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Analyse Die Lehren aus den Commerzbank-Zahlen

Die Commerzbank hat ihre Geschäftszahlen präsentiert. Das sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse daraus.
3 Kommentare
„Das Umfeld mit Negativzinsen und Preisdruck setzt der Profitabilität von Banken in Deutschland enge Grenzen.“ Quelle: Reuters
Martin Zielke

„Das Umfeld mit Negativzinsen und Preisdruck setzt der Profitabilität von Banken in Deutschland enge Grenzen.“

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die Commerzbank hat ihre Gewinne im vergangenen Jahren deutlich gesteigert und hat eine Dividende angekündigt. Doch das schöne Ergebnis hat einige Haken. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den vorläufigen Zahlen.

1. Die Commerzbank muss ihre Renditeprognose für 2020 kassieren

Die Commerzbank hält zwar an ihrem Kostenziel von unter 6,5 Milliarden Euro fest, bei den Erträgen plant sie aber mittlerweile recht vorsichtig.

Drei Prozent Wachstum pro Jahr bei den Erträgen bedeuten, dass das Institut im Jahr 2020 gerade mal so bei 9,2 Milliarden Euro herauskommen wird. Das reicht nicht für die eigentlich angepeilte Rendite auf das materielle Eigenkapital von sechs Prozent.

Die Kennziffer werde irgendwo zwischen fünf und sechs Prozent liegen, räumte Finanzchef Stephan Engels ein. Das gleiche gilt natürlich auch für die angepeilte Kosten-Ertrags-Relation von 66 Prozent.

Die Analysten der US-Großbank Citi bezeichnen das als „enttäuschend“, denn im November zeigte sich Finanzchef Engels noch davon überzeugt, dass sie die Konsensschätzung, die damals bereits bei 9,2 Milliarden Euro lag, übertreffen könne.

Immerhin: In den Ertragsprognosen sind mögliche positive Effekte durch steigende Zinsen nicht einkalkuliert.

2. Bei der Firmenkundenbank ist ein Ende der Misere nicht in Sicht

Fragen zur Firmenkundensparte sind für die Commerzbank unangenehm. Schließlich sinken die Erträge und Gewinne des Instituts dort seit einiger Zeit, so auch im vergangenen Jahr.

Im vierten Quartal fiel der Gewinn zwar höher aus als im sehr schwachen Vorjahresquartal, doch das lag vor allem an geringeren Risikokosten. Mit Aussagen über die Aussichten für die Sparte tat sich das Institut schwer.

Der Zinsüberschuss werde weiter steigen, prognostiziert Finanzchef Engels. Für den Provisionsüberschuss, der sehr davon abhängt, dass die Kunden sich auch für die Kapitalmarktprodukte der Bank interessieren, wagt die Bank aber keine Prognose.

So viel zu den Hoffnungen des Instituts, durch eine enge Verzahnung von Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft, mehr Produkte zu verkaufen.

3. Das F-Wort bleibt tabu

Bei allem Verständnis für Spekulationen zu einer Fusion mit der Deutschen Bank, das Vorstandschef Martin Zielke empfindet, konkret dazu äußern will er sich nicht. Nicht mal zu Seitenfragen, etwa, ob eine fusionierte Bank ihre Abläufe schneller digitalisieren könnte.

Die Analysten hatten es gar nicht erst versucht, dem Finanzvorstand konkretere Aussagen zu entlocken, die Journalisten versuchten es vergebens. Wir vergleichen die beiden Instituten daher einfach eigenmächtig: So mager die Commerzbank-Rendite auf das materielle Eigenkapital mit 3,4 Prozent auch gewesen sein mag. Sie schlägt die kümmerlichen 0,4 Prozent der Deutschen Bank im Jahr 2018 um Längen.

Dennoch lässt sich Vorstandschef Zielke kein Wort der Überheblichkeit entlocken. Die Frage, ob er nicht stolz darauf sei, besser als die Deutsche Bank abgeschnitten zu haben, beantwortete er geradezu stoisch: Er sei stolz darauf, da man anhand der Entwicklung der Bank sehe, „dass die wesentlichen Hebel der Strategie funktionieren“.

4. Commerzbanker sind genügsamer

Bei der Deutschen Bank sind die Boni regelmäßig ein Politikum. Auch wenn sich die Deutsche Bank nicht dazu äußern wollte, wie hoch ihr Bonuspool im vergangenen Jahr ausgefallen ist, klar ist, dass er irgendwo im Milliardenbereich liegen wird, vermutlich zwischen 1,5 Milliarden und zwei Milliarden Euro.

Die Commerzbank sparte sich solche Umschreibungen und kündigte an, 134 Millionen Euro an variablen Vergütungen an die Mitarbeiter zahlen zu wollen. Damit lägen die Summen, die die Commerzbank an die Mitarbeiter auszahlt unter der Summe der Dividendenzahlungen: 20 Cent zahlt die Commerzbank auf die 1,25 Milliarden Aktien.

Das würde sich auf etwa 250 Millionen Euro summieren. Von solchen Verhältnissen können Deutsche-Bank-Aktionäre nur träumen.

5. Beim Privatkundengeschäft läuft’s

Auf den ersten Blick musste auch das Privatkundengeschäft beim Gewinn Verluste verzeichnen, der fiel um die 14 Prozent niedriger aus. Die Erträge blieben mehr oder weniger stabil.

Allerdings hatte die Sparte im Vorjahr von üppigen außerordentlichen Erträgen profitiert, die dieses Mal wegfielen. Rechnet man das heraus, dann sind zumindest die Erträge sogar gestiegen.

Und noch immer erzielt die Sparte eine operative Eigenkapitalrendite von 15,5 Prozent. Das kann sich sehen lassen – schließlich ist diese Rendite etwa drei Mal so hoch wie bei der Privatkundensparte der Deutschen Bank.

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3 Kommentare zu "Analyse: Die Lehren aus den Commerzbank-Zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Günther Simeth:
    Können Sie ein paar Beispiele nennen. In den Medien finde ich persönlich nur Werbung - keine Analysen.
    Werbung: Ich finde gut, dass die Commerzbank so viel wirbt, bringt neue Kunden für eine gute Bank. Dies ist meine persönliche Meinung, da ich bisher sehr gute, klare, offene und kompetente Gespräche mit meinem Kundenbetreuer hatte.


  • was mich aufregt ist das die Medien voll ist von Commerzbankanalysen. Die Experten der Commerzbank geben laufend Empfehlungen zur Kapitalanlage ab. Warum legen sie ihr einges Geld nicht Gewinnbringend an?

  • Die Commerzbank zahlt etwas weniger Boni als Dividende, in den letzten Jahren gab es keine Dividende - nur Boni.
    Man muss klar feststellen: Die Commerzbank reformiert sich vernünftig. Gut so!
    Geht man solch vernünftige Wege weiter strategisch konsequent, wird die Commerzbank für Investoren, wie auch für Mitarbeiter eine sehr interessante Bank werden!

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