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Abgesagter CEO-Job Der Streit zwischen Banco Santander und Andrea Orcel gerät zur Schlammschlacht

Laut Klageschrift soll der Investmentbanker seine Gespräche mit der Bank aufgezeichnet haben, nachdem die seine Verpflichtung als CEO rückgängig gemacht hatte.
Update: 26.07.2019 - 15:41 Uhr Kommentieren
Die Spanische Großbank hatte Investmentbanker Andrea Orcel im September noch als neuen Bankchef vorgesehen. Quelle: Reuters
Santander

Die Spanische Großbank hatte Investmentbanker Andrea Orcel im September noch als neuen Bankchef vorgesehen.

(Foto: Reuters)

Madrid Der Streit zwischen der spanischen Großbank Santander und dem Investmentbankstar Andrea Orcel entwickelt sich zur Schlammschlacht. Die Bank warf dem Italiener am Freitag „zweifelhaftes ethisches und moralisches Verhalten“ vor.

Das Geldhaus hatte Orcel im vergangenen September zunächst zum neuen CEO ernannt. Orcel, der von der Schweizer UBS zur spanischen Großbank wechseln wollte, sollte den Job Anfang 2019 antreten. Im Januar sagten die Spanier dem Investmentbanker dann wieder ab.

Laut Santander konnten sich beide Seiten nicht darauf einigen, wer die rund 50 Millionen Euro Ansprüche zahlen sollte, die Orcel während seiner Zeit bei der UBS angehäuft hattet. Orcel wirft Santander Vertragsbruch vor und hat die Bank in Madrid auf 100 Millionen Euro verklagt.

Die spanische Onlinezeitung El Confidencial zitiert aus der Klageschrift, dass Orcel infolge des Zerwürfnisses im Januar begann, seine Gespräche mit der Bank aufzuzeichnen. „Dies ist ein zweifelhaftes ethisches und moralisches Verhalten für jemanden, der möglicherweise Santander-Chef werde sollte und hat letztlich bestätigt, dass die Entscheidung des Aufsichtsrates, die Berufung nicht weiter zu verfolgen, richtig war“, erklärte Santander am Freitag in einer Stellungnahme. Die Bank äußere sich „mit Blick auf die Veröffentlichungen, die das Ziel haben, einen falschen Eindruck der Fakten zu schaffen“, heißt es zur Begründung.

Orcel versucht in seiner Klage geltend zu machen, dass nicht der Streit über seine Bezüge aus der UBS-Zeit der Grund für seine abgesagte Verpflichtung als CEO seien, sondern Bedenken über die künftige Machtverteilung zwischen ihm und Santander-Verwaltungsratschefin Ana Botín.

Die Verwaltungsratschefin von Santander sagte Mitte Januar überraschend den Deal mit dem Investmentbank-Star Andrea Orcel wieder ab. Quelle: Rui Camilo/laif
Ana Botín

Die Verwaltungsratschefin von Santander sagte Mitte Januar überraschend den Deal mit dem Investmentbank-Star Andrea Orcel wieder ab.

(Foto: Rui Camilo/laif)

So habe Orcel Botín am 20. Dezember auf deren Wunsch hin eine Aufstellung der Maßnahmen geschickt, die er als CEO umsetzen wollte, schreibt El Confidencial. Dabei ging es unter anderem um seine Befugnisse als CEO und um Themen wie einen „verbesserten Einsatz des Kapitals, das Risikomanagement und ‚Konzerndisziplin‘“. Botín habe darauf geantwortet, man solle darüber in Ruhe und persönlich reden – am 8. Januar in Madrid. Einen Tag vorher aber, am 7. Januar, habe sie ihm dann mitgeteilt, dass er den CEO-Posten nicht mehr übernehmen soll.

Wie das Handelsblatt berichtete, ist Orcel nach seiner ursprünglichen Verpflichtung als CEO bei Treffen mit Santander offenbar sehr selbstbewusst aufgetreten, und einige Mitarbeiter haben sich gefragt, ob er sich wirklich mit der Rolle der Nummer zwei in der Bank zufriedengeben würde. Botín hat wie in Spanien üblich als Verwaltungsratschefin auch eine exekutive Funktion und ist die Nummer eins in der Bank.

Tipps für die Verhandlung mit UBS-Chef Axel Weber

Santander erklärt in der heutigen Stellungnahme erneut, der Deal sei am Geld gescheitert. Die Bank sei bereit gewesen, Orcel bis zu 35 Millionen Euro seiner UBS-Ansprüche zu zahlen. Orcel habe versprochen, alles zu tun, um die Summe für Santander so gering wie möglich zu halten und habe sich mehrfach zuversichtlich gezeigt, dass UBS den Betrag mit Santander verhandeln wolle. Orcel habe argumentiert, UBS werde sich vermutlich nicht weigern, einen Teil der Ansprüche zu übernehmen, weil Santander kein Wettbewerber der Investmentbank sei, sondern ein Kunde, hat das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren.  

Der Investment-Banker verlangt die Erfüllung seines Vertrags bei Santander oder „etwas mehr als 100 Millionen Euro“. Quelle: Reuters
Andrea Orcel

Der Investment-Banker verlangt die Erfüllung seines Vertrags bei Santander oder „etwas mehr als 100 Millionen Euro“.

(Foto: Reuters)

Laut Klageschrift hat Botín Orcel vorgeschlagen, in den diesbezüglichen Verhandlungen mit UBS-Chef Axel Weber mit dem Entzug von Aufträgen seitens Santander zu drohen, falls er sich weigere, einen Teil von Orcels Boní zu übernehmen. „Andrea. Es gibt ein Argument, das ich für Axel reserviert hatte“, zitiert El Confidencial eine in der Klage enthaltende Nachricht von Botín an Orcel. „Wenn sie entscheiden, dass sie dir nichts zahlen, weil wir Konkurrenten sind, dann ist es gut zu wissen, dass sie nicht unsere strategischen Berater sein können – das ist unwiderlegbar und eine ‚elegante‘ Art, die Dinge klar zu sagen.“

Darüber hinaus macht Orcel in seiner Klage geltend, dass ein im September verfasster vierseitiger Brief, in dem ihm der Job angeboten wurde, rechtlich bindend ist. Santander argumentiert dagegen, dass der Brief gemäß spanischem Recht keinen Vertrag darstelle.

Mit Material von Reuters

Mehr: Der Ex-UBS-Banker Orcel wirft Santander Vertragsbruch vor. Das spanische Geldhaus will sich gegen die 100 Millionen Euro schwere Klage verteidigen.

  • lou
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