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Analyse NordLB und Deutsche Bank beim EBA-Stresstest im Tabellenkeller

Die NordLB und die Deutsche Bank liegen beim europaweiten Stresstest weit hinten. Aus Sicht der Aufsicht haben sich jedoch alle Institute als widerstandsfähig erwiesen.
Update: 02.11.2018 - 20:55 Uhr Kommentieren
Ein Berg von faulen Schiffskrediten sorgte 2017 für einen Rekordverlust von fast zwei Milliarden Euro. Quelle: dpa
NordLB

Ein Berg von faulen Schiffskrediten sorgte 2017 für einen Rekordverlust von fast zwei Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

London/Frankfurt Die deutschen Banken haben sich beim europaweiten Stresstest nicht mit Ruhm bekleckert. Von den einheimischen Instituten schnitten die NordLB und die Deutsche Bank am schlechtesten ab.

Auch im europaweiten Vergleich fanden sich beide Geldhäuser im Tabellenkeller wieder. Schwächer als die NordLB schnitten nur die britischen Großbanken Barclays und Lloyds sowie die italienische Banco BPM ab.

Im Stresstest wurde untersucht, wie stark die Kapitalpuffer der Geldhäuser bei einem kräftigen Konjunktureinbruch schrumpfen würden. Da bei dem Test in Deutschland ein besonders starker Wirtschaftseinbruch simuliert wurde, äußerte sich die Finanzaufsicht zufrieden über das Abschneiden der heimischen Geldhäuser. „Alle deutschen Banken haben in dem für Deutschland besonders starken Abschwungsszenario gezeigt, dass sie widerstandfähig sind“, erklärte Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der Finanzaufsicht Bafin.

Auch Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling lobte die Widerstandsfähigkeit der Banken in Deutschland und Europa. „Dafür haben seit dem Ende der Finanzkrise ein gezielter Kapitalaufbau und eine resolute Aufsicht gesorgt.“

Kritik kommt dagegen von Sven Giegold, der für die Grünen im Europaparlament sitzt. „Das schlechte Abschneiden großer deutscher Banken ist erschreckend“, sagte Giegold. Deutsche Geldhäuser hätten im Stresstest sogar schlechter abgeschnitten als Institute aus Italien und Spanien.

Commerzbank gibt rote Laterne weiter

Deutlich verbessert hat sich in Deutschland jedoch die Commerzbank. Das Institut, das beim letzten Stresstest 2016 das Schlusslicht unter den deutschen Banken war, landete dieses Mal auf Platz vier. Die rote Laterne gaben die Frankfurter weiter an die NordLB. Bei ihr sank die harte Kernkapitalquote bei der simulierten Krise auf 7,07 Prozent.

Die Hannoveraner Landesbank ist bereits auf der Suche nach Investoren, um ihre Kapitaldecke zu stärken. Das Stresstest-Ergebnis der Bank bewege sich im Rahmen der Erwartungen, sagte Vorstandschef Thomas Bürkle. Die NordLB werde die geplante Kapitalstärkung vorantreiben und bis Jahresende eine tragfähige Lösung präsentieren, bekräftigte Bürkle. „Das in diesem Zusammenhang gestartete Bieterverfahren mit potenziellen Investoren verläuft planmäßig und vielversprechend.“ Auch das Land Niedersachen, das Mehrheitseigner der Bank ist, prüfe eine Beteiligung an einer Kapitalmaßnahme.

Auf dem vorletzten Rang unter den einheimischen Instituten landete die Deutsche Bank. Ihre Kernkapitalquote würde im Stressszenario auf 8,1 Prozent fallen. Das ist zwar etwas besser als vor zwei Jahren, als die Quote bei 7,8 Prozent lag. Aber auch dieses Mal zählt das größte heimische Geldhaus mit dem 41. Platz von 48 Instituten zu den schwächsten zehn Banken.

Die Frankfurter machen dafür auch das Test-Szenario verantwortlich. Letztlich seien für den hohen Kapitalverzehr nicht die Markt- oder Kreditrisiken verantwortlich, sondern die schwache Profitabilität, so die Argumentation der Bank. „Der Stresstest zeigt: Unser Risikoprofil ist absolut solide, aber wir sind noch nicht profitabel genug. Genau daran arbeiten wir jetzt“, sagte Finanzvorstand James von Moltke.

Für ihren Test hat die EBA den Status Quo von Ende 2017 drei Jahre lang in die Zukunft fortgeschrieben. In diesem Jahr machte die Deutsche Bank einen Verlust von 735 Millionen Euro. Außerdem hatte das Geldhaus damals einen außerordentlichen Verlust aus dem Verkauf des Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen verbucht. Auch diese Einbußen wurden für den Stresstest fortgeschrieben. Darüber hinaus fällt ein wesentlicher Teil der Handelsverluste, die 2016 beim Abbau von Bilanzpositionen der hauseigenen „Bad Bank“ entstanden waren, in jedem Jahr der Simulation erneut an. Ohne diese Effekte hätte die Kernkapitalquote des Geldhauses etwa einen Prozentpunkt höher gelegen.

