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Affäre um US-Fondsmanager Michael Calvey Fonds ziehen Millionen aus Russland ab

Die Verhaftung des Fondsmanagers Michael Calvey hat Russlands Investmentklima beschädigt. Anleger ziehen in einer Woche rund 130 Millionen Dollar ab.
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Calvey muss vorerst weiterhin in Haft bleiben. Eine Überstellung in einen Hausarrest wurde abgelehnt. Quelle: AP
Michael Calvey in der Gefängniszelle

Calvey muss vorerst weiterhin in Haft bleiben. Eine Überstellung in einen Hausarrest wurde abgelehnt.

(Foto: AP)

BerlinDer Skandal um den in Untersuchungshaft sitzenden Michael Calvey – Gründer und Manager des Investmentfonds Baring Vostok Capital Partners – verschlechtert zunehmend das Investitionsklima in Russland.

Wie nun bekannt wurde, haben internationale Fonds am 15. Februar – in der Woche nach der Verhängung der Untersuchungshaft gegen die sechs Manager – rund 130 Millionen US-Dollar Anlagevermögen aus Russland abgezogen. Das ist so viel wie seit drei Monaten nicht mehr, als Zweifel am weiteren Wachstum der Aktienkurse in Russland aufkamen. Die Summe haben die Experten von Emerging Portfolio Fund Research errechnet, bestätigt wurde sie von der US-Großbank Merrill Lynch.

Bereits wenige Tage nach Calveys Festnahme haben die Investoren rund 15 Millionen Dollar aus Russland-Anlagen durch internationale Fonds abgezogen, in den Tagen danach weitere 127 Millionen Dollar. Nur im Dezember 2010 waren mit 190 Millionen Dollar binnen einer Woche mehr Gelder aus Russland-Investments abgezogen worden. Zugleich verzeichneten lokale Rubel-Anleihen, die von der russischen Zentralbank emittiert wurden, deutliche Mittelzuflüsse aus dem Ausland.

US-Manager Michael Calvey sitzt unterdessen weiter im Gefängnis in Moskau. Sein Antrag auf eine Überstellung in einen Hausarrest wurde abgelehnt. Und je mehr sich prominente russische Unternehmer wie die Bankchefs Herman Gref (Sberbank) oder Pjotr Awen für den inhaftierten Michael Calvey einsetzen, desto härter reagieren die russischen Strafverfolger.

Calvey und seine Kollegen waren wegen Betrugsvorwürfen verhaftet worden. Calvey wird vorgeworfen, Gelder einer zu Baring gehörenden Bank veruntreut zu haben. Dem US-Staatsbürger und Beteiligungsmanager drohen wegen angeblicher Unterschlagung und Diebstahls zu Lasten anderer Aktionäre nach russischem Recht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Der 51 Jahre alte Investor bestreitet die Vorwürfe, sieht sich als Opfer eines Streits mit zwei politisch gut verdrahteten Minderheitsaktionären der Bank.

Am Donnerstag erklärte sich Calvey in einer Videoschalte aus dem berüchtigten Moskauer Untersuchungsgefängnis Matrosskaja Tischina („Matrosenruhe“) erneut für unschuldig: „Dies ist ein reiner Handelsstreit, der vor einer Zivilkammer entschieden werden sollte und nicht vor einem Strafgerichtshof“, hatte der US-Bürger und Gründer von Baring Vostok aus seiner Zelle heraus argumentiert. Sein Ersuchen wurde abgelehnt.

Frühere Häftlinge – wie der Gründer des Yukos-Ölkonzerns Michail Chodorkowski – waren zu Anhörungen aus der Matrosenruhe wenigstens noch direkt ins Gericht gebracht worden. Genützt hatte es ihnen nichts.

Im Calvey-Fall hat Putin den Strafverfolgern ebenfalls den Rücken gestärkt, während zahlreiche prominente russische Wirtschaftsvertreter eine Entlassung der Fondsmanager aus der U-Haft forderten. Laut der Agentur Bloomberg unter Berufung auf drei Beteiligte soll Putin vor Geheimdienstlern und Strafermittlern in einer internen Besprechung gesagt haben, dass das Stehlen von umgerechnet 39 Millionen Dollar durch Calvey und dessen Komplizen ein schweres Vergehen sei, das nicht ignoriert werden dürfe. Kurz darauf erfolgten die Festnahmen.

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