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Christian Sewing, James von Moltke, und Karl von Rohr

Wie viel Geld ein Deutsche-Bank-Vorstand verdienen kann, hängt zum Teil von seinen Aufgaben ab.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Analyse der Boni Der Spitzenverdiener der Deutschen Bank schneidet mit seiner Leistung schlecht ab

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat seine Ziele 2018 übererfüllt, wie eine Analyse der Boni zeigt. Dennoch verdiente er weniger als der Bestverdienende.
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Frankfurt Böse Zungen lästern gerne, bei der Deutschen Bank könne man ein Spitzengehalt auch ohne Spitzenleistung verdienen. Ein tiefer Blick in den Vergütungsbericht des Kreditinstituts zeigt, dass Lohn und individuelle Leistung auch im Vorstand beträchtlich auseinanderklaffen können. Das zeigt eine Analyse der persönlichen Boni der einzelnen Vorstandsmitglieder. Während Vorstandschef Christian Sewing dabei besonders gut abschnitt, bildete Spitzenverdiener Garth Ritchie das Schlusslicht.

Wie viel Geld ein Deutsche-Bank-Vorstand verdienen kann, hängt zum Teil von seinen Aufgaben ab. Das Grundgehalt und die möglichen Boni für einen Vorstandschef sind generell höher als die Verdienstmöglichkeiten eines Finanz- oder Risikovorstands. Wer wissen will, wie gut jeder dieser Manager seine speziellen Aufgaben erfüllt hat, muss deshalb einen Blick auf dessen individuellen kurzfristigen Bonus werfen. Dort schlägt sich nieder, ob ein Manager seine Ziele übertroffen oder verfehlt hat.

Um die Leistungsträger von den Enttäuschungen im Spitzengremium zu unterscheiden, muss man die erreichte individuelle Bonus-Komponente mit ihrem Zielwert abgleichen. Eine Analyse der individuellen Boni der Deutsche-Bank-Vorstände führt zu einer Dreiteilung in die Leistungsträger, das Mittelfeld sowie die Schlusslichter.

Für den Frontmann der Deutschen Bank, Christian Sewing, fällt die Analyse am schmeichelhaftesten aus: Er hat seine Ziele zu 154 Prozent erreicht, also klar übertroffen. Um den Spitzenwert Sewings korrekt auszurechnen, muss man berücksichtigen, dass er bis April 2018 Privatkundenvorstand war und erst danach zum Vorstandschef aufstieg.

Dicht hinter Sewing folgen in der Spitzengruppe Privatkundenvorstand Frank Strauß, Finanzvorstand James von Moltke sowie Rechtsvorstand Karl von Rohr, die rund 150 Prozent ihres Bonus-Zielwerts erreichten. Die Schlusslichter im Vorstand sind der Chef des Investmentbankings, Garth Ritchie, sowie die für Compliance und Regulierung zuständige Vorständin Sylvie Matherat. Beide erreichten die ihnen gesetzten Ziele nur zu 80 Prozent.

Brisante Einstufung

Im Fall von Garth Ritchie ist die Einstufung als Schlusslicht besonders brisant: Er verdiente mit 8,6 Millionen Euro mehr als jeder andere Vorstand der Deutschen Bank. Das verdankte er einer Funktionszulage für eine „zusätzliche Verantwortung im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Brexits“.

Mit jährlich drei Millionen Euro macht diese Funktionszulage, die selbst innerhalb der Deutschen Bank umstritten ist, rund ein Drittel der Gesamtvergütung aus. Damit verdiente Ritchie sogar mehr als Vorstandschef Sewing. Die Funktionszulage wurde vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank 2017 eingeführt, für besondere zusätzliche Aufgaben und besondere Verantwortungen, die ein Vorstand übernimmt.

Tops und Flops im Vorstand der Deutschen Bank
Christian Sewing
1 von 8

Christian Sewing ist seit April 2018 der Frontmann der Deutschen Bank. Zuvor war der Vorstandsvorsitzende als Privatkundenvorstand tätig. Er bringt die Spitzenleistung im Spitzengremium: Seine Ziele hat er nicht bloß erreicht, sondern mit 154 Prozent sogar klar übertroffen. Trotzdem ist er nicht der Topverdiener im Vorstand – trotz einer Gesamtvergütung von sieben Millionen Euro für das Jahr 2018.

(Foto: dpa)
Frank Strauß
2 von 8

Auch Privatkundenvorstand Frank Strauß hat 2018 Top-Leistungen erbracht. Er folgt dicht auf seinen Chef Christian Sewing: Strauß erreicht annähernd 152 Prozent seines Bonus-Zielwertes – und verdient insgesamt 5,6 Millionen Euro.