Härtere Kriterien als bei den vorangegangenen Tests

Insgesamt prüfte die europäische Bankenaufsicht EBA in ihrem diesjährigen Stresstest die Kapitalpuffer von 48 Geldhäusern aus 15 EU-Ländern und Norwegen. Simuliert wurde, wie sich die Kapitaldecke und die Bilanzen der Banken bis Ende 2020 entwickeln, wenn man zwei verschiedene wirtschaftliche Szenarien zugrunde legt. Im Stressszenario wurde simuliert, dass die Immobilienpreise von 2018 bis 2020 um 20 Prozent fallen, die Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent einbricht und die Arbeitslosigkeit auf 9,7 Prozent steigt.

Die Kriterien waren damit härter als bei vorangegangenen Tests in den Jahren 2014 und 2016. Dennoch schnitten die 33 Banken aus der Euro-Zone besser ab als vor zwei Jahren. Im Schnitt fiel ihre harte Kapitalquote im Stressszenario auf 9,9 Prozent. Im Jahr 2016 waren es 1,1 Prozentpunkte weniger gewesen. „Das Ergebnis bestätigt, dass die teilnehmenden Banken in Bezug auf makroökonomische Schocks widerstandsfähiger sind als vor zwei Jahren“, sagte Daniele Nouy, die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank.

Banken konnten bei dem Test in diesem Jahr nicht durchfallen. Aber die Aufsichtsbehörden lassen die Ergebnisse in die Bewertung der Institute einfließen, wenn sie die individuellen Mindestkapitalquoten festlegen, die die Banken nicht unterschreiten dürfen.

Im Stressszenario wurde in Deutschland ein stärkerer Wirtschaftsrückgang simuliert als in anderen Ländern, in denen die Konjunktur aktuell nicht so rund läuft wie in der Bundesrepublik. Zudem wurde ein Einbruch der Weltwirtschaft simuliert, unter dem die exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders stark leiden würde.

„Im Gegensatz zum vorherigen Stresstest ist das Szenario für die deutschen Banken diesmal deutlich härter ausgefallen“, sagte Bundesbank-Vorstand Wuermeling. „Die positive Nachricht ist, dass die deutschen Banken diesen Stress gut verkraften können.“

Bei der Commerzbank sank die Kernkapitalquote im Stressszenario dieses Mal lediglich auf 9,9 Prozent – das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als 2016. „Der konsequente Abbau der Risiken in den vergangenen Jahren zahlt sich aus“, sagte Risikovorstand Marcus Chromik. „Das ist ein weiterer Beleg für das gesunde Risikoprofil und die hohe Stressresistenz der Commerzbank.“

Am stärksten unter den deutschen Banken schnitt das Förderinstitut NRW.Bank ab, das im Stressszenario auf eine Kapitalquote 33,96 Prozent kam. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die LBBW (10,69 Prozent) und die Helaba (9,96 Prozent).

Britische Banken kommen unter die Räder

Besonders im Fokus standen beim Stresstest die italienischen Banken, weil sie zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise noch immer einen Berg an faulen Krediten vor sich herschieben. Am schlimmsten erwischte es im Stresstest die Banco BPM, deren Kernkapitalquote im Krisenszenario auf 6,7 Prozent fallen würde. UBI Banca kam auf 7,5 Prozent, die Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo jeweils auf mehr als neun Prozent. Der Haushaltsstreit und die damit verbundenen Turbulenzen am Kapitalmarkt wurden beim Stresstest allerdings nicht berücksichtigt.

Die rote Laterne beim Stresstest ging dieses Mal überraschend nach England. Bei Barclays fiel die Kernkapitalquote im Krisenszenario auf 6,4 Prozent, bei Lloyds auf 6,8 Prozent. Grund zur Sorge besteht aus Sicht der Bank of England dennoch nicht. Für das schwache Abschneiden der britischen Institute sei vor allem das harte Stressszenario für Großbritannien verantwortlich, erklärte die britische Notebank. Insgesamt hätten die britischen Banken gezeigt, dass sie für einen Wirtschaftseinbruch gerüstet seien.

Tabelle: So haben die deutschen und die österreichischen Banken im Test abgeschnitten

BankCET1 2017Basis 2020Stress 2020
BayernLB15,3015,469,44
Commerzbank14,1214,369,93
DZ Bank13,7414,338,97
Deutsche Bank14,0313,458,14
LBBW15,6716,0310,69
Helaba15,1916,159,96
NordLB11,9213,577,07
NRW.Bank41,6539,9233,96
Erste Bank
(Österreich)
12,9513,138,45
Raiffeisen International
(Österreich)
12,7113,619,73

Legende: Ordnung alphabetisch.

CET1 2017 = harte Kernkapitalquote Ende 2017 (in Prozent). Basis 2020 = harte Kernkapitalquote Ende 2020 im Basis-Szenario (ohne Stress). Stress 2020 = harte Kernkapitalquote Ende 2020 im adversen Szenario (unter Stress). Alle Werte ohne Anwendung von Übergangsvorschriften.

Quelle für Tabelle: Reuters.

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