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Aktienmarkt Korrektur statt Crash – Warum US-Aktien verwundbar sind

Die Wall Street wird laut Analysten noch stärker unter Druck geraten. Doch genau diese Entwicklung können Anleger für Neukäufe nutzen.
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Aktienanleger sind derzeit verunsichert. Quelle: dpa
Wall Street

Aktienanleger sind derzeit verunsichert.

(Foto: dpa)

FrankfurtDick Bove ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Auch diesmal stellt der bekannte Aktienanalyst von Rafferty Capital eine klare Forderung: „Die Fed muss umkehren.“ Seiner Meinung nach hebt die US-Notenbank (Fed) die Zinsen zu schnell an und lässt zugleich ihre Bilanzsumme viel zu rasch abschmelzen. „Die USA können nicht von einem System mit unbegrenztem Angebot an Gratisgeld umschwenken zu einem mit teurer Refinanzierung, die nicht leicht zu bekommen ist“, schreibt er in einem Beitrag für die Website des US-Senders CNBC.

Bove, ein Urgestein der Wall Street, bringt die Stimmung an der New Yorker Börse auf den Punkt. Nach einem Absturz des Aktienindexes S&P 500 von seinen höchsten Werten im September um gut zehn Prozent ist die Verunsicherung groß. Daher richten sich die Augen auf die Fed.

Bove ist nicht der Einzige, der darauf hofft, dass Fed-Chef Jay Powell nachgibt, um den Aktienmarkt zu schonen. Joe Amato, Chairman des US-Vermögensverwalters Neuberger Berman, erwartet von ihm eine „sehr marktorientierte, flexible“ Geldpolitik.

Aber Powell würde sich damit schwertun: Zusätzlich angefeuert von der Schuldenpolitik der Regierung, droht die US-Wirtschaft mit sehr niedriger Arbeitslosigkeit heiß zu laufen. Viele Ökonomen, etwa Michael Feroli von JP Morgan, gehen daher davon aus, dass die Fed im nächsten Jahr wie bisher einmal pro Quartal die Zinsen anhebt.

In diesem Umfeld werden selbst Berufsoptimisten zurückhaltend. Viele Aktienanalysten sehen allenfalls noch moderate Steigerungen des breiten US-Indexes S&P 500 voraus.

So sind etwa die Experten von Barclays „vorsichtig bullish“. Schon länger bereitet die relativ hohe Bewertung in den USA im Vergleich zu anderen Aktienmärkten Sorgen. Allerdings ist bei diesem Vergleich auch Vorsicht geboten: Wenn es weltweit kriselt, bringen die mächtigen US-Investoren gern ihr Geld nach Hause und halten den eigenen Markt stabil.

Einen echten Crash scheint zurzeit niemand zu befürchten. Es wäre demnach für langfristige Anleger falsch, sich ganz aus dem US-Markt zu verabschieden. Die aktuell stärkeren Kursschwankungen bei Aktien gelte es auszunutzen, sagt Amato: „Volatilität schafft Renditechancen.“

Nikolaos Panigirtzoglou nennt den US-Markt allerdings „verwundbar“. Der Experte von JP Morgan analysiert regelmäßig die Zahlungsströme auf dem Kapitalmarkt. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass langfristig orientierte Privatanleger, die nicht auf Pump kaufen, im Oktober und November Kursschwächen eher für Zukäufe genutzt haben.

Professionelle und private eher spekulative Anleger mit „Leverage“, also Schuldenhebel, haben dagegen verkauft, aber ihre Verschuldung noch nicht nennenswert abgebaut. Daraus schließt Panigirtzoglou, dass es noch weiter abwärtsgehen kann, wenn die Investoren ihre Verschuldung zurückfahren und weiter verkaufen. Erst danach wäre der Weg wieder frei für einen neuen Anlauf nach oben. Fazit der Studie also: Die besten Kaufkurse kommen wahrscheinlich noch.

Andere Experten geben sich entspannter. „Der wirtschaftliche Hintergrund für steigende US-Aktienmärkte ist intakt“, glaubt Grant Bowers, Fondsmanager bei Franklin Templeton. „Die Verbraucherstimmung in den USA ist noch gut, der Arbeitsmarkt ist sehr robust und die Inflation historisch gesehen niedrig“, sagt er. Deshalb dürften die im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Gewinne im kommenden Jahr um zehn Prozent steigern.

