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Aktie unter der Lupe Kursturbulenzen erschüttern Wirecard-Aktie – doch Experten sind optimistisch

Die Achterbahnfahrt geht weiter. Ein Bericht über Wirecard-Verbindungen mit zwielichtigen Zahlungen sorgte für den jüngsten Absturz. Doch Analysten loben die langfristige Perspektive.
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Wirecard-Aktie mit Kursturbulenzen: Die Achterbahnfahrt geht weiter Quelle: Wirecard
Bankkarte mit dem Logo von Wirecard

Der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters schwankt stark.

MünchenDie Wirecard-Aktie bleibt etwas für Anleger mit starken Nerven: Ein Bericht in der Freitagsausgabe des Handelsblatts ließ den Kurs des Zahlungsdienstleisters zeitweise um bis zu 14 Prozent auf weniger als 135 Euro abstürzen. Anleger reagierten beunruhigt auf die Nachricht, dass zwielichtige Investmentgesellschaften wie „Option888“ ihren Zahlungsverkehr über Konten bei der Wirecard Bank abgewickelt haben. Von dort sei Geld dann in dunklen Kanälen verschwunden. Mehrere Staatsanwaltschaften sehen Wirecard als einen zentralen Zahlungsabwickler für das Trading-Seiten-Netzwerk.

Das Unternehmen selbst bestritt die Vorwürfe und verwies darauf, ausschließlich Geschäftsbeziehungen zu führen, die alle regulatorischen Vorschriften erfüllen. Stattdessen habe man Kunden mit entsprechendem Geschäftsmodell frühzeitig aktiv gekündigt.

Unübersichtlich bleibt der Fall damit dennoch. Schon Ende Januar war das Unternehmen nach Vorwürfen um Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung in der Filiale in Singapur unter Druck geraten. Und noch immer bekommt der Konzern den Vorwurf zu hören, dass beim gewaltigen Wachstum der vergangenen Jahre die internen Strukturen nicht schnell genug mitgewachsen sind. Zwischen Ende September 2018, als die Aktie in den Dax aufgenommen wurde, und Mitte Februar 2019 büßte sie die Hälfte ihres Wertes ein. Von einem Kurs von 167,40 Euro ging es kurzzeitig bis auf 86 Euro bergab.

In den vergangenen aber sechs Wochen kletterte der Kurs stetig nach oben. Von 110 Euro Mitte April ging es zuletzt auf mehr als 160 Euro hinaus – damit notiert das Papier in Sichtweite des Kurses, der vor dem großen Beben erreicht wurde. An der Börse war das Unternehmen aus dem Münchener Vorort Aschheim vor Kurzem wieder 20 Milliarden Euro wert, sieben Milliarden Euro mehr als die Deutsche Bank.

Doch schon am Mittwoch erhielt die Euphorie einen Dämpfer. Die US-Bank Goldman Sachs, bislang schon einer der Großinvestoren bei Wirecard, hatte ihren erst vor wenigen Wochen deutlich erhöhten Anteil nun genauso deutlich wieder reduziert. Demnach sank der direkt gehaltene Anteil an Stimmrechten von 0,4 Prozent auf 0,2 Prozent.

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Sehr viel mehr Kapital hatte die US-Bank allerdings in spekulative Instrumente wie Derivate, Swaps und Optionen gesteckt und so in eine Erholung des Wirecard-Kurses spekuliert. Dieser Anteil wurde nun wieder auf das vorherige Niveau von 3,3 Prozent der Stimmrechte zurückgefahren, nachdem es zuvor 8,7 Prozent waren. Insgesamt – also über direkt gehaltene Stimmrechte sowie über Instrumente – hält Goldman Sachs nun einen Anteil von 3,5 Prozent nach zuvor 9,1 Prozent.

Eine Begründung liefern Investoren in der Regel nicht zu einem solchen Vorgehen. Angesichts der rasanten Kursgewinne zuletzt darf aber angenommen werden, dass die Bank gutes Geld mit der jüngsten Spekulation gemacht hat.

Analysten glauben an ein Kursziel von mehr als 200 Euro

Dass nun manch anderer Investor ebenfalls darüber nachdenkt, Gewinne mitzunehmen und sich von seinen vor wenigen Wochen gekauften Wirecard-Aktien zu trennen, ist naheliegend. Die DZ-Bank hat den Zahlungsdienstleister am Mittwoch aus ihrer hauseigenen Empfehlungsliste mit dem Namen Equity Ideas entfernt.

Seit der Aufnahme habe sich die Wirecard-Aktie absolut und relativ überdurchschnittlich im Vergleich zum deutschen Leitindex entwickelt, begründet Analyst Harald Schnitzer die Entscheidung. Dadurch wurde zwischenzeitlich auch das Kursziel des genossenschaftlichen Dachinstituts von 158,20 Euro übertroffen. „Deshalb werden wir unsere Annahmen überprüfen“, blickt Schnitzer nach vorne.

Die meisten Experten halten bei Wirecard inzwischen Kurse von 200 Euro und mehr für wahrscheinlich. Es wäre auf alle Fälle ein neues Rekordhoch, nachdem die Aktie im Herbst vergangenen Jahren noch kurz vor dieser Marke abgeprallt war. Erst am Freitag bestätigte Knut Woller von der Baader Bank sein Kursziel von 230 Euro.

Hohe Erwartungen legt er vor allem auf den Einstieg des japanischen Technologie-Konzerns Softbank, den die Hauptversammlung am 18. Juni absegnen soll. Die abgewickelten Volumina und Umsätze dürften mit Hilfe der Softbank, die unter anderem am Fahrdienst Uber und am US-Telekom-Konzern Sprint beteiligt ist, um bis zu zehn Prozent zulegen, erwartet der erfahrene Analyst.

Auch Goldman Sachs, die Bank, die gerade ihren Anteil an derivativen Instrumenten reduziert hat, steht Wirecard weiterhin wohlwollend gegenüber. Auf der sogenannten „Conviction Buy“-Liste, einer Art hauseigener Empfehlungsliste, ist der Dax-Neuling weiterhin vertreten.

Mehr: Auch Zahlungsabwickler haben an betrügerischen Trading-Seiten mitverdient. Für den Dax-Konzern Wirecard könnte das nun Konsequenzen haben.

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