Alliance-Bernstein Axa greift bei Vermögensverwalter durch

Alliance-Bernstein hat überraschend CEO Peter Kraus und neun weitere Mitglieder der Führungsebene entlassen. Sie bekommen hohe Abfindungen. Die Personalie heizte Spekulationen über die Gründe des Rauswurfs an.
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Die französische Axa-Versicherung ist Mehrheitseigentümer bei der AllianceBernstein Holding. Quelle: Reuters
AXA

Die französische Axa-Versicherung ist Mehrheitseigentümer bei der AllianceBernstein Holding.

(Foto: Reuters)

New YorkDie Alliance-Bernstein Holding hat sich überraschend von ihrem CEO und Chairman des Board of Directors Peter Kraus getrennt. Zugleich mussten neun Mitglieder des Board gehen. Für Kraus versüßen rund 99 Millionen Dollar den Abgang. Denn Alliance-Bernstein kauft 4,34 Millionen Aktienzertifikate zu je 22,90 Dollar von Kraus zurück, wie aus einer Pflichtmitteilung am Montag hervorging. Er hatte den größten Teil seiner Vergütung in solchen Zertifikaten erhalten.

Die Personalie überraschte Analysten und heizte Spekulationen über die Gründe des Rauswurfs an. Will der Mehrheitseigentümer, der französische Versicherungskonzern Axa, mehr Kontrolle übernehmen? Gab es Reibungen zwischen dem CEO und Axa? Oder war eine bedeutende Strategieänderung vorgesehen? Eine Telefonkonferenz mit Denis Duverne, Chairman von Axa, lieferte kaum Klarheit.

„Die Telefonkonferenz des Managements führte zu mehr Fragen als Antworten“, schrieb Surinder Thind, Analyst bei Jefferies am Montag. Die Veränderungen würden einen glauben machen, „dass sich Alliance-Bernstein einer Strategieänderung unterzieht. Andernfalls erscheint die Veränderung nicht gerechtfertigt.“ Von Kraus war keine Stellungnahme zu erhalten, Sprecher von Axa und Alliance-Bernstein wollten sich über eine Pressemitteilung hinaus ebenfalls nicht äußern.

Axa war aktiv geworden, nachdem der Vermögensverwalter Alliance-Bernstein, bekannt für aktiv gesteuerte Fonds, im Geschäftsjahr 2016 Nettoabflüsse von 9,8 Milliarden Dollar verzeichnete. Das nannten Analysten in ihren am Montag, nach Bekanntwerden der Personalie, veröffentlichten Einschätzungen jedoch nicht als Ursache. Im Gegenteil, einige lobten Kraus dafür, dass er Alliance-Bernstein stabilisiert und diversifiziert hat, seit er im Dezember 2008 in der Finanzkrise CEO wurde.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

In seinen ersten Jahren wurde er kritisch beäugt, als Investoren Gelder in Milliardenhöhe abzogen, doch konnte er die Abflüsse eindämmen. Das betreute Vermögen hatte 2007 mit über 800 Milliarde Dollar seinen Spitzenwert erreicht. Zuletzt lag das Anlagevolumen noch bei fast 500 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2017 summierten sich die Nettozuflüsse auf 1,6 Milliarde Dollar, wie Alliance-Bernstein am 27. April mitgeteilt hatte.

Von Analysten gedrängt, die plötzlichen Veränderungen zu erklären, war Duverne eher einsilbig. „Wir haben entschieden, dass es Zeit für eine neue Führung war“, sagte er in der Telefonkonferenz. Es gehe um die Zukunft, und nicht darum, die Vergangenheit in Frage zu stellen. „Man fragt sich, ob es ein spezielles Problem gab, oder ob sie sich nur dachten, er ist der Falsche für eine sich verändernde Branche“, sagte Lawrence Glazer, Managing Partner bei Mayflower Advisors in Boston.

Nachfolger von Kraus als CEO wird Seth Bernstein. Robert Zoellick, früherer Weltbank-Präsident und Manager bei Goldman Sachs folgt als Chairman. Das geht aus einer Mitteilung am Montag hervor. Bernstein, 55 verbrachte mehr als drei Jahrzehnte bei JP Morgan, zuletzt im Asset Management.

Weiter kommen Barbara Fallon-Walsh, zuvor Managerin bei der Fondsgesellschaft Vanguard Group, Daniel Kaye, zuvor Ernst & Young, der frühere JP-Morgan-Manager Ramon de Oliveira neu ins Board von Alliance-Bernstein. Denis Duverne und Mark Pearson von Axa bleiben, Anders Malmstrom, CFO von Axa Financial, kommt ebenfalls neu hinzu.

„Wir haben festgestellt, dass alle angekündigten Board-Mitglieder starke Verbindungen zu Axa Financial haben. Das legt nahe, dass Axa mehr Einfluss auf Alliance-Bernstein ausüben will“, schrieben Analysten von Keefe, Bruyette & Woods am Montag. Axa besitzt laut Daten vom 31. März 63,8 Prozent der Anteile der Vermögensverwalters.

  • Bloomberg
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