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Martin Zielke

Der Commerzbank-Chef erhielt 2018 eine Gesamtvergütung von 1,97 Millionen Euro.

(Foto: Reuters)

Analyse Die fünf wichtigsten Punkte im Geschäftsbericht der Commerzbank

In den Tiefen des Commerzbank-Geschäftsberichts finden sich interessante Neuigkeiten: eine neue Prüfung der US-Behörden, eine milliardenschwere Bewertungslücke und ein Umbau der Vorstandsvergütung.
Update: 27.03.2019 - 17:51 Uhr Kommentieren

Frankfurt Die Commerzbank hat ihren Geschäftsbericht für 2018 vorgelegt. Auf die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank geht das Institut darin nicht ein. Doch in dem 340 Seiten dicken Dokument gibt es eine Reihe von interessanten Neuigkeiten und Details. Die wichtigsten fünf Themen im Überblick:

1. Mehr Gewinn erwartet

Commerzbank-Chef Martin Zielke versucht in seinem Brief an die Aktionäre, Zuversicht zu versprühen. Die Strategie der Bank funktioniere, und das Institut wolle im Kerngeschäft 2019 wachsen, schrieb er. „Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr.“ 2018 hatte die zweitgrößte deutsche Privatbank einen Gewinn von 865 Millionen Euro eingefahren.

Zum besseren Ergebnis soll 2019 vor allem das Privatkundensegment beitragen, das in den vergangenen zweieinhalb Jahren über eine Million neue Kunden gewonnen hat. Im laufenden Jahr erwartet das Geldhaus hier „eine signifikante Erhöhung des operativen Ergebnisses“. Im Firmenkundengeschäft, das unter dem harten Wettbewerb um deutsche Unternehmen leidet, prognostiziert die Bank dagegen nur „ein mindestens stabiles bis leicht höheres operatives Ergebnis“.

2. Neue Prüfung der US-Behörden

In den vergangenen Jahren haben verschiedene Behörden die Commerzbank wegen unzureichender Kontrollsysteme und anderer Mängel ins Visier genommen. Ein US-Monitor, der dem Institut im Auftrag der New Yorker Finanzbehörde DFS lange auf die Finger schaute, hat seine Arbeit bei der Commerzbank inzwischen abgeschlossen, heißt es im Geschäftsbericht. Die finale Entscheidung der DFS, dass die Untersuchung damit abgeschlossen ist, stehe aber noch aus.

Dafür gibt es eine neue Überprüfung, dieses Mal von der amerikanischen Börsen- und Derivateaufsicht CFTC. Diese hatte im Swap-Geschäft der Commerzbank mit US-Bezug Mängel bei den Prozessen und Mitteilungspflichten festgestellt. Die Commerzbank muss deshalb nun „einen externen Berater für einen Zeitraum von zwei Jahren beauftragen“, heißt es im Geschäftsbericht. „Die CFTC kann diesen Zeitraum nach eigenem Ermessen um ein Jahr verlängern, je nachdem, wie sie die Gegenmaßnahmen der Commerzbank beurteilt.“

Der externe Berater – in der Regel handelt es sich dabei um Anwaltskanzleien oder spezialisierte Beratungsgesellschaften – soll im Überprüfungszeitraum jährlich Berichte erstellen, in denen er beurteilt, ob die Commerzbank alle Vorschriften einhält. Zudem wird der Bericht Empfehlungen zur Verbesserung von Praktiken und Geschäftsprozessen enthalten.

3. Vergütung sinkt deutlich

Der Commerzbank-Vorstand bekommt es am eigenen Geldbeutel zu spüren, dass die Bank ihre Kapitalkosten 2018 nicht verdient hat und mehrere Ziele für 2020 kassierte. Die Gesamtvergütung des Vorstands sank im vergangenen Jahr um rund ein Viertel auf 8,8 Millionen Euro. Der Commerzbank-Vorstand verdiente damit zusammen nur unwesentlich mehr als Deutsche-Bank-Investmentbankchef Garth Ritchie allein. Der Südafrikaner strich im vergangenen Jahr 8,6 Millionen Euro ein.

Die Vergütung von Vorstandschef Zielke sank im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent auf knapp zwei Millionen Euro. Sein Amtskollege Christian Sewing von der Deutschen Bank bekam 2018 mit sieben Millionen Euro mehr als drei Mal so viel. Dabei fiel der Gewinn von Deutschlands größtem Geldhaus im vergangenen Jahr mit 267 Millionen Euro deutlich geringer aus als bei der Commerzbank.

Die großen Differenzen zeigen, dass über die Themen Bonus und Bezahlung bei einer deutschen Großbankenfusion kontrovers diskutiert werden dürfte. Die Gesamtvergütung des Deutsche-Bank-Vorstands lag im vergangenen Jahr mit 55,7 Millionen Euro gut sechs Mal so hoch wie bei der Commerzbank.

4. Bonuskürzung für den Vorstand

Wie das Handelsblatt bereits Anfang März berichtet hatte, bekommt der Commerzbank-Vorstand künftig weniger Bonuszahlungen und mehr Fixgehalt. Die Gesamtkompensation des Vorstands sinkt im Rahmen der Neuregelung ab 2019 leicht. Das Jahresgrundgehalt für normale Vorstandsmitglieder steigt dabei von 750.000 Euro auf 990.000 Euro. Der Zielbetrag der variablen Vergütung sinkt im Gegenzug von einer Million Euro auf 660.000 Euro.

Bei Vorstandschef Zielke wird das Grundgehalt um gut 350.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro angehoben. Der Zielbetrag für die variable Vergütung sinkt jedoch um gut 500.000 Euro auf 1,1 Millionen Euro. Zielkes Gesamtzielvergütung liegt somit im kommenden Jahr rund 150.000 Euro unter dem bisherigen Wert.

5. Milliardenschwere Bewertungslücke

Auf Seite 224 des Commerzbank-Geschäftsberichts findet man eine Zahl, die bei einer Verschmelzung mit der Deutschen Bank eine wichtige Rolle spielen könnte. Die Differenz zwischen dem Buchwert und dem Marktwert von verbrieften Schuldinstrumenten – die sogenannte Bewertungslücke – wird dort auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.

Diesen Betrag müsste die Deutsche Bank vermutlich abschreiben, wenn sie die Commerzbank übernimmt und deren Papiere dabei zu Marktwerten ansetzt.

Verantwortlich für die Bewertungslücke bei der Commerzbank sind nach Einschätzung von Experten vor allem die vom Geldhaus gehaltenen Staatsanleihen. Ende vergangenen Jahres hatte die Commerzbank italienische Staatsanleihen sowie kommunale und regionale Bonds aus dem Land mit einem Volumen von 8,4 Milliarden Euro in ihren Büchern. Das Engagement des Instituts in Spanien belief sich auf 1,3 Milliarden Euro, das in der Türkei auf 1,7 Milliarden Euro.

Die Bewertungslücke ist allerdings nur einer von mehreren Bewertungseffekten, die es bei einer Fusion mit der Deutschen Bank geben könnte. Da der Börsenwert der Commerzbank deutlich niedriger ist als ihr hartes Kernkapital, könnte die Deutsche Bank bei einer Übernahme der Commerzbank möglicherweise auch milliardenschwere Sondergewinne einfahren. Ob beziehungsweise in welchem Umfang die Finanzaufsicht den sogenannten „Badwill“ anerkennen würde, ist allerdings offen.

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