Acht-Milliarden-Kapitalerhöhung Deutsche Bank will wieder auf Wachstum umschalten

Die Deutsche Bank hat ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung unter Dach und Fach gebracht. In einem Brief an die Belegschaft schrieb Chef Cryan, dass das Institut in Zukunft nicht mehr schrumpfen solle.
Update: 07.04.2017 - 16:03 Uhr Kommentieren
Die Kapitalerhöhung ist unter Dach und Fach. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Die Kapitalerhöhung ist unter Dach und Fach.

(Foto: dpa)

FrankfurtNach der abgeschlossenen Kapitalerhöhung will die Deutsche Bank wieder auf Wachstum umschalten. Deutschlands größtes Geldhaus werde dabei als Lehre aus der Vergangenheit Kosten und Risiken im Blick behalten, schrieb Vorstandschef John Cryan am Freitag in einem Brief an die weltweit rund 100.000 Mitarbeiter. Aber es sei wichtig, den Blick nach vorne zu richten. „Denn klar ist: Wir wollen uns nicht gesund schrumpfen, sondern müssen erfolgreich mit unseren Kunden arbeiten.“

Die Deutsche Bank hat ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung unter Dach und Fach gebracht. 98,9 Prozent der Bezugsrechte seien ausgeübt worden, teilte die größte deutsche Bank am Freitag mit. Die restlichen Aktien würden von den begleitenden Investmentbanken über die Börse verkauft. Finanzkreisen zufolge griffen rund 80 Prozent der Deutsche-Bank-Aktionäre selbst zu, der Rest verkaufte die Bezugsrechte an neue oder andere bestehende Anteilseigner weiter. Die hohe Bezugsquote könne als Vertrauensbeweis in die Führung der Deutschen Bank um Vorstandschef John Cryan interpretiert werden, sagte ein Insider. Bei vergleichbaren Kapitalerhöhungen griffen deutlich weniger Aktionäre zu.

Auch die Großaktionäre hätten ihre Anteile zumindest nicht verwässern lassen, sagten mehrere Insider. Ob einer oder mehrere von ihnen die Gelegenheit zur Aufstockung genutzt haben, könnte sich um Ostern herum zeigen. Dann wären die Pflichtmitteilungen fällig, wenn im Zuge der Kapitalerhöhung die Anteilsschwellen von drei, fünf oder zehn Prozent überschritten würden.

Der jüngste Großaktionär, der chinesische Mischkonzern HNA, hatte seine Beteiligung noch vor dem Start der Kapitalerhöhung von gut drei auf fast fünf Prozent aufgestockt. Er will perspektivisch bis zu zehn Prozent an der Bank halten. Auch Katar hatte vorher signalisiert, mitziehen zu wollen. Die Anteile des Fondsriesen Blackrock liegen größtenteils in börsennotierten Indexfonds (ETFs), die zeichnen mussten, um weiterhin den zugrundeliegenden Index abzubilden.

Der Erfolg der Kapitalerhöhung war bereits vorab sicher. 30 Banken unter Führung von Credit Suisse hatten der Deutschen Bank garantiert, die Papiere bei den Aktionären unterzubringen. Hohe Annahmequoten sind nach dem deutschen Aktienrecht vorgezeichnet: Bezugsrechte von Kleinaktionären, die sich nicht bei ihrer Bank melden, werden am letzten Tag des Bezugsrechtehandels am Markt verkauft, damit sie nicht verfallen. An diesem Tag wurden allein 160 Millionen Bezugsrechte gehandelt.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
1 von 13

Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
2 von 13

Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
3 von 13

Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
4 von 13

August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
5 von 13

März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
6 von 13

Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
7 von 13

April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Die Deutsche Bank hatte 687,5 Millionen Aktien zu je 11,65 Euro angeboten - mit einem Abschlag von 26 Prozent auf den um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs von 15,35 Euro. Die bestehenden Aktien hielten sich während der Zeichnungsfrist stabil über diesem Kurs. Am Donnerstag, dem letzten Tag der Frist, schlossen sie bei 15,68 Euro.

Das Geldhaus will mit der Kapitalerhöhung die Debatte um eine zu dünne Kapitaldecke ein für allemal beenden. Die harte Kernkapitalquote steigt damit auf gut 14 Prozent – die Gewinne oder Verluste des ersten Quartals noch nicht eingerechnet. Weitere zwei Milliarden Euro will sie mit dem Börsengang ihrer Vermögensverwaltungs-Tochter Deutsche Asset Management einnehmen – voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Acht-Milliarden-Kapitalerhöhung - Deutsche Bank will wieder auf Wachstum umschalten

0 Kommentare zu "Acht-Milliarden-Kapitalerhöhung: Deutsche Bank will wieder auf Wachstum umschalten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%