Das wäre zwar deutlich weniger als die geschätzten rund 20 Prozent im laufenden Jahr. Aber der Unterschied ist vor allem auf die kurzfristig wirkende US-Steuerreform zurückzuführen. „Ohne die Steuererleichterungen würde das Gewinnplus in diesem Jahr wohl zehn bis zwölf Prozent betragen“, schätzt Bowers.

Marktbeobachter sehen Korrektur statt Crash

Der Einbruch der Märkte seit Oktober schreckt den US-Aktienfondsmanager nicht: „Der Bullenmarkt in den USA ist noch nicht vorbei, wir sehen derzeit lediglich eine gesunde Korrektur.“ Die Aktien seien jetzt günstiger geworden, und die Gewinnerwartungen gesunken: „Der Markt preist schon eine Reihe negativer Überraschungen ein.“

Gefährdet wäre Bowers’ positiver Ausblick für den US-Aktienmarkt bei einem stark steigenden Dollar, zunehmenden Sorgen um den Welthandel, einer rasch wachsenden Inflation oder stark steigenden US-Zinsen. Er rechnet aber mit keinem dieser Szenarien. Die US-Wirtschaft dürfte nach Einschätzung seines Hauses 2019 um drei Prozent wachsen. Angst vor einer Rezession hat er nicht: „Die Wirtschaft wächst schon sehr lange, aber sie wächst nicht besonders stark. Von daher kann der Spätzyklus, in dem wir uns befinden, anhalten.“

Eine „normale“ Spätzyklus-Welt erkennt auch Amato von Neuberger Berman an den Aktienmärkten. Zwar dürfte der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Investoren weiter beschäftigen und für Volatilität an den Märkten sorgen. Auch Europa habe „einige Probleme“, wie die Verhandlungen zwischen Italien und der EU und die Debatten um die Bedingungen für einen Brexit der Briten zeigten.

Doch „die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Störfaktoren die Weltwirtschaft aus den Fugen hebt“, hält der Vermögensverwalter für gering. Vor allem die US-Wirtschaft sei in solider Verfassung, wie die überwiegend noch immer starken Firmengewinne zeigten. Gerade wenn die Konjunktur insgesamt bereits über den Zenit ihres Wachstums hinweg sei, mache es Sinn, genauer zwischen attraktiven und wenig aussichtsreichen Aktien und auch Sektoren zu unterscheiden, erklärt der Experte.

Es gibt ein Überangebot an Anleihen

Die Analysten von Barclays räumen ein, der US-Markt werde 2019 voraussichtlich weniger als im laufenden Jahr von der Fed gestützt und von der Politik des US-Präsidenten Donald Trump beflügelt als noch ein Jahr zuvor. Sie sehen trotzdem ein Wachstum der Gewinne je Aktie um sieben Prozent voraus – nach rund 25 Prozent 2018. Für Ende 2019 peilen sie beim S&P 500 rund 3000 Punkte an.

Das entspräche einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von – ähnlich wie zurzeit – 17, heißt es in einer Studie. Barclays glaubt, dass auch 2019 US-Aktien besser laufen werden als die meisten anderen Titel. Denn ein Rückschlag der US-Konjunktur würde auch europäische Aktien stark treffen.

Eine entscheidende Rolle dürfte im kommenden Jahr auch der Anleihemarkt spielen. Panigirtzoglou und seine Kollegen gehen davon aus, dass es in den vier wichtigsten Anleihemärkten weltweit (USA, Euro-Land, Japan, Großbritannien) zu einer Lücke zwischen der stabilen, vorhersehbaren Nachfrage und dem Angebot von 480 Milliarden Dollar kommt. Für das laufende Jahr hat diese Lücke sogar 830 Milliarden Dollar erreicht – mehr, als in früheren Monaten prognostiziert worden war.

Die Hauptrolle spielen wiederum die USA. Wichtige Faktoren dabei sind das steigende Angebot von US-Anleihen wegen der wachsenden Staatsverschuldung und eine nachlassende Bond-Nachfrage von US-Banken, deren Zufluss an Kundeneinlagen sich abgeschwächt hat.

Der Zusammenhang mit dem Aktienmarkt liegt auf der Hand: Wenn die Renditen langfristiger Anleihen steigen, werden mehr Anleger in diese Papiere umschichten. Das schwächt die Aktien. Zunächst aber müssen die Investoren bei Zinspapieren mit Kursverlusten rechnen. Kein leichtes Umfeld also für Investoren.

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