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Wirecard

Die Japanische Softbank investiert 900 Millionen Euro in den deutsche Zahlungsdienstleister.

(Foto: dpa)

900-Millionen-Euro-Investment Wie Wirecard von Softbanks Unterstützung profitieren kann

Softbank steigt mit 900 Millionen Euro als strategischer Partner bei Wirecard ein. Aber nicht nur die finanzielle Seite des Deals ist für die Münchener interessant.
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Frankfurt, TokioEndlich gute Nachrichten – und das passgenau vor der am Donnerstag stattfindenden Jahrespressekonferenz: Bei Wirecard in Aschheim bei München atmeten am Mittwoch wohl viele Mitarbeiter auf. Statt neuer Hiobsbotschaften konnte Konzernchef Markus Braun eine neue Megapartnerschaft verkünden.

Glaubt man dem Zahlungsdienstleister, hätte die Nachricht bis Donnerstag geheim gehalten werden sollen. Doch am Dienstagabend stach sie jemand an die Nachrichtenagentur Bloomberg durch.

Und darum geht es: Der japanische Mischkonzern Softbank will 900 Millionen Euro in Wirecard investieren. Zudem haben beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft für digitale Bezahllösungen und in der Kreditvergabe vereinbart. Softbank mit Sitz in Tokio wandelt sich seit Jahren vom Telefonieunternehmen zum Technologieinvestor. Mit Wirecard erhalten die Japaner ein starkes Standbein in Europa.

Umgekehrt sollen sie Wirecards Asienexpansion unterstützen. Für die Aschheimer ist der Einstieg eine hocherfreuliche Nachricht – nach Monaten mit negativer Presse, in denen angebliche Bilanztricksereien in Singapur und mutmaßliche Kursmanipulationen die Schlagzeilen beherrschten. Noch an diesem Mittwoch wies der Konzern neue Vorwürfe der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) zurück.

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Softbank beteiligt sich nicht als Aktionär an Wirecard, sondern in Form einer Wandelschuldverschreibung. Binnen fünf Jahren kann diese spezielle Form der Anleihe in Aktien umgewandelt werden und damit in eine direkte Unternehmensbeteiligung. In Aussicht stehen knapp sieben Millionen Wirecard-Aktien zum Preis von 130 Euro pro Stück.

Softbank würde mit 5,6 Prozent größter Einzelaktionär nach Konzernchef Braun, der US-Bank Goldman Sachs und dem Vermögensverwalter Blackrock. Die Hauptversammlung am 18. Juni muss die Ausgabe dieser Wandelanleihen noch genehmigen.

Attraktives Netzwerk

Aber nicht nur die finanzielle Seite des Deals ist für Wirecard interessant. „Softbank weist ein spannendes Portfolio an Investments auf, zu denen Wirecard nun Zugang erhält. Hieraus können sich viele interessante Partnerschaften ergeben“, erklärte eine Wirecard-Sprecherin. So ist das Unternehmen in zwei Märkten aktiv, die Wirecard bislang noch nicht abdeckt: Japan und Südkorea.

Japaner und Südkoreaner zählen zu den Vorreitern beim Bezahlen per Smartphone. Und genau hier ist Wirecard besonders stark. „Von diesem Drive wollen wir profitieren.“

Eine Softbank-Sprecherin sagte, der Konzern sei direkt involviert, nicht über seinen auf den Tech-Bereich fokussierten Investmentfonds. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Softbank-Gruppe und nicht der Softbank Vision Fund investiert“, sagte sie.

Die Grenzen zwischen der Holding und dem Technikinvestor verschwimmen mitunter, schließlich dienen beide der Vision des Gründers Masayoshi Son. Son will eine global führende Firmengruppe für Künstliche Intelligenz, Onlinehandel und Robotik aufbauen.

Die Japaner könnten sich laut Beobachtern durch den Einstieg per Wandelanleihe gegen viele Eventualitäten abgesichert haben. Sollte es mit dem Wirecard-Kurs bergab gehen, etwa aufgrund neuer Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft, verspricht die Anleihe über fünf Jahre stabile Zinszahlungen. Softbank investiert zudem oft mithilfe hoher Kredite, deren Zinszahlungen in diesem Fall durch die Wandelanleihe gesichert sind.

Und sollten sich die Japaner für eine Umwandlung entscheiden, läge der Kaufpreis mehr als ein Viertel unter dem Rekordhoch. Auch im Vergleich zum aktuellen Kurs machen die Japaner ein Schnäppchen: Zuletzt notierte die Aktie acht Euro über dem verabredeten Wandlungskaufpreis von 130 Euro. Bei Wandelanleihen liegt der Aktienkaufpreis üblicherweise über dem Marktkurs.

An der Börse kam die Einstiegsnachricht am Mittwoch positiv an. Die Wirecard-Aktie notierte zuletzt rund zwölf Prozent im Plus. Mit einer Marktkapitalisierung von 16,9 Milliarden Euro überflügelte der Konzern erneut die Deutsche Bank.

Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank begrüßte den Deal: „Wir werten die Nachricht eindeutig positiv.“ Insgesamt mache sich Erleichterung breit. Die in den vergangenen Monaten erhobenen Vorwürfe sieht Oblinger als „weitgehend entkräftet“ an. „Die teilweise befürchtete Kundenzurückhaltung ist offenbar nicht eingetreten.“ Dennoch sollte Wirecard „sein Krisenmanagement durch bessere Kontroll- und Frühwarnsysteme auf eine höhere Stufe heben“.

Am Dienstag hatte Konzernchef Markus Braun im Handelsblatt neue Strukturen angekündigt, um Skandale künftig zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem eine striktere Steuerung lokaler Einheiten und ein Ausbau der Compliance-Abteilung.

Softbank ist dafür bekannt, sich einzumischen und die Weiterentwicklung seiner Beteiligungen voranzutreiben. Gründer Son interessiert sich für regionale Marktführer, die er mit anderen Teilen seines Universums vernetzen kann.

Zu den Beteiligungen gehören die Fahrdienstvermittler Uber in den USA, Grab in Singapur und Didi Chuxing in China, außerdem Immobilienmakler wie WeWork und Oyo Hotel aus Indien. Beim chinesischen Onlineriesen Alibaba zählt er zu den Erstinvestoren.

Wirecard ist bislang vor allem in Südostasien aktiv. Perspektivisch hofft der Konzern auf ein Wachstum in China: Hier kooperiert Wirecard mit Alibaba und zwei Reiseanbietern. Sie setzen auf die Kreditkarten der Aschheimer, um chinesischen Kunden in Europa Zahlungen zu ermöglichen. In China selbst sind Wirecard-Transaktionen noch nicht möglich. Auch hier könnten sich durch Softbank neue Partnerschaften ergeben.

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