Agrarspekulationen Aigner: Deutsche Bank ist verantwortungslos

Die Deutsche Bank setzt wieder auf Spekulation mit Lebensmitteln. Das passt Ilse Aigner gar nicht. Die Agrarministerin kritisiert das Geldhaus scharf. Banken hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen.
Update: 22.01.2013 - 17:53 Uhr 38 Kommentare
Agrarministerin Aigner: „Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird“. Quelle: dapd

Agrarministerin Aigner: „Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird“.

(Foto: dapd)

BerlinDie Deutsche Bank hat wieder Ärger. Und wieder ist er hausgemacht. Am Wochenende hatte Co-Chef Jürgen Fitschen den Wiedereinstieg der Bank in den Handel mit Nahrungsmitteln verkündet. Jetzt erntet er Unverständnis. Allen voran von der Bundesagrarministerin. Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Pläne der Deutschen Bank, wieder in den Markt für Agrarspekulationen einzusteigen. „Die Deutsche Bank hat die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt“, sagte Aigner dem Handelsblatt.

„Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen weltweit verstärken können“, sagte Aigner. Diese hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen. „Wer angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, lässt jegliches Gespür vermissen und handelt verantwortungslos“, sagte Aigner.

Aigner sagte, die Preise für Agrarrohstoffe stiegen seit Jahren. Dafür seien auch das Bevölkerungswachstum, Unwetter sowie fehlende Investitionen in die Landwirtschaft verantwortlich. Allerdings trage auch die mangelnde Transparenz an den Börsen dazu bei. „Dies kann Spekulationen mit Nahrungsmitteln anheizen und die Preisschwankungen verursachen“, sagte Aigner. Sie kündigte an, die neue EU-Finanzinstrumente-Richtlinie Mifid zu unterstützen. Diese sieht Berichtspflichten der Marktteilnehmer sowie Positionslimits für Finanzinvestoren vor. Aigner rechnet im ersten Halbjahr 2013 mit einer Entscheidung in Brüssel.

Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch reagierte empört auf die Entscheidung der Deutschen Bank. Foodwatch verlangt genauere Erklärungen für das Festhalten an Finanzanlagen auf Agrarrohstoffe. „Nicht die Hungernden müssen belegen, dass die Finanzprodukte der Deutschen Bank schädlich sind, die Deutsche Bank sollte schon nachweisen können, dass ihre Produkte unschädlich sind“, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode am Dienstag. Das Geldinstitut solle eine in Aussicht gestellte umfassende Studie vorlegen.

Angesichts schwerwiegender Konsequenzen finanzmarktgetriebener Wetten an Terminbörsen sei es „völlig unakzeptabel, dass die Deutsche Bank ihre Entscheidung nicht ausführlich begründet und wissenschaftlich fundiert veröffentlicht“, kritisierte Bode in einem Schreiben an Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen.

Rohstoffhandel zählt zu den Wachstumssegmenten
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38 Kommentare zu "Agrarspekulationen: Aigner hält Deutsche Bank für verantwortungslos"

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  • Es gibt ja auch Argumente dafür, wie z.B. die Möglichkeit der Erzeuger einen Teil ihrer Ernte vorab zu verkaufen. Knickt die Deutsche Bank jetzt ein? Besser wäre aussitzen. Sonst sitzen sie noch in den üblichen Talkshows und werden angefeindet.

  • - Spekulanten verdienen auch an sinkenden Preisen, wenn sie Short sind, Punkt.
    - dieses AntiBank/Kapitalisten-Gedöns hat inzwischen einen meterlangen Bart (außer der DBK sind ja eh schon alle anderen dt. Großbanken in der Versenkung verschwunden, siehe CBZ, WestLB, Hypo, Dresdner...), was will man eigentlich, die DBK auch noch verstaatlichen?

  • Verantwortungslos? Was ist mit Frau Merkel? Sie hat verordnet, das Lebensmittel vernichtet werden müssen (E10)!
    Und BIO? Überall liest man BIO ist nur Abzocke und schädlich!

  • "Preise können längerfristig bei gleichem Angebot nur steigen, wenn die Nachfrage zunimmt."

