechen. Das mit der Unternehmenskommunikation hat Kling offensichtlich noch gut drauf.

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In Folge einer Aktionärsfrage kommt Sewing noch einmal zurück auf die Fusionsgespräche mit der Commerzbank. Zwei Millionen Euro Beratungskosten hätte es rund um die Anbahnung der Bankenhochzeit gegeben, die zusätzlichen Opportunitätskosten seien schwer zu beziffern. 160 Mitarbeiter hätten an der Vorbereitung einer möglichen Fusion bei der Deutschen Bank mitgearbeitet.

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Die Deutsche Bank ist ein einziger Sauladen, an der Spitze sitzen ausschließlich Gangster.

Kleinaktionär Wolf-Erich Jung, der fast die Hälfte seines Investments verlor

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Aufsichtsratschef Achleitner hat angekündigt, nächstes Jahr das Vergütungssystem der Vorstände noch einmal vorzulegen. In diesem Jahr gab es viel Kritik, gerade auch Großaktionäre wie Union Investment oder DekaBank geißelten die Vorstandsgehälter und die Boni als zu hoch.

Aber auch viele Kleinaktionäre ergreifen das Wort und ärgern sich über die hohen Zahlungen. Einer nimmt die Funktionszulage für Investmentbanking-Chef Garth Ritchie auf’s Korn. Ritchie erhält jährlich drei Millionen Euro fix als Extra, weil er sich - nicht näher definiert - um den Brexit kümmert. Das sorgt auch in der Bank für Hohn und Spott, zumal Ritchies eigene Sparte schlecht genug dasteht. 

„Geben Sie Herrn Ritchie eine Chance, er ist überfordert“, ätzt ein Kleinaktionär. Er will, dass man Ritchie die Zulage wieder streicht. Dass das juristisch nicht geht, weil der Manager einen rechtlichen Anspruch darauf hat, weiß er. Aber aus seiner Sicht sollten so einige überbezahlte Deutschbanker sich sagen: „Ich habe zwar den Anspruch auf das Geld, aber ich habe es für die Bank nicht verdient“. Das habe etwas mit Haltung, Wertvorstellungen und Kulturwandel zu tun. Szenenapplaus im Publikum.

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„Wenn sogar Pabst Benedikt der XVI zurücktreten kann, warum dann nicht Paul Achleitner?“ fragt Kleinaktionär Jannes Englisch auf der Hauptversammlung. Auf der Bühne hält er eine blaue Requisite in beiden Händen: Das Logo der Deutschen Bank, aus Plastik. Das Logo hat er umgedreht. So soll die nun gesenkte Diagonale den Kurs absurtz der Aktie darstellen.

Englisch richtet sich an die Funktionäre und erklärt „2006 lag das Wertpapier noch bei etwa 105 Euro.“ Heute, am Tag der Hauptversammlung kritisiert er „ist der Titel auf 6,40 Euro gesunken. Das sind nicht einmal mehr sieben Prozent“ Der Kleinaktionär ist bestürzt über den Kursverlauf der Bank-Aktie.

Die Schuld an dem Wertverlust schiebt er auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner und fordert seinen Rücktritt. 

„Es ist sehr bedauerlich, dass sie noch nicht zurückgetreten sind.“ Die Kritik  begründet er damit,  dass „die Klärung der Probleme  der Deutschen Bank in den letzten Jahren sehr zögerlich angegangen worden ist.“

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Hauptversammlungen stellen für manche Aktionäre auch die Chance dar, Konzernspitzen mit den einfachen Problemen zu konfrontieren – so wie Erich Brezzel. Der Bayer nutzte sein Rederecht, um Sewing und Achleitner einmal mitzuteilen, dass er jahrelanger überzeugter Aktionär und Kunde bei der Konkurrenz sei, der Commerzbank. Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank sei er hingegen zum ersten Mal. Und überzeugt sei er von der Frankfurter Konkurrenz nun ganz und gar nicht.

Besonders störe ihn, dass man den Aktionären in diesem Jahr keine Fahrkarten für die Anreise mit der Bahn gestellt hätte, so wie es noch im Vorjahr der Fall gewesen sei. „Das kann ich wirklich nicht verstehen“, meckerte Brezzel. Auch mit den Geschäften, die die Deutsche Bank in seiner Heimatstadt Ansbach mache, sei er nicht zufrieden.

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+++Deutsche Bank wartet auf Belege für Geldwäsche-Vorwürfe+++

Panama Papers: Bei der Deutschen Bank ist der Unmut über eine Razzia der Staatsanwaltschaft im November 2018 immer noch groß. Damals durchsuchten 170 Beamte öffentlichkeitswirksam sechs Gebäude der Bank. Grund waren Geschäftsaktivitäten des Instituts auf den Britischen Jungferninseln. Die Durchsuchung hat viele Kunden der Deutschen Bank verschreckt und den Aktienkurs des Instituts belastet.

