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Aktionärstreffen Fünf Dinge, die bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank wichtig sind

Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank stehen vor einer komplizierten Hauptversammlung. Fünf Punkte sind besonders kritisch.
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Aktionärsberater Hermes für Entlastung von Deutsche-Bank-Spitze Quelle: AFP
Paul Achleitner und Christian Sewing

Dass der Aufsichtsratsvorsitzende (l.) und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank entlastet werden, steht noch nicht fest.

(Foto: AFP)

FrankfurtWie in jedem Jahr hat die Deutsche Bank für ihr Aktionärstreffen die Frankfurter Festhalle gemietet. Hier jubeln sonst tausende Zuschauer Popstars auf der Bühne zu – Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Paul Achleitner sollten sich an diesem Donnerstag auf eine andere Stimmung einstellen.

Warum ist die anstehende Hauptversammlung besonders kritisch?

Bereits die vergangenen Jahre waren für die jeweiligen Verantwortlichen nicht einfach, in diesem Jahr ist noch einmal etwas anders: In Glass Lewis und Institutional Investor Services (ISS) empfehlen zwei große Stimmrechtsberater, Vorstand und Aufsichtsrat der Bank nicht zu entlasten.

Eine Bewertung mit Gewicht: Auf das Votum der Stimmrechtsberater verlassen sich viele Großinvestoren wie Publikumsfonds, Versicherer oder Pensionsfonds. Experten schätzen, dass Glass Lewis und ISS gemeinsam bis zu 40 Prozent der Stimmen hinter sich versammeln könnten.

Was kritisieren die Stimmrechtsberater?

Es sind vor allem zwei Punkte, die für das Nein von ISS und Glass Lewis verantwortlich sind: Die fast schon chronische Schwäche der Kontrollsysteme der Bank und ihre wirtschaftliche Lage.

Im vergangenen Jahr wurde die Verquickung der Deutschen Bank in den größten europäischen Geldwäsche-Skandal rund um die Danske Bank bekannt. Bis Ende 2015 waren die Frankfurter als Korrespondenzbank für die estnische Abteilung der Danske Bank tätig und wickelten einen Großteil der insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro an Geldern aus dubiosen Quellen ab.

Die Finanzaufsicht Bafin fordert eine schnelle Aufarbeitung des Danske-Skandals und hat dem Geldhaus einen Sonderbeauftragten für das Thema Geldwäsche in die Frankfurter Zentrale geschickt. Das setzt vor der Hauptversammlung auch Regulierungsvorständin Sylvie Matherat unter Druck.

Über allen Querelen rund um das größte heimische Geldhaus steht der Absturz des Börsenkurses. Kurz vor der Hauptversammlung fiel die Aktie auf ein neues Allzeittief bei 6,58 Euro.

Nach dem Scheitern der Fusionspläne mit der Commerzbank wünschen sich viele Aktionäre einen Neuanfang, doch der lässt auf sich warten. Vorstandschef Sewing hat zwar die Kosten in den Griff bekommen, aber die Erosion der Erträge konnte auch er nach einem Jahr an der Spitze der Bank nicht stoppen.

Wie geht es mit dem schwächelnden Investmentbanking weiter?

Das größte Problem der Deutschen Bank sehen viele Aktionäre in der einstigen Vorzeigesparte, der Investmentbank. Der Bereich war im vierten Quartal 2018 in die roten Zahlen gerutscht und verbuchte auch in den ersten drei Monaten diesen Jahres Verluste.

Dadurch wächst auch der Druck auf den zuständigen Vorstand Garth Ritchie, der zudem wegen seiner Bezahlung in der Kritik steht. Ritchie schneidet laut der Leistungsbewertung im Geschäftsbericht als schlechtester Vorstand ab, verdiente aber dank einer millionenschweren Sonderzulage im vergangenen Jahr mit 8,6 Millionen Euro trotzdem mehr als alle anderen Top-Manager der Bank.

Vor allem der Wertpapierhandel treibt den Aktionären die Sorgenfalten auf die Stirn. Im Jahr 2018 schrumpften die Erträge um 16 Prozent, im ersten Quartal 2019 sogar um 19 Prozent. Deshalb fordern viele Großinvestoren einen radikalen Umbau.

„Eine Anpassung der Strategie ist überfällig“, mahnt Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment. Eine Investmentbank in der heutigen Größe könne sich die Bank schlicht nicht mehr leisten.

Wie schlecht die Lage im Handel tatsächlich aussieht, lässt sich allenfalls erahnen. Die Deutsche Bank weist für die einzelnen Teile der Investmentbank zwar getrennte Rechnungen für die Erlöse aus, nicht aber für den Gewinn.

Zusätzlich verzerrt wird das Bild dadurch, dass das Geldhaus seine profitable Transaktionsbank mit ins Investmentbanking gepackt hat. Diese Sparte, die zu den stabilsten Ertragsbringern gehört, verdient ihr Geld mit Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen.