    Das stimmt. Sie denken aber wohl, das könne man nicht organisieren und man organisiere es nicht ?

    "z.B. durch andere Ernährungsweise in Asien, Beimischen von Agrarrohstoffen in Treibstoff etc."

    Das stimmt nur zum Teil, finanztechnische Motivationen spielen da eine signifikantere Rolle.

  • Da irren sie sich.
    Wenn Spekulanten an niedrigen Preisen schuld sind, dann nur aus Versehen...

  • Oh Gott der Prof. Schmitz hat wirklich garkeine Ahnung von Finanzwissenschaft. Der Mann lebt in der Vergangenheit.

  • Sie bringen ein Beispiel und das ist gut so.

    "Ob zwei Spekulanten wetten, dass der Preis in einem Jahr bei 50 oder bei 100 steht, ist eigentlich egal."

    Was glauben Sie wie "Spekulanten" mit dieser Konstellation umgehen würden?

    Ganz einfach!

    Wenn er, bleiben wir bei Lebensmitteln, heute eine Einheit für 50 kaufen, die Lager- und Zinskosten auf 1 Jahr 2 Einheiten kosten würde, dann kauft er solange "in der Kasse" bis dieser Kaufpreis "per Termin" die 100 in einem Jahr erreicht hat.

    Was passiert in der Realität?
    Wenn die Ware heute mit 50 in der Kasse und Lager- und Zinskosten 2 Einheiten betragen, wird er diese Ware zu 100 anbieten und zwar solange bis sein "break even" von 52 Einheiten erreicht wird.

    Ist das Spekulation?
    Ja, für den der die Prinzipien nicht beherrscht und normales Geschäft für den, der es beherrscht. Auf den Gedanken, dass dies Spekulation sein könnte, kommt der Fachmann nicht.

    Sollte Spekulation verboten werden?
    Ja, wenn solche Geschäfte von Leuten betrieben werden, die keine Ahnung von der Mechanik der Preisbildung haben, dann sollten sie von dem Markt ausgeschlossen werden.

    Welche Funktion nehmen Politiker wahr?
    Politiker können die Rahmenbedingungen verändern. Werden diese Rahmenbedingungen fachlich nicht sauber definiert, stören sie Logik, Betriebswirtschaft und letztlich die Mathematik, lösen sie ein Ungleichgewicht mit unabschätzbaren Auswirkungen aus. Deshalb ist es mehr als gefährlich, wenn Politik inkompetent in dieses System eingreift.

    Vorschlag zur Güte:
    Warentermin- und -optionsgeschäfte gehören zum Standardgeschäft der Banken, der Finanzinstitute, der Fonds. Die Frage ist jedoch, ob die "offene Position" unlimitiert oder nahezu unlimitiert sein soll.

    Das ist jedoch ein anderes Thema, an dem die Finanzaufsicht unter dem Pseudonym BASEL in der Vergangenheit ohnehin kläglich versagt hat. Wenn es also einen Ansatz gibt, dann hier.

    Es ist also nicht zielführend zu Themen Stellung zu nehmen, die fachlich nicht erfasst sind.

  • komisch. Es gab also schon 2011 einen Untersuchungsausschuss genau zu dieser Fragestellung. Warum gibt dann Frau Aigner nur Interviews?

  • Das wäre doch mal lustig, wenn das hb die IP-Adressen recherchiert.

  • Wieso sollten Spekulanten die Preise erhöhen?
    Fällt Ihnen denn gar nicht auf, dass die bösen Spekulanten inzwischen für alles herhalten müssen? Die bösen Spekulanten oder die Globalisierung sind schuld an hohen Preisen, an niedrigen Preisen, daran, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlen kann...
    Ja was denn nun? Sorgen die Spekulanten für hohe Preise (unterstellt z.b. bei Nahrung) oder für niedrige (unterstellt z.b. wenn es um Lehrverkaeufe und Angriffe auf den Euro geht)?
    Es gibt immer einen Spekulanten, der auf höhere Preise als den Wettpreis setzt und einen, der auf niedrigere Preise setzt.

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