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Durchwachsene Quartalszahlen

Die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank spiegelt die Umbausituation des Instituts wieder. Die Quartalszahlen enthalten Licht und Schatten.

(Foto: Bloomberg)

Analyse Die Deutsche Bank leidet auch in den Kernsparten an Ertragsschwund

Deutschlands größtes Geldhaus erwägt, negative Zinsen an seine Kunden weiterzugeben – sowohl in der Unternehmens- als auch in der der Privatbank.
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Frankfurt Die Deutsche Bank hat am Mittwoch Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Das sind die wichtigsten Fakten:

  • Die Konzernerträge betrugen 5,3 Milliarden Euro und lagen damit 15 Prozent unter dem Wert im Vorjahresquartal.
  • Der Nettoverlust, der den Aktionären zurechenbar ist, betrug 942 Millionen Euro. Dazu trugen Belastungen aus der Abbausparte in Höhe von einer Milliarde Euro bei.
  • Auch die Kernbank des Instituts hat mit einem Ertragsrückgang von vier Prozent und sinkenden Gewinnen zu kämpfen. Allerdings arbeiten die Sparten, deren Geschäft die Deutsche Bank fortsetzen will, immerhin profitabel.
  • Die Bank prüft die Einführung von Negativzinsen für Firmen- und Privatkunden.
  • Der Aktienkurs sinkt deutlich.

Das fällt positiv auf

Der Abbau der Altlasten und der unerwünschten Geschäfte bei der Deutschen Bank macht Fortschritte. Die darin geparkten Vermögenswerte schrumpften, wenn man sie nach ihrem Risikogehalt gewichtet, um neun Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende sollen es 52 Milliarden Euro werden. Auch die Gesamtverschuldung der Sparte reduzierte sich um 73 Milliarden Euro auf 177 Milliarden Euro. Außerdem baute die Bank 1500 Stellen ab.

Positiv ist auch, dass die Fondstochter DWS mittlerweile seit einigen Quartalen wieder Netto-Zuflüsse verzeichnet. Alleine im dritten Quartal sammelte der Vermögensverwalter 6,2 Milliarden Euro ein. „Mit fortgesetzten Nettomittelzuflüssen in drei Quartalen in Folge haben wir die Trendwende geschafft“, sagte Vorstandschef Asoka Wöhrmann. In den Gewinnzahlen schlug sich das unter anderem deshalb nicht nieder, weil im Vorjahr ein Sondereffekt das Ergebnis nach oben getrieben hatte.

Die Entwicklungen in der Kernbank sind zweischneidig: Unter dem Strich arbeiteten die vier Sparten, die die Bank fortführen will, profitabel. Es blieb ein Vorsteuergewinn von 353 Millionen Euro. Allerdings schrumpften die Erträge summiert auch in diesen Zukunftsfeldern um vier Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, und selbst ohne Restrukturierungskosten reicht der Gewinn nicht an den Vorjahreswert heran. Immerhin, in der Paradesparte Unternehmensbank, in der die Bank unter anderem den Zahlungsverkehr und das Firmenkundengeschäft bündelt, stiegen die Erträge im dritten Quartal um sechs Prozent.

Das fällt negativ auf

Die Entwicklung in der Privatkundensparte fällt enttäuschend aus, denn die Erträge schrumpften um drei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das lag vor allem am schwachen Abschneiden des Heimatmarkts: In Deutschland fielen die Ertragsrückgänge mit fünf Prozent überdurchschnittlich hoch aus. Schon im zweiten Quartal waren die Rückgänge im deutschen Geschäft besonders hoch ausgefallen.

Die Bank begründet das mit dem niedrigen Zinsumfeld. Im Vorjahr hatten außerdem Sondereinnahmen durch den Verkauf von Immobilien das Ergebnis in der Privatkundensparte noch gestützt. Auch dieser Effekt fällt nun weg. Mit dem Kostenabbau kommt das Institut in der Privatkundensparte ebenfalls nur im Schneckentempo voran, allerdings begründet die Bank das unter anderem auch mit höheren Investitionen in Geschäftsfeldern wie dem Wealth Management.

Die Investmentbanking-Sparte leidet auch ohne den besonders unprofitablen Aktienhandel unter Ertrags- und Gewinnschwund. Die Bank meldet einen leichten Ertragsrückgang im Devisenhandel, eigentlich eine Paradedisziplin. Auch die Erträge im Anleihehandel schwanden. Die Bank begründet das mit herausfordernden Marktbedingungen, so dass es bei einzelnen Positionen in der Untersparte sogar zu Verlusten kam.

Anleger goutieren die Zahlen nicht: Der Aktienkurs rutschte am Morgen mehr als vier Prozent ins Minus.

Was jetzt passiert

Die Bank rechnet bis zum Jahresende mit stabilen Erträgen in der Unternehmensbank sowie dem Asset Management. In der Unternehmerbank setzt die Deutsche Bank dabei vor allem auf Kreditwachstum im Firmenkundengeschäft. In der Vermögensverwaltung sollen höhere Performance- und Transaktionsgebühren Rückschläge in den sonstigen Erträgen ausbügeln.

Pessimistischer stuft die Bank die Entwicklung im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft ein. Sie geht in beiden Sparten von leichten Ertragsrückgängen aus. Im Investmentbanking dürfte das vor allem den Anleihehandel treffen. Das Privatkundengeschäft dürfte weiter darunter leiden, dass das Wachstum im Kredit- und Anlagegeschäft den Wegfall von Sondereffekten durch Immobilienverkäufe sowie das Niedrigzinsumfeld nicht gänzlich kompensieren kann.

Die Bank hat „flankierende Maßnahmen“ wie „Preisanpassungen für Einlagen“, die Einführung von Kontoführungsgebühren und den Einsatz überschüssiger Liquidität angekündigt, um das auszubügeln. In einem Fernsehinterview hat Finanzchef James von Moltke angekündigt, so einen Schritt über alle Geschäftsbereiche hinweg „ab einem bestimmten Niveau“ zu prüfen. „Wir erwägen über alle unsere Geschäftsbereiche hinweg, negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben, wo es klug und vernünftig und auch legal ist“, sagte von Moltke. Die Bank befinde sich dazu in Kundengesprächen, „speziell in unserer Unternehmensbank, aber auch in der Privatbank - mit dem Konzept, dass es ab einem bestimmten Niveau angemessen ist, negative Zinsen weiterzugeben“.

Finanzkreisen zufolge soll es neben Firmenkunden vor allem vermögende Privatkunden aus dem Wealth-Management-Bereich treffen. Für Firmenkunden wie für die betroffenen Privatkunden soll es dabei individuelle Regelungen geben, die auch Freibeträge beinhalten. 

Unter dem Strich ist im Umbaujahr 2019 mit einem Verlustjahr zu rechnen. Doch für 2020 strebt das Institut nach wie vor ein ausgeglichenes Ergebnis oder sogar einen Gewinn an, sagte Finanzchef James von Moltke in einer Telefonkonferenz am Vormittag.

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