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Christian Sewing

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank kündigte der Vorstandschef an, vor allem die Traditionsbank zu stärken.

(Foto: Reuters)

Aktionärstreffen Deutsche-Bank-Chef Sewing kündigt tiefe Einschnitte in der Investmentbank an

Der Vorstandschef nutzt die Hauptversammlung, um Konturen für seinen Plan B vorzustellen. Die Investmentbanker dürften mit Unmut zugehört haben.
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FrankfurtDie Aktie auf Rekordtief, die Rendite nahe der Nulllinie, die Kritik der Investoren immer lauter: Vorstandschef Christian Sewing hat die Hauptversammlung genutzt, um die Eckdaten seines Plan B für die Deutsche Bank vorzustellen. Der Vorstandschef stärkt vor allem die Position der Transaktionsbank – und schweigt große Teile des Wertpapierhandels weg.

„Zu oft hatten in unserer Bank diejenigen die Oberhand, die bremsen anstatt Neues zu ermöglichen, die Altes verwalten, anstatt Chancen zu nutzen“, sagte Sewing vor vollen Rängen im Frankfurter Kongresszentrum der Messe. Die Bank solle „weniger schwankungsanfällig“ werden. „Dazu bedarf es weiterer, erheblicher Veränderungen“.

Die Konturen dafür seien bereits unverkennbar. Sewing fordert einen „noch höheren Anteil“ der stabilen, regelmäßig wiederkehrenden Erträge. Deswegen werde es zu weiteren Anpassungen in den Geschäftsbereichen kommen. „Es geht um eine Bank, deren Geschäftsbereiche klare Renditevorgaben erfüllen – ohne Wenn und Aber“, sagt er.

Wen er damit meint – und wen nicht, wurde auch deutlich. Die Transaktionsbank etwa, in der die Bank den Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung bündelt, kürte Sewing zum „Herzstück der Deutschen Bank“. „Allerdings müssen wir selbstkritisch feststellen: Innerhalb der Unternehmens- und Investmentbank lag häufig zu wenig Fokus auf unserer Transaktionsbank und ihren Wachstumschancen“, sagte er. Das ändere sich nun unter Führung von Stefan Hoops. Die Sparte soll laut Sewing vor allem in Asien wachsen und noch enger mit dem Währungs-, Zins- und Kreditgeschäft verbunden werden.

Dann listete Sewing die Bedingungen auf, die die Sparten der Investmentbank erfüllen müssen. Erstens: Die Geschäfte müssen den anderen Bereichen der Bank im besonderen Maß dienen. Das gelte zum Beispiel für das Beratungs- und Emissionsgeschäft, auch bekannt als Corporate Banking. Das zweite Kriterium: Die Sparte muss in sich profitabel sein und die Renditeanforderungen erfüllen, auch ohne Synergien mit anderen Bereichen. Das gelte zum Beispiel für die Währungsplattform der Bank und den Handel mit Unternehmensanleihen oder die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den USA.

Spannend ist, was bei dieser Aufzählung fehlt: der Handel mit Staatsanleihen und der Aktienhandel – genau jene Bereiche, in denen die Investoren den größten Handlungsbedarf sehen und in denen sie Einschnitte fordern. Sewing versicherte, dass er die Lage der Investmentbank genau analysieren werde.

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Dabei wolle er genauso diszipliniert und kompromisslos sein wie bei den Kosten. Das werden Investmentbanker in London und New York vermutlich nicht gerne hören. Denn dort zeichnet sich der tiefgreifende Umbau der Investmentbank ab, den einige der einflussreichsten Aktionäre sehen wollen. Sewings Fazit ist genau das, was die Kritiker hören wollen: „Wir sind zu tiefen Einschnitten bereit.“

Nachholbedarf sieht Sewing übrigens nicht allein im Investmentbanking. Zur Privatkundensparte sagte er, dass die Bank dort mit ihrer Profitabilität besser unterwegs sei, als ihr viele zugestehen würden. Aber: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir müssen noch rascher und radikaler umbauen.“

Tempo steigern bei der Postbank-Integration

Solche Töne erwartet man eher an die Adresse der Investmentbanker. Die Privatkundensparte soll ab 2021 „mindestens zwölf Prozent“ betragen, sagte Sewing. Dazu müsse die Integration der Postbank erfolgen. „Und hier müssen wir noch schneller werden“, sagte der Vorstandschef. Das lässt sich als verdeckter Seitenhieb gegen den Privatkundenvorstand Frank Strauß interpretieren, den er namentlich nicht nannte – anders als die Namen von Transaktionsbank-Chef Stefan Hoops und DWS-Chef Asoka Wöhrmann, die nicht einmal im Vorstand sitzen.

Voll des Lobes war Sewing dagegen für den Vermögensverwalter DWS. Er betonte, dass die Wachstumsinitiativen der DWS mittlerweile Früchte tragen. „Mit der DWS haben wir noch viel vor“, kündigte Sewing an. Es müsse das Ziel sein, einen der zehn größten Vermögensverwalter der Welt zu formen.

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Die DWS sei Teil des Plans der Bank, auch auf Konzernebene wieder rentabler zu werden. Immerhin erzielte sie bereits heute 18 Prozent Eigenkapitalrendite. Damit erteilte Sewing gelegentlichen Gerüchten, die Bank könne ihre Fondstochter verkaufen, indirekt eine Absage.

Summa summarum: Nach dem Rekordtief beim Aktienkurs und massiver Kritik vieler Aktionäre präsentierte Sewing gerade die Konturen für Plan B. Mehr Transaktionsbank, mehr Vermögensverwaltung, mehr Privatkundengeschäft – und bis auf wenige Ausnahmen weniger Wertpapierhandel.

„All die starken Bereiche haben vergangenes Jahr insgesamt mehr als 21 Milliarden Euro an verlässlichen, wiederkehrenden Erträgen erzielt“, sagte Sewing. Das seien rund 85 Prozent der Gesamterträge der Bank. „Wenn wir uns nun im Zuge unserer Transformation die übrigen Geschäftsfelder noch einmal genau ansehen und entsprechend handeln, werden wir unsere Profitabilität erheblich steigern können.“ Daran habe er keine Zweifel. Für Beobachter hingegen ist klar, dass sich jetzt ziemlich viele Staatsanleihe- und Aktienhändler der Bank verstärkt nach frischen Perspektiven anderswo umsehen werden.

Mehr: Die Deutsche Bank hat viele Probleme, besonders beim Investmentbanking. Vor der Hauptversammlung gibt sich der Finanzvorstand einsichtig. Die Zahlen im Bilanzcheck.

Christian Sewing: „Wir sind zu harten Einschnitten bereit“

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  • Wer Leistung bringt, sollte gut verdienen. Dies müssen sich die Londoner und New Yorker Investmentbanker anhören müssen. Die Minderleistung der Investmentbanker kann nicht mit hohen Boni belohnt werden.

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