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Analyse Warum deutsche Banken beim Stresstest so schwach abgeschnitten haben

Die deutschen Geldhäuser haben sich beim EU-Stresstest nicht mit Ruhm bekleckert. Bei der Interpretation der Ergebnisse gehen die Meinungen allerdings weit auseinander.
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Der Stresstest ist in den Augen vieler deutscher Banken zu hart und übersteigt die Realität. Quelle: dpa
Stresstest für europäische Banken

Der Stresstest ist in den Augen vieler deutscher Banken zu hart und übersteigt die Realität.

(Foto: dpa)

FrankfurtMuss man sich Sorgen machen? Oder wird die ganze Übung überbewertet? Nach der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse durch die europäische Bankenbehörde Eba hat in Deutschland eine intensive Debatte über das schwache Abschneiden der heimischen Geldhäuser begonnen.

Die Positionen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. „Das schlechte Abschneiden großer deutscher Banken ist erschreckend“, sagt Finanzexperte Sven Giegold, der für die Grünen im Europaparlament sitzt.

„Alle deutschen Banken haben in dem für Deutschland besonders starken Abschwungsszenario gezeigt, dass sie widerstandfähig sind“, erklärt dagegen Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der Finanzaufsicht Bafin. Und Finanzprofessor Sascha Steffen von der Frankfurt School of Finance findet: „Insgesamt ist der Stresstest wenig aussagekräftig.“

Die Interpretation der Ergebnisse ist also eine Frage der Betrachtungsweise. Folgende sechs Fragen spielen dabei eine zentrale Rolle:

Wie haben die deutschen Banken abgeschnitten?
Beim Stresstest wurde untersucht, wie stark die Kapitalpuffer der Geldhäuser bei einem kräftigen Konjunktureinbruch schrumpfen würden. Bei den acht teilnehmenden Banken aus Deutschland sank die harte Kapitalquote im Stressszenario im Schnitt um 5,2 Prozentpunkte. Die Einbußen lagen damit deutlich über dem europaweiten Durchschnitt von 3,95 Prozent.

Am schwächsten von den heimischen Instituten schnitten die NordLB und die Deutsche Bank ab. Bei ihnen fiel die harte Kernkapitalquote im Stressszenario auf 7,1 beziehungsweise 8,1 Prozent. Damit gehörten die NordLB und die Deutsche Bank zu den schwächsten zehn der 48 teilnehmenden Institute.

Da der simulierte Wirtschaftseinbruch in den einzelnen Staaten unterschiedlich stark ausfiel, sind die Ergebnisse von Banken aus verschiedenen Ländern allerdings nur bedingt vergleichbar.

Wie sieht es bei der Verschuldungsquote aus?
Die meisten Analysten konzentrieren sich bei der Auswertung der Stresstestergebnisse auf die Kapitalquoten. Doch manche Experten sind der Ansicht, dass die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) eigentlich die informativere Kennzahl ist. Die Leverage Ratio bezeichnet das Verhältnis von Eigenkapital zum Gesamtengagement einer Bank. Wie riskant die Institute bestimmte Positionen einschätzen, wird bei der Verschuldungsquote im Gegensatz zur Kapitalquote also nicht berücksichtigt.

Beim Eba-Test wurde auch geprüft, wie sich die Verschuldungsquote der Banken in einem Stressszenario entwickelt. Und hier schnitten die deutschen Banken noch schlechter ab als bei der Kapitalquote.

Die NordLB, bei der die Quote im Krisenszenario auf 1,83 Prozent fiel, ist in dieser Kategorie die schwächste Bank im gesamten Test. Die Deutsche Bank liegt mit 2,61 Prozent auf dem vorletzten Rang. Zudem befinden sich mit der BayernLB und der DZ Bank zwei weiteren deutsche Institute auf den letzten zehn Plätzen.

„Das Abschneiden der deutschen Banken ist schlecht“, sagt Finanzprofessor Steffen. „Das zeigt, dass wir in Deutschland nicht auf andere Banken in anderen Ländern mit dem Finger zeigen sollten, sondern Banken und Regulierer hier noch viele Hausarbeiten zu machen haben.“

Warum haben die deutschen Banken so schlecht abgeschnitten?
Im Stressszenario wurde in Deutschland ein stärkerer Wirtschaftsrückgang simuliert als in anderen Ländern, in denen die Konjunktur aktuell nicht so rund läuft wie in der Bundesrepublik. Zudem wurde ein Einbruch der Weltwirtschaft simuliert, unter dem die exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders stark leiden würde. „Im Gegensatz zum vorherigen Stresstest ist das Szenario für die deutschen Banken diesmal deutlich härter ausgefallen“, sagt Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.

