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Analyse   Commerzbank-Aktie fällt auf Rekordtief – das sind die Gründe

Die Aktie der Commerzbank hat am Montag einen neuen Tiefpunkt erreicht. Analysten sehen in naher Zukunft kaum Chancen auf eine Trendwende.
Update: 13.08.2019 - 06:47 Uhr Kommentieren
Der Druck auf das Management steigt, bis Herbst eine Strategie zu erarbeiten, die für steigende Gewinne und einen höheren Aktienkurs sorgt Quelle: dpa
Schwere Zeiten für die Commerzbank

Der Druck auf das Management steigt, bis Herbst eine Strategie zu erarbeiten, die für steigende Gewinne und einen höheren Aktienkurs sorgt

(Foto: dpa)

Frankfurt Gewinnrückgang, mehr Kreditausfälle und eine Serie von IT-Pannen: Für die Commerzbank gab es in jüngster Zeit eine Reihe von schlechten Nachrichten. Am Montag kam eine weitere dazu: Die Aktie des Frankfurter Geldhauses sackte – bereinigt um Kapitalmaßnahmen und Aktienzusammenlegungen – auf ein Rekordtief ab.

Zeitweise verlor das Papier über vier Prozent auf 5,018 Euro, zum Handelsschluss lag der Kurs bei 5,044 Euro nur knapp darüber. Am Dienstag fiel das Papier sogar unter die Marke von fünf Euro. Bislang hatte der niedrigste Wert, im August 2016, bei 5,16 gelegen. Seit einem Zwischenhoch während der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank Mitte April hat die Commerzbank damit mehr als ein Drittel ihres Marktwerts eingebüßt.

Damit steigt der Druck auf das Management, bis Herbst eine neue Strategie zu erarbeiten, um mehr Gewinn zu erwirtschaften und für einen steigenden Aktienkurs zu sorgen. „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, betonte Vorstandschef Martin Zielke vergangene Woche. „Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern, und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess.“

Für den Einbruch der Commerzbank-Aktie gibt es im Wesentlichen drei Gründe: schwindende Übernahmefantasien, die Konjunkturabkühlung und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Da die Commerzbank über viele Einlagen verfügt und stark im Kreditgeschäft aktiv ist, reagieren ihre Ergebnisse besonders stark auf eine veränderte Zinspolitik. Doch die Hoffnung des Instituts, dass die EZB die Zinsen in absehbarer Zeit anhebt, haben sich inzwischen zerschlagen.

EZB-Chef Mario Draghi hat stattdessen für September eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Die Einlagezinsen, die Banken bezahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken, könnten dann noch tiefer in den negativen Bereich gedrückt werden – beispielsweise von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent.

„Keine einfachen und schnellen Lösungen“

Auf die Commerzbank kämen in diesem Fall im ersten Jahr zusätzliche Belastungen von 50 Millionen Euro zu, sagte Finanzchef Stephan Engels vergangene Woche bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Engels geht davon aus, dass der Zinsüberschuss – die wichtigste Ertragsquelle der Commerzbank – im laufenden Jahr weiter zulegen wird, allerdings nicht mehr so stark wie 2018.

Im kommenden Jahr gehen Experten jedoch von einem Rückgang des Zinsüberschusses aus. „Bisher hat die Commerzbank den Druck auf die Gewinnmargen durch ein eindrucksvolles Kreditwachstum wettgemacht“, betonen die Analysten von Bank of America Merrill Lynch. „Künftig wird dies aber vermutlich nicht mehr im gleichen Maße möglich sein: Durch den Margendruck und eine Zinssenkung der EZB wird zu viel Gegenwind entstehen, weshalb wir 2020 mit einem sinkenden Zinsüberschuss rechnen.“

Und das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Gewinn, der im ersten Halbjahr um über ein Viertel auf 391 Millionen Euro eingebrochen ist. Die Commerzbank kommt damit auf eine Eigenkapitalrendite von rund drei Prozent. Die Analysten der Bank of America gehen davon aus, dass die Rendite in den kommenden Jahren in diesem Bereich verharren wird.

Nach den Quartalszahlen reduzierten viele Analysten deshalb ihre Prognosen für die Commerzbank-Aktie. Die Analysten der Bank of America senkten das Kursziel um satte 30 Prozent auf 4,90 Euro und stuften das Papier von „halten“ auf „verkaufen“ herab. Ihr Urteil hört sich wenig schmeichelhaft an. „Das Umfeld wird immer schwieriger, und es sieht nicht so aus, als gäbe es schnelle und einfache Lösungen.“

Dazu dürfte auch die Konjunkturabkühlung beitragen, in deren Folge es meist mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle gibt. Im ersten Halbjahr stieg die Risikovorsorge bei der Commerzbank bereits um 60 Prozent auf 256 Millionen Euro.

Niemand klopft an

Besonders enttäuscht hatte zuletzt die Firmenkundensparte der Commerzbank. Hier brach der operative Gewinn im zweiten Quartal auf 22 Millionen Euro ein. Für die kommenden Quartale stellte Finanzchef Engels in der Sparte zwar jeweils einen Gewinn von rund 100 Millionen Euro in Aussicht. Doch auch das ist weniger, als viele Experten bisher erwartet hatten.

Die Analysten der DZ Bank reduzierten das Kursziel um rund ein Viertel auf 5,80 Euro. „Für die Commerzbank bleibt unseres Erachtens fast nur noch die Kostenbasis als einzige große Stellschraube übrig“, erklärten sie. „Hier hat die Bank in der Vergangenheit nur verhaltene Fortschritte erzielt.“

In den zurückliegenden ein bis zwei Jahren profitierte der Aktienkurs der Commerzbank immer wieder von der Hoffnung der Anleger, dass ein anderes Institut die Gelben übernimmt und dabei einen ordentlichen Aufschlag auf den aktuellen Kurs bezahlt.

Doch nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank haben auch andere potenzielle Käufer wie ING und UniCredit zu erkennen gegeben, dass sie aktuell kein Interesse an einer Übernahme der Commerzbank haben.

Die meisten Experten rechnen deshalb in naher Zukunft nicht mit einer Offerte. „Die geringen Fortschritte bei der europäischen Bankenunion machen grenzüberschreitende Fusionen kurzfristig schwierig“, betonen die Analysten von JP Morgan.

Finanzchef Engels sieht das ähnlich. Seit Jahresanfang seien die Aktien aller europäischer Banken gefallen, sagte er vergangene Woche. Auch beim Thema Konsolidierung gebe es deshalb nichts Neues. Bei der Commerzbank habe niemand angeklopft.

Mehr: Traditionellen Banken fällt es schwer, sich an die neuen Realitäten der digitalen Zeit anzupassen. Der Rückstand auf agile Angreifer wächst.

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