(Foto: Katrin Binner für Handelsblatt)
James von Moltke
3 von 8

Der Finanzvorstand der Deutschen Bank, James von Moltke, hat seine Zielwerte ebenfalls zu 150 Prozent übererfüllt – und erhält für 2018 insgesamt 5,1 Millionen Euro Salär.

(Foto: Bloomberg)
Karl von Rohr
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Auch Rechtsvorstand Karl von Rohr gilt als Top-Performer an der Bankenspitze. Seine Ziele erfüllte er wie sein Kollege von Moltke zu 150 Prozent – verdient mit 5,5 Millionen Euro aber etwas besser als dieser.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)
Stuart Lewis
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Risikovorstand Stuart Lewis hat seine Ziele zu 125 Prozent erreicht und liegt damit im oberen Mittelfeld des Vorstands. Seine Gesamtvergütung fällt mit 6,1 Millionen Euro üppig aus – was auch daran liegt, dass er zusätzlich zu Grundgehalt und Bonus noch eine Funktionszulage von 150.000 Euro monatlich erhielt.

(Foto: Deutsche Bank)
Werner Steinmüller
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Das Vorstandsmitglied ist verantwortlich für die Region Asien-Pazifik. Steinmüller erreichte 110 Prozent seines Bonus-Zielwertes und kam 2018 auf eine Gesamtvergütung von 4,8 Millionen Euro.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)
Sylvie Matherat
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Die für Compliance und Regulierung zuständige Vorständin Sylvie Matherat konnte mit ihrer Leistung 2018 nicht überzeugen: Sie erreichte nur 80 Prozent ihrer Bonus-Ziele, verdiente mit 4,5 Millionen Euro aber auch weniger als jeder ihre Vorstandskollegen.

(Foto: Bloomberg)

Sie kann maximal so hoch wie das feste Grundgehalt sein, was bei Ritchie der Fall ist. Das Besondere: Die Funktionszulage gilt als Teil der festen Vergütung, kann also bei schlechten Leistungen nicht nachträglich zurückgefordert werden oder verfallen Ritchie wurde die Zulage, die monatlich 250.000 Euro beträgt, bis November 2020 gewährt, heißt es im Geschäftsbericht.

Der einzige andere Vorstand, der eine Funktionszulage erhalten hat, ist Risikochef Stuart Lewis, der mit einer Zielerreichung von 125 Prozent zum oberen Mittelfeld im Vorstand zählt. Lewis erhielt von November 2017 bis August 2018 eine Funktionszulage von monatlich 150.000 Euro, weil er das Verhältnis zu den amerikanischen Regulierungsbehörden weiter verbessern sollte.

Das besonders schwache Abschneiden von Ritchie und Matherat ist bemerkenswert: Beide gelten trotz ihrer noch laufenden Vorstandsverträge immer wieder als Wackelkandidaten im Spitzengremium. Der individuelle Bonus zeigt, dass auch der Aufsichtsrat mit ihren Leistungen nicht zufrieden ist.

Der einzige andere Vorstand, der nur rund 80 Prozent seiner Ziele erreichte, war Nicolas Moreau, der frühere Asset-Management-Vorstand und Chef der Fondstochter DWS, von dem sich die Bank im vergangenen Jahr getrennt hatte.

Die Vergütung der Vorstände bei der Deutschen Bank besteht aus mehreren Komponenten: einem Fixgehalt, gegebenenfalls einer Funktionszulage, einer langfristigen variablen Vergütung sowie kurzfristigen Boni. Die kurzfristigen Boni unterteilen sich in eine Gruppenkomponente sowie eine individuelle Komponente, die an die persönliche Leistung eines Managers geknüpft ist.

Die individuellen Ziele legt der Aufsichtsrat vorab fest. Sie haben nicht unbedingt etwas mit dem Abschneiden der Bank insgesamt zu tun. Sewing etwa sollte die Strategie des Instituts überarbeiten und das Kostenziel von 23 Milliarden Euro einhalten.

Ritchies individuelle Aufgabe bestand darin, das Investmentbanking neu auszurichten und die Kommunikation zu den Kunden sowie die interne Kultur zu verbessern. Er sollte auch engere Verbindungen zu den britischen Aufsichtsbehörden aufbauen.

Matherat sollte „das Kontrollumfeld der Bank im Jahr 2018 weiter stärken“ und Sprach- und Handelsüberwachung verbessern. Außerdem sollte sie die Anforderungen der vierten Geldwäscherichtlinie umsetzen.

Woran es bei Ritchie und Matherat nun im Einzelnen haperte, geht aus dem Geschäftsbericht nicht hervor. Beide Manager wurden allerdings im Zusammenhang mit den Verwicklungen der Deutschen Bank in den Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank vor die Finanzaufsicht Bafin zitiert. Ihnen wird vorgeworfen, die Verbesserung der Geldwäsche-Kontrollsysteme nicht entschlossen und effektiv genug verbessert zu haben.

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