Aetna kauft Humana Mega-Übernahme bei US-Krankenversicherern

Für 33 Milliarden Euro übernimmt der US-Krankenversicherer Aetna seinen Konkurrenten Humana. Die US-Gesundheitsreform heizt das Übernahmefieber in der Branche an. Weitere milliardenschwere Deals könnten folgen.
Kommentieren
Der US-Krankenversicherer ist auf Einkaufstour. Quelle: ap
Aetna

Der US-Krankenversicherer ist auf Einkaufstour.

(Foto: ap)

New YorkUnter den Anbietern von Krankenversicherungen in den USA kommt es zu einem Mega-Zusammenschluss: Aetna übernimmt seinen Rivalen Humana für 37 Milliarden Dollar (33,4 Milliarden Euro). Darauf haben sich beide Unternehmen geeinigt. Aetna habe 230 Dollar pro Humana-Aktie in bar und eigenen Anteilen angeboten, teilten Aetna und Humana am Freitag gemeinsam mit. Die Aktionäre und Kartellbehörden müssen der Vereinbarung noch zustimmen. Für die zweite Jahreshälfte 2016 rechnen die Konzerne damit, dass der Deal über die Bühne geht.

Aetna erhofft sich von der Übernahme und dem Zugewinn von Millionen Versicherungsnehmern Synergien und eine bessere Position in den Preisverhandlungen mit Krankenhäusern und Ärzten. Mit Humana kauft sich Aetna groß ins Geschäft mit Versicherungen für Senioren, aber auch die Pflege und Betreuung ein. Zusammen würde der Umsatz beider Unternehmen den Angaben zufolge 2015 bei rund 115 Milliarden Dollar liegen. Aetna-Finanzchef Shawn Guertin erwartet nach einem möglichen Abschluss des Geschäfts für 2018 Einsparungen von 1,25 Milliarden Dollar jährlich.

Die Übernahme könnte in den kommenden Wochen Bewegung in die vielen Gespräche innerhalb der fünf größten Krankenversicherer des Landes bringen. Hintergrund ist die von US-Präsident Barack Obama eingeleitete Reform des Gesundheitswesens. Dadurch stieg die Zahl der Krankenversicherten in den USA deutlich. Gleichzeitig wuchs der Kostendruck in der Branche, so dass es bereits zu einigen Fusionen und Übernahmen unter Gesundheitsdienstleistern gekommen ist – wobei Versicherer bisher größtenteils außen vor blieben.

2015 war das Rekord-Übernahmejahr
Marriott kauft Starwood
1 von 22

Die Hotelkette Marriott International übernimmt den Konkurrenten Starwood Hotels & Resorts für umgerechnet gut 12 Milliarden Dollar. Gemeinsam wäre das neue Unternehmen mit über 5.500 Hotels mit 1,1 Million Zimmern der neue Branchenprimus. Es ist der größte Deal in der Hotellerie seit dem Kauf von Hilton durch den Finanzinvestor Blackstone 2007. Doch in diesem Jahr gab es noch einige dickere Geschäfte...

Air Liquide übernimmt Airgas
2 von 22

Mit einer Milliarden-Übernahme will der französische Gase-Hersteller Air Liquide dem deutschen Konkurrenten Linde den globalen Spitzenplatz in der Branche streitig machen. Die Franzosen verständigten sich mit dem Management des US-Unternehmens Airgas auf einen Preis von 143 US-Dollar je Aktie. Der Deal hat inklusive der Schulden von Airgas ein Volumen von 13,4 Milliarden Dollar.

Vonovia will Deutsche Wohnen übernehmen
3 von 22

Die größte deutsche Transaktion des Jahres fällt vergleichsweise bescheiden aus. Der Wohnungskonzern Vonovia bietet 15,6 Milliarden Dollar für Deutsche Wohnen.

Abbvie kauft Pharmacyclics
4 von 22

In der US-Pharmabranche grassiert sichtbar die Konsolidierungswelle. Anfang März griff Abbvie bei Pharmacyclics zu, um die eigene Sparte Krebsforschung auszubauen. Im Mai wurde der Deal abgeschlossen: Das Geschäft ist 21 Milliarden Dollar schwer.

Quelle: Dealogic/Thomson Reuters/Handelsblatt Research Institute

Ace kauft Chubb
5 von 22

Der Versicherer Ace mit Sitz in Zürich zeigte im Juli Interesse für den Wettbewerber Chubb aus den USA. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen zu einem globalen Schwergewicht in der Sachversicherung werden. Nach der Übernahme soll Ace 70 Prozent am fusionierten Konzern halten. Der Preis für den Deal beträgt rund 28 Milliarden Dollar.

Wells Fargo kauft Finanzsparte von General Electric
6 von 22

Der Siemens-Konkurrent General Electric verkauft sein Spezial-Finanzportfolio an die US-Bank Wells Fargo – Vermögenswerte von rund 28 Milliarden Euro wechseln den Besitzer. Mit einem Kaufpreis von über 30 Milliarden Euro sei der Deal bislang die größte Transaktion für GE. Das Geschäft soll bis zum ersten Quartal 2016 abgeschlossen sein.

Shire bietet für Baxalta
7 von 22

Shire will führender Spezialist für Medikamente gegen seltene Krankheiten werden. Deshalb will der in Irland ansässige Arzneimittelhersteller für etwa 30 Milliarden Dollar den US-Rivalen Baxalta schlucken. Das Vorhaben soll trotz Widerstands im Baxalta-Management vorangetrieben werden.

Der angestrebte Deal zwischen Aetna und Humana könnte noch eine der kleineren Übernahmen sein. Insgesamt geht es um dreistellige Milliardenbeträge, nachdem der Wert der beteiligten Unternehmen an der Börse wegen der Spekulationen auf Fusionen zuletzt deutlich zugelegt hatte.

Auch Konkurrent Cigna soll Interesse an Humana gehabt haben, um sich selbst gegen eine Übernahme zu wehren. Cigna wird derzeit vom Rivalen Anthem umworben. Dieser hatte Cigna ein rund 54 Milliarden Dollar schweres Angebot gemacht. Cigna lehnte es ab.

Auch der größte Konzern der US-Gesundheitsbranche, UnitedHealth, soll mitmischen: Ihm wird Interesse an Aetna nachgesagt. Ob Aetna nach dem Humana-Kauf weiterhin ein mögliches Kaufziel ist, ist offen.

  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Aetna kauft Humana - Mega-Übernahme bei US-Krankenversicherern

0 Kommentare zu "Aetna kauft Humana: Mega-Übernahme bei US-Krankenversicherern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%