Sewing hat die Investmentbank zwar bereits zurechtgestutzt und die Bilanz um rund 100 Milliarden Euro geschrumpft, doch das reicht einigen der größten Aktionäre der Bank bei weitem nicht. Sie würden sich eine sehr viel fokussiertere unternehmensnahe Investmentbank wünschen.

Dass Sewing bereits auf der Hauptversammlung einen detaillierten Umbauplan präsentiert, gilt als unwahrscheinlich. Der Vorstandschef könnte in seiner Rede aber durchaus Andeutungen machen, in welche Richtung die Bank denkt.

Warum könnte die Hauptversammlung für Aufsichtsratschef Paul Achleitner ungemütlich werden?

Wieder einmal konzentriert sich die Kritik auf dem Aktionärstreffen vor allem auf den Aufsichtsratschef. Die Kritiker werfen Achleitner vor, dass die Deutsche Bank noch immer in der Krise steckt, obwohl er bereits zwei Mal im Hauruck-Verfahren den Vorstandschef ausgetauscht hat.

Der Österreicher steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats. Seither ist der Aktienkurs um mehr als 70 Prozent gefallen. Außerdem sehen einige einflussreiche Anteilseigner den Chefaufseher als Hindernis für einen entschlosseneren Umbau der Investmentbank.

Zum Umbau der Sparte scheint es in der Chefetage der Bank tatsächlich unterschiedliche Meinungen zu geben. In einem Interview drohte Sewing den Investmentbankern mit Konsequenzen, sollten sie nicht bald wieder auskömmliche Renditen erwirtschaften. Ein paar Tage später machte Achleitner klar, dass er eine Grundsanierung der Sparte für unnötig hält, und dass kleinere Eingriffe ausreichen würden.

„Das sind weit mehr als semantische Unterschiede“, klagt ein Großinvestor. Einer der Kernaktionäre des Geldhauses will Finanzkreisen zufolge sogar die Entlastung Achleitners davon abhängig machen, ob die Deutsche Bank sich zu einem entschlossenen Restrukturierungsplan für die Kapitalmarktsparte bekennt.

Ein anderer will den Chef-Kontrolleur auf dem Aktionärstreffen zwar entlasten, anschließend aber darauf drängen, dass Achleitner zügig einen Nachfolger aufbaut und sich anschließend vorzeitig aus seinem bis 2022 laufenden Vertrag zurückzieht.

Im Gegensatz zu Achleitner hält sich die Kritik an Vorstandschef Sewing bislang in Grenzen. In seinem ersten Jahr an der Spitze habe er zumindest bewiesen, dass er die nötigen Reformen angehen wolle, ist bei einem der Kernaktionäre der Deutschen Bank zu hören.

Wie groß könnten die Probleme für die Führung der Deutschen Bank wirklich werden?

Vielen Deutsch-Bankern dürfte noch die gespenstische Hauptversammlung von 2015 in den Knochen stecken, als die beiden damaligen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit jeweils nur rund 60 Prozent Ja-Stimmen eine schallende Ohrfeige der Aktionäre kassierten. Ein paar Wochen später war das Führungsduo Geschichte.

In diesem Jahr wäre ein ähnliches Ergebnis für Vorstand und Aufsichtsrat wahrscheinlich schon ein Erfolg. Die Entlastung der Führungsmannschaft hat zwar nur symbolische Bedeutung und keine rechtlichen Konsequenzen, aber sie gilt als Gradmesser für das Vertrauen der Aktionäre.

Das scheint in diesem Jahr nicht nur bei der Deutschen Bank zu fehlen. So kassierte etwa Bayer-Chef Werner Baumann wegen der Monsanto-Übernahme eine Niederlage, die Führung der Schweizer Großbank UBS wurde wegen milliardenschwerer Rechtsrisiken ebenfalls abgestraft und nicht entlastet.

Trotz des wachsenden Misstrauens der Kernaktionäre gilt ein Eklat auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank als eher unwahrscheinlich. Nach Informationen aus Finanzkreisen stehen die Chancen für Vorstand und Aufsichtsrat, trotz der Ablehnung der US-Stimmrechtsberater und der Kritik der Großaktionäre eine Entlastung zu erreichen, nicht schlecht.

Bei einer Hauptversammlungspräsenz, die erfahrungsgemäß bei um die 40 Prozent liegt, sei dies nach wie vor der wahrscheinlichste Fall, heißt es. Einige einflussreiche Anteilseigner werden trotz aller Kritik für das Top-Management stimmen, um eine weitere Destabilisierung der Bank zu verhindern.

So wollen zum Beispiel Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sowie die Fondsgesellschaften Union Investment und Hermes trotz zum Teil deutlicher Kritik Vorstand und Aufsichtsrat entlasten. Aber auch ein knapper Abstimmungssieg wäre für die Bank und ihre Führung allenfalls ein Etappensieg.

Mehr: Endspiel für Paul Achleitner bei der Deutschen Bank – der Aufsichtsratschef muss wieder einmal um seine Zukunft kämpfen.

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  • Seit Mai 2007 verliert die Deutsche Bank rund € 25.000.000.-
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