Es sei die Pflicht der Strafermittlungsbehörden, Verdachtsmomenten nachzugehen, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. „Aber über die Art und Weise, wie dies im November geschehen ist, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Wir haben auch Monate später keine Belege für die Vorwürfe, die gegen uns und unsere Mitarbeiter erhoben wurden.“

Die Finanzaufsicht Bafin sei nach einer Untersuchung zu den Panama Papers bereits Anfang 2018 zum Ergebnis gekommen, es habe bei der Deutschen Bank keine erheblichen Verstöße gegen geldwäscherechtliche Vorschriften gegeben, sagte Rechtsvorstand Karl von Rohr. „Grundlage dafür war unter anderem, dass wir bereits 2015 – also vor Veröffentlichung der Panama Papers – ein Programm gestartet haben, um auf die Steuerehrlichkeit der Kunden hinzuwirken.“

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+++Keine Rückstellungen wegen Geldwäscheskandal bei Danske Bank+++

Die Deutsche Bank ist wegen des Geldwäscheskandals bei der dänischen Danske Bank in Bedrängnis geraten, weil sie für deren estnische Filiale verdächtige Transaktionen im Umfang von Milliarden abgewickelt hat. Doch bisher habe den Frankfurtern keine Aufsichtsbehörde mitgeteilt, „wir hätten unsere rechtlichen Pflichten als Korrespondenzbank nicht erfüllt“, sagte Rechtsvorstand Karl von Rohr.

Eine interne Untersuchung der Deutschen Bank zu dem Fall sei annähernd abgeschlossen und zum Ergebnis gekommen, dass es kein Fehlverhalten von Mitarbeitern gegeben habe, erklärte von Rohr. Die Bank rechne nicht mit Bußgeldern und habe deshalb auch keine Rückstellungen im Zusammenhang mit der Danske Bank gebildet.

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+++ Deutsche Bank weist Vorwürfe wegen Trump-Geschäften zurück +++

Hat die Deutsche Bank der Finanzaufsicht verdächtige Zahlungen von Firmen von US-Präsident Donald Trump verschwiegen? Rechtsvorstand Karl von Rohr widerspricht: Es gibt funktionierende Prozesse, die auch in diesen Fällen funktioniert haben.“

Die „New York Times“ hatte Anfang der Woche berichtet, fünf Spezialisten der Anti-Geldwäsche-Abteilung der Deutschen Bank hätten 2016 und 2017 einige Transaktionen von Firmen von Trump und dessen Schwiegersohn Jared Kushner als verdächtigt eingestuft und diese der Finanzaufsicht melden wollen. Führungskräfte hätten dies aber abgelehnt.

Von Rohr widersprach dieser Darstellung. In einigen Fällen werde in der Anti-Geldwäsche-Abteilung darüber diskutiert, ob die Bank Geldwäscheverdachtsanzeigen abgebe oder nicht. „Daran ist – anders als von der ‚New York Times‘ unterstellt – nichts Ungewöhnliches.“ Details zu den einzelnen Vorgängen könne die Deutsche Bank aus rechtlichen Gründen nicht nennen, „auch wenn wir damit erhobene Anschuldigungen entkräften könnten“. Man sei diesbezüglich im Dialog mit den Aufsichtsbehörden.

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„Ich bin nicht die Wurzel allen Übels“: Der Aktionär Hans Oswald hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner gefragt, warum er sich den Job bei der Bank antut und ob er sich das alles so vorgestellt habe, als er 2012 bei der Deutschen Bank Aufsichtsratschef wurde. „Nein, natürlich nicht“, antwortet ihm Achleitner und gibt ein wenig Einblick in seine Gefühlslage. 

„Bei allen Herausforderungen, Rückschlägen und auch menschlichen Enttäuschungen, die ich in den letzten sieben Jahren erleben musste, so habe ich auch so viele tolle Menschen kennengelernt, innerhalb der Bank, aber auch der Investoren und Kunden, dass ich nicht vorhabe und es mir nicht vorstellen kann, diese im Stich zu lassen“, sagt er dann.

Raunen im Saal. Einige Aktionäre würden wohl gerne von Herrn Achleitner ein wenig im Stich gelassen werden. Achleitner ergänzt dann noch, „damit hier keine Missverständnisse entstehen“: „Habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht? Ja, natürlich habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich nicht!“

Ein Aktionär hatte dem Österreicher unterstellt, dass es ihm  nur noch um ein Denkmal seiner Person geht. Das weist Achleitner von sich. „An einem Denkmal liegt mir nichts, aber an der Deutschen Bank schon“, mit dieser pathetischen Anmerkung beendet er seine persönliche Einlassung.

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