Allianz Ein Gigant öffnet das Füllhorn

Europas größter Erstversicherer trotzt der schweren Hurrikansaison: Der Jahresgewinn wird in der oberen Hälfte der Prognose liegen, und die Investoren dürfen sich auf ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm freuen.
Update: 10.11.2017 - 11:17 Uhr Kommentieren

„Allianz trotzt Stürmen und Erdbeben“

FrankfurtEs ist ein Zeichen, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Während viele Konkurrenten operativ auf der Stelle treten und sich zur Dividende bedeckt halten, prescht Europas größter Erstversicherer Allianz mit einem überraschenden Schritt vor. Kurz vor dem Ende des im Februar angeschobenen milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms habe die Allianz nun ein weiteres Rückkaufprogramm für eigene Aktien beschlossen, erklärte Allianz-Finanzchef Dieter Wemmer am Freitag in München.

Mit dem Rückkauf eigener Aktien wolle der Konzern jetzt erneut eine Milliardensumme an die Anteilseigner zurückgeben. Das Programm solle diesmal bis zu zwei Milliarden Euro umfassen und in der ersten Jahreshälfte 2018 umgesetzt werden.

Die Allianz öffnet damit erneut ihr Füllhorn. Denn operativ läuft es beim blauen Riesen aus München besser als gedacht. Trotz einer mehr als 500 Millionen Euro schweren Schadensbilanz aus den Naturkatastrophen ging der operative Gewinn im dritten Quartal weniger stark zurück als Analysten erwartet hatten. Die Allianz verzeichnete ein operatives Ergebnis von 2,5 Milliarden Euro, das damit 17 Prozent niedriger ausfiel als ein Jahr zuvor.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

„Angesichts der massiven Naturkatastrophen, die sich auf unser Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft auswirkten, haben sich die Ergebnisse des dritten Quartals robust gezeigt“, zeigte sich Vorstandschef Oliver Bäte zufrieden. Das lässt nun auch die Erwartungen für das Gesamtjahr in der Zentrale an der Königinstraße in München konkreter werden.

Das Topmanagement strebt nunmehr ein Ergebnis in der oberen Hälfte der bisherigen Jahresprognose an, nachdem im August noch das obere Ende angepeilt worden war. Das operative Ergebnis werde zwischen 10,8 und 11,3 Milliarden Euro liegen, legte sich das Topmanagement nun fest, nachdem im Vorjahr 11,1 Milliarden Euro in den Büchern standen. Bisher hatte der Konzern für 2017 auch einen Ergebnisrückgang auf bis zu 10,3 Milliarden Euro nicht ausgeschlossen.

Die Analysten rechnen derzeit mehrheitlich damit, dass die Münchener im Gesamtjahr bei etwa 11,2 Milliarden Euro landen werden. Einen großen Teil des Weges hat der Dax-30-Konzern dabei bereits zurückgelegt. Nach neun Monaten hat der Versicherungsriese schon 8,3 Milliarden Euro erreicht, 3,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn stieg um fünf Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Experten reagierten wohlwollend auf die Ziffern. „Angesichts der Serie von Naturkatastrophen im dritten Quartal hat Allianz ein solides Quartalsergebnis berichtet, das etwas besser als erwartet ausgefallen ist“, erklärte Thorsten Wenzel, Versicherungs-Analyst der DZ-Bank. „Auch die Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt eine positive Überraschung.“ Auch die Investoren klatschten Beifall. Die Aktie des Erstversicherers legte zeitweise mehr als ein Prozent zu.

Die Allianz setzt sich damit deutlich von vielen Wettbewerbern in Europa ab. Die Zurich Insurance Group hatte erst vor wenigen Tagen dargelegt, dass der Versicherer in den ersten neun Monaten auf der Stelle getreten war. In der größten Sparte Schaden- und Unfallversicherung sanken die Prämieneinnahmen um zwei Prozent auf 25,35 Milliarden Dollar, wie Europas fünftgrößter Versicherungskonzern mitteilte.

Auch der italienische Versicherer Generali bekam den Verkauf einer Tochter in den Niederlanden zu spüren. Der operative Gewinn stagnierte und der Nettogewinn sank in den ersten neun Monaten um 9,9 Prozent auf 1,463 Milliarden Euro. In München lief es bei der Allianz dagegen operativ im dritten Quartal in der Lebensversicherung und in der Vermögensverwaltung am besten.

Die Allianz erteilt Ratschläge an die Wettberber
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