Neben dem harten Stressszenario gibt es jedoch noch einen weiteren zentralen Grund für das schwache Abschneiden der deutschen Banken: ihre geringe Profitabilität. Denn die Eba hat in ihrem Test unterstellt, dass die Geldhäuser in den Jahre 2018, 2019 und 2020 genauso viel Gewinn machen wie 2017 – und das war bei vielen deutschen Geldhäusern nicht besonders viel.

Die niedrigen Gewinne der deutschen Banken konnten die im Stressszenario eintretenden Verluste somit nur bedingt abfedern, sagt Philipp Wackerbeck, Partner beim Beratungsunternehmen Strategy & Deutschland. „Diese Verlusteffekte beginnen somit relativ schnell, an der Kapitalbasis hiesiger Banken zu zehren.“

Waren die Szenarien zu hart oder zu weich?
Viele deutsche Banken kritisieren das Stressszenario als zu hart und realitätsfern. Die Annahmen in dem Test seien „als sehr unwahrscheinlich zu beurteilen“, erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft. Zudem werde unterstellt, dass die Institute selbst keinerlei Möglichkeit hätten, auf eine negative Wirtschaftsentwicklung zu reagieren, indem sie beispielsweise Risiken abbauen oder ihr Eigenkapital erhöhen. „Für einen Zeitraum von drei Jahren ist das ebenfalls eine Annahme, die sehr unrealistisch erscheint.“

Finanzprofessor Steffen hält den Test dagegen nicht für zu hart. „Die Szenarien waren vielleicht strenger als in den vergangenen Jahren, aber relativ gesehen zu einer Krise wie 2008/2009 beziehungsweise 2011/2012 in Europa nicht wirklich.“

Grünen-Politiker Giegold hätte sich sogar noch härtere Annahmen gewünscht. „Die Eba definiert Stress als normale größere Rezession“, sagt Giegold. Eine schwere Finanzkrise wie 2008 habe sie nicht getestet. „Sie hat auch keine Staatsschuldenkrise in Italien getestet, kein chaotisches Brexit-Szenario, keine Ansteckungseffekte durch das Scheitern einer sehr großen Bank, keinen überharten Zinsschock.“ Doch genau diese Dinge könnten laut Giegold in der nächsten Rezession eintreten.

Welche Konsequenzen hat der Test?
Banken konnten beim Stresstest 2018 nicht durchfallen. Aber die Aufsichtsbehörden lassen die Ergebnisse in die jährliche Bewertung der Institute einfließen. Geldhäuser, die in dem Test schwach abgeschnitten haben, müssen sich also darauf einstellen, dass sie künftig auf Druck der Aufsichtsbehörden höhere Mindestkapitalquoten einhalten müssen.

„Bei den meisten europäischen Banken übersteigen die Kapitalpuffer die Verluste, welche im hypothetischen Stressszenario der Eba erwartet werden“, sagt Berater Wackerbeck. „An einzelne europäische Banken dürften die Regulatoren dennoch herantreten und eine Kapitalstärkung oder einen Risikoabbau verlangen.“

Das deutsche Stresstest-Schlusslicht NordLB ist bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach Investoren, um seine Kapitaldecke zu stärken. Das Stresstestergebnis der Bank bewege sich im Rahmen der Erwartungen, sagt Vorstandschef Thomas Bürkle. Die NordLB werde die geplante Kapitalstärkung vorantreiben und bis Jahresende eine tragfähige Lösung präsentieren. „Das in diesem Zusammenhang gestartete Bieterverfahren mit potenziellen Investoren verläuft planmäßig und vielversprechend“, so Bürkle.

Was sollten die Banken darüber hinaus tun?
Aus Sicht der Aufsichtsbehörden zeigen die Stresstestergebnisse, dass die Widerstandsfähigkeit der deutschen Banken in den vergangenen Jahren gestiegen ist. „Dafür haben seit dem Ende der Finanzkrise ein gezielter Kapitalaufbau und eine resolute Aufsicht gesorgt“, sagt Bundesbank-Vorstand Wuermeling.

Experten wie Wackerbeck sehen das ähnlich – aber sie fordern nun einen stärkeren Fokus der Institute auf höhere Gewinne. „Die regulatorische Agenda sollte Banken nicht davon ablenken, Maßnahmen zur Profitabilitätssteigerung zu ergreifen“, fordert der Berater. „Die nachhaltig unterdurchschnittliche Profitabilität bleibt weiterhin die Achillesferse der deutschen Institute.“

Die Deutsche Bank sieht das ähnlich. Der Stresstest habe gezeigt, dass das Risikoprofil von Deutschlands größtem Geldhaus solide sei, sagt Finanzvorstand James von Moltke. „Aber wir sind noch nicht profitabel genug. Genau daran arbeiten wir jetzt.“

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