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Analyse Commerzbank kassiert Gewinnziel – „Wunschdenken nicht angesagt“

Trotz eines Gewinnsprungs im dritten Quartal rechnet das Institut im Gesamtjahr mit einem rückläufigen Überschuss. Einer der Gründe sei die EZB.
Update: 07.11.2019 - 08:08 Uhr Kommentieren
Die Bank spart Kosten, doch zu höheren Gewinnen wird das 2019 nicht führen. Quelle: Bloomberg
Commerzbank-Filiale in Frankfurt

Die Bank spart Kosten, doch zu höheren Gewinnen wird das 2019 nicht führen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Beim Kassieren von Prognosen hat der Commerzbank-Vorstand Erfahrung. Am Donnerstag war nun das Gewinnziel für 2019 dran. Das Institut rechnet im laufenden Jahr nun mit einem rückläufigen Konzernjahresüberschuss. Bisher hatte das Geldhaus in Aussicht gestellt, den Vorjahresgewinn von 865 Millionen Euro leicht zu übertreffen.

Im dritten Quartal hat das Institut seinen Gewinn um 35 Prozent auf 294 Millionen Euro ausgebaut. „Das lag vor allem an höheren Erträgen, verringerten Kosten und einem niedrigeren Risikoergebnis“, sagte Finanzchef Stephan Engels.

Die Eckdaten für die Monate Juli bis September hatte das Institut bereits vor gut einer Woche veröffentlicht, weil sie deutlich besser ausfielen als von Analysten erwartet. Nun folgten die Details.

 

– Im Privat- und Unternehmerkundensegment hat die Bank im dritten Quartal netto 141.000 neue Kunden gewonnen, zwei Drittel davon in der Filialbank.

– Die harte Kernkapitalquote sank nach der Überprüfung interner Modelle durch die EZB leicht auf 12,8 Prozent. 

– Das Institut rechnet damit, dass der Konzerngewinn 2019 unter dem Vorjahreswert von 865 Millionen Euro liegen wird.

– Die Bank bekräftigt, dass die Ausschüttungsquote auf vergleichbarem Niveau wie 2018 liegen soll, als es eine Dividende von 20 Cent je Aktie gab

 

 

Das fällt positiv auf:

Steigende Erträge. Im Gegensatz zum großen Nachbarn Deutsche Bank hat es die Commerzbank geschafft, ihre Erträge auszubauen. Dank des Wachstums im Kerngeschäft stiegen sie im dritten Quartal um zwei Prozent auf 2,18 Milliarden Euro

Verantwortlich dafür war der Zinsüberschuss, der um 2,7 Prozent anzog. Der Provisionsüberschuss ging dagegen leicht zurück.

„Wir wachsen weiter bei Kunden und Assets und begegnen so dem unverminderten Margendruck“, sagte Finanzchef Engels. Im Privat- und Unternehmerkundensegment hat die Bank im dritten Quartal unter dem Strich 141.000 neue Kunden gewonnen.

Auf dem Weg zu ihrem Ziel, bis 2023 eine Millionen Neukunden zu verzeichnen, hat die Commerzbank damit einen ersten großen Schritt gemacht.

Positiv ist darüber hinaus, dass die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 114 Millionen Euro zurückging. Die Befürchtung mancher Analysten, dass es bei der Commerzbank im Zuge des Konjunkturabschwungs zu einer Flut an Kreditausfällen kommt, hat sich damit zumindest bislang nicht bewahrheitet.

Die Risikoindikatoren seien weiter stabil, erklärte die Commerzbank. Im Gesamtjahr kalkuliert das Institut weiter mit einer Risikovorsorge von „mindestens 550 Millionen Euro“.

 

Das fällt negativ auf:

Kassierte Prognose(n). In den vergangenen Monaten und Jahren hat die Commerzbank ihre Ziele regelmäßig verfehlt. Ex-Chef Martin Blessing erreichte die angepeilte Eigenkapitalrendite von zehn Prozent nicht. Und auch sein Nachfolger Martin Zielke musste Anfang des Jahres einräumen, dass das für 2020 ausgegebene Ziele einer Eigenkapitalrendite von mehr als sechs Prozent nicht zu schaffen ist. Das Ertragsziel für 2020 hatte die Bank bereits im vergangenen Jahr zurückgenommen.

Nun kassiert das Institut Schritt für Schritt auch die erst im Februar ausgegeben Ziele für das laufende Jahr. Ende September erklärte die Commerzbank, 2019 nicht mehr mit einem Anstieg der bereinigten Erträge zu rechnen. Am Donnerstag revidierte sie nun auch das Gewinnziel.

Die Bank begründete das – wie üblich – mit einer Verschlechterung des Marktumfelds. Die erneute Lockerung der EZB-Geldpolitik führe zu einem stärkeren Margendruck und belaste das Ergebnis. Zudem hätten makroökonomischen Unsicherheiten zugenommen, insbesondere wegen der globalen Handelskonflikte.  „Auch vor dem Hintergrund, dass die Bank im vierten Quartal mit einer deutlich höheren Steuerquote rechnet, geht sie davon aus, dass sich der Konzernjahresüberschuss des Geschäftsjahres 2019 gegenüber dem Vorjahr rückläufig entwickelt“, erklärte das Institut.

Völlig überraschend kommt dies nicht. Bereits im August hatte die Commerzbank gewarnt, es werde wegen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen „deutlich ambitionierter“, den Gewinn 2019 auszubauen.  

Was kommt:

Die Commerzbank stürzt sich von einer Restrukturierung in die nächste. Nach dem Abbau von knapp 10.000 Stellen im Zuge der letzten Strategie sollen im Rahmen von „Commerzbank 5.0“ nun in den kommenden Jahren weitere 4300 Arbeitsplätze wegfallen.

Die Bank habe bereits begonnen, die Ende September vorgestellte Strategie umzusetzen, und arbeite „mit voller Kraft daran, unsere Meilensteine zügig zu erreichen“, sagte Vorstandschef Zielke.

Im Zuge der neuen Ausrichtung soll die Direktbank Comdirect integriert und die polnische Tochter M-Bank verkauft werden.

Bis 2023 will Deutschlands zweitgrößte Privatbank so eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent erzielen.

Viele Investoren kritisieren das als wenig ambitioniert, zumal die Bank bereits im dritten Quartal auf eine Eigenkapitalrendite von 4,4 Prozent kam. Aber Zielke will nicht erneut zu viel versprechen und verteidigt das Renditeziel als neuen Realismus in schwierigen Zeiten.

„Wunschdenken ist angesichts niedriger Zinsen, Konjunktureintrübung und geopolitischer Unsicherheiten nicht angesagt“, sagt er. „Wir stellen bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele.“

Experten glauben allerdings nicht, dass die Commerzbank auf Dauer alleine bestehen kann, wenn sie ihre Kapitalkosten nicht einmal annähernd verdient. Viele gehen deshalb davon aus, dass die Bank früher oder später von einem anderen Institut geschluckt wird.

Insider halten in zwei bis drei Jahren sowohl eine Übernahme durch einen europäischen Konkurrenten als auch einen erneuten Fusionsanlauf mit der Deutschen Bank für realistisch.

Mehr: Die Commerzbank muss sich bei der geplanten Übernahme ihrer Direktbank-Tochter auf Gegenwind einstellen. Comdirect-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs.

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