Analyse Die Commerzbank hat einen steinigen Weg vor sich

Der Umbau von Deutschlands zweitgrößter Privatbank verläuft zäh. Im dritten Quartal bricht der Gewinn ein – nun kassiert das Institut das Ertragsziel für 2020.
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Der Commerzbank steht ein steiniger Weg bevor Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale

Der Umbau der Bank schreitet voran, doch das Marktumfeld ist alles andere als förderlich.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Abstieg aus dem Dax, anhaltend niedrige Zinsen und ein beinharter Wettbewerb: Die Commerzbank hat sich bei ihrem Umbau inzwischen an schlechte Nachrichten gewöhnt. „Das insgesamt sehr herausfordernde Umfeld hat sich keineswegs verbessert“, sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag nach der Veröffentlichung der Zahlen fürs dritte Quartal.

Und da auch die Aussichten alles andere als rosig sind, kassierte Engels ein wesentliches Ziel, das die Bank Herbst 2016 im Rahmen ihrer Strategie „Commerzbank 4.0“ ausgegeben hatte: die Ertragsprognose von mindestens 9,8 Milliarden Euro. „Wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach etwas weniger erzielen“, sagte der Finanzchef. Als Grund nannte er die anhaltenden Niedrigzinsen, den Haushaltsstreit mit Italien, den Brexit sowie die weltweiten Handelsstreitigkeiten.

Im Rahmen ihrer Strategie will die Commerzbank die Kundenzahlen im Privat- und Firmenkundengeschäft deutlich ausbauen und so in ihren beiden Kerngeschäftsfeldern mehr Erträge erwirtschaften. Doch gerade im Firmenkundengeschäft gelingt Letzteres bisher nicht. Dort sanken die Erträge im dritten Quartal um fünf Prozent auf 918 Millionen Euro. Verantwortlich dafür ist vor allem der harte Wettbewerb um deutsche Firmenkunden.

Engels ist jedoch trotz des Gegenwinds davon überzeugt, „dass unsere Strategie Früchte tragen wird“. Die Commerzbank gehe davon aus, dass sie 2020 mehr Erträge einfahren werde als 9,2 Milliarden Euro – das ist aktuell die durchschnittliche Erwartung der Analysten.

An der Börse sorgte die kassierte Prognose nicht für Unruhe, da Investoren sie ohnehin als unrealistisch angesehen hatten. Zudem fiel der Gewinn im dritten Quartal etwas höher aus als von Analysten erwartet. Die Commerzbank-Aktie, die seit September nur noch im Nebenwerteindex MDax gelistet ist, gewann zweitweise fast vier Prozent.

Im dritten Quartal brach der Gewinn des Geldhauses um 53 Prozent ein auf 218 Millionen Euro. Hauptverantwortlich für den Rückgang waren jedoch Sondereffekte. Im Vorjahresquartal hatten Beteiligungs- und Immobilienverkäufe sowie die Auflösung eines Gemeinschaftsunternehmens dem Institut außerordentliche Erträge von gut 500 Millionen Euro in die Kasse gespült. Die um Sondereffekte bereinigten Erträge stiegen im dritten Quartal um neun Prozent auf 2,18 Milliarden Euro.

Dass die Bank zahlreiche neue Kunden gewonnen hat und die bereinigten Erträge steigern konnte, stimmt Vorstandschef Martin Zielke zuversichtlich. „Das zeigt, dass unsere Strategie richtig ist.“ Die Commerzbank wachse in einem wettbewerbsintensiven Markt, sagte Zielke. „Das Umfeld bleibt aber herausfordernd, und wir haben trotz vieler Fortschritte noch einige Aufgaben vor uns.“

Spannend wird vor allem sein, ob und wie sich die Commerzbank an größeren Transaktionen beteiligen wird. Das Institut hat nach Handelsblatt-Informationen ein unverbindliches Angebot für die kapitalschwache NordLB abgegeben. Zudem glauben viele Finanzmanager, dass es ab 2020 tatsächlich zu einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank kommen könnte.

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