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Ana Botín Warum die Verwaltungsratschefin von Santander ihrem neuen CEO den Laufpass gab

Die Verwaltungsratschefin von Santander will durchregieren. Doch mit einer Top-Personalie handelt sie sich erstmals Ärger ein.
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Die Verwaltungsratschefin von Santander sagte Mitte Januar überraschend den Deal mit dem Investmentbank-Star Andrea Orcel wieder ab. Quelle: Rui Camilo/laif
Ana Botín

Die Verwaltungsratschefin von Santander sagte Mitte Januar überraschend den Deal mit dem Investmentbank-Star Andrea Orcel wieder ab.

(Foto: Rui Camilo/laif)

Madrid Wenn Ana Botín redet, lächelt sie viel. Es ist eine verbindliche Geste, die aber nichts an der Bestimmtheit der Verwaltungsratschefin von Spaniens größter Bank ändert. „Sie ist sehr klar und direkt in ihren Ansagen und genießt in der Bank hohen Respekt“, sagt Manuel Romera, der an der IE Business School Finanzmanagement lehrt und das Innenleben von Santander gut kennt.

Umso mehr verwunderte Botín die Finanzwelt mit der verpatzten Verpflichtung des Investmentbank-Stars Andrea Orcel. Im September hatte sie noch verkündet, er wechsele von der Schweizer UBS als CEO zu Santander. Doch Mitte Januar sagte die Verwaltungsratschefin den Deal wieder ab. Er zerbrach an einem Streit darüber, wer Orcel die ausstehenden Boni von 50 Millionen Euro zahlt, die er bei der UBS in siebenjähriger Tätigkeit angesammelt hatte.

In Santander-Kreisen heißt es, Botín habe ursprünglich darauf gesetzt, dass UBS  einen Teil der Kosten übernehme. Doch obwohl die 58-Jährige bei UBS-Chef Axel Weber anrief, blieb der hart. „Der Verwaltungsrat entschied nach eingehender Prüfung, dass der Betrag, der am Ende feststand, für die Mitarbeiter und Aktionäre nicht zumutbar war“, erklärte Botín bei der Bilanzvorlage Ende Januar. Damit blieb sie sich treu, denn Botíns Botschaft ist es, das ramponierte Image der Banken zu reparieren. Immer wieder betont sie die Verantwortung der Institute gegenüber der Gesellschaft.

Das Geld war zwar der Auslöser dafür, dass Botín mit Orcel brach – aber offenbar nicht der einzige Grund. In Santander-Kreisen ist zu hören, Orcel sei nach seiner offiziellen Nominierung bei Treffen in Madrid einigen Managern negativ aufgefallen. „Er hat dick aufgetragen und hatte einen aggressiven Ton“, heißt es. Einige hätten sich gefragt, ob er sich damit zufriedengeben würde, die Nummer zwei hinter Botín zu sein. In Spanien besitzt der Chef eines Verwaltungsrats auch exekutive Funktion und ist damit die Nummer eins.

„Botín hat sich in der Bank mit engen Vertrauten umgeben“, sagt Experte Romera. „Das Klima ist offen, und es wird viel diskutiert. Ein aggressives Verhalten passt da nicht gut hinein.“ Die „Financial Times“ berichtet, dass es auch persönlich zwischen Botín und Orcel geknirscht habe. Orcel wollte demnach wie gewohnt zum Weltwirtschaftsforum nach Davos reisen. Doch Botín, die selbst dort war, habe sich dagegen ausgesprochen, da Orcel noch nicht bei Santander angefangen hatte. Traditionell schickt Santander immer nur einen Vertreter nach Davos.

Die Personalie Orcel könnte noch ein Nachspiel haben: Laut „Financial Times“ erwägt der Starbanker eine Klage gegen Santander, weil die ihm den versprochenen Posten verwehrte. Er hatte bei der UBS schon gekündigt und steht jetzt ohne Job da. Auf der Bilanzpräsentation vor zwei Wochen sagte Botín nur, dass sie weiterhin in Kontakt mit Orcel stehe.

Der Fall ist der erste große Missklang, seit sie nach dem Tod ihres Vaters Emilio Botín dessen Amt übernommen hatte. Der nach Marktkapitalisierung größten Bank der Euro-Zone verpasste sie umgehend eine neue Strategie: Priorität hatten nicht mehr Zukäufe, sondern Kundenwachstum und Verbesserung der Kennzahlen. Sie tauschte Vertraute ihres Vaters aus, darunter auch den damaligen CEO, strich Einheiten und Filialen und nahm den Topmanagern ihren Chauffeur, um auch dort zu sparen.

Die 58-Jährige hatte sich früh auf die Nachfolge vorbereitet: Nach einem Studium in Philadelphia arbeitete sie acht Jahre bei der US-Investmentbank JP Morgan in New York und machte dabei die Erfahrung, dass „Frauen mutiger sein müssen als Männer, um wahrgenommen zu werden“, wie sie im vergangenen Jahr auf LinkedIn schrieb. Nach der Zeit in den USA leitete sie den Santander-Zukauf Banesto und dann das britische Santander-Geschäft. Botín ist ohne Frage mit die mächtigste Frau der Bankenwelt.

2015 wählten deutsche Wirtschafts- und Finanzjournalisten sie zum „European Banker of the Year“. UBS-Chef Axel Weber schrieb kurz darauf im Handelsblatt eine Laudatio auf Botín. Er beschrieb sie als „äußerst talentierte und leistungsorientierte Managerin voller Ideen“ und erklärte, ihre Strategie des Interessenausgleichs zwischen Mitarbeitern, Kunden, Aktionären und der Gesellschaft habe „maßgeblich zum Erfolg von Santander beigetragen“.

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