Analyse zu den Quartalszahlen Wo die Deutsche Bank konkrete Fortschritte macht – und wo es noch düster aussieht

Der Jubel über die Quartalszahlen war anfangs groß. Nun liegen die Details vor. So bewerten Investoren den Sisyphos-Job von Deutsche-Bank-Chef Sewing.
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Der Deutsche-Bank-Chef verbucht erste Fortschritte, aber noch keinen Durchbruch bei der Sanierung der Frankfurter Bank. Quelle: Deutsche Bank
Christian Sewing

Der Deutsche-Bank-Chef verbucht erste Fortschritte, aber noch keinen Durchbruch bei der Sanierung der Frankfurter Bank.

(Foto: Deutsche Bank)

FrankfurtEiserne Kostendisziplin hat Christian Sewing nach seinem Amtsantritt als Vorstandschef vor gut drei Monaten der Deutschen Bank verordnet. Wer genau in das Zahlenwerk des zweiten Quartals blickt, sieht, dass der permanente Kostenblock der Bank tatsächlich ein wenig bröckelt: Rechnet man alle Sondereffekte heraus, sind die bereinigten Kosten im Jahresvergleich um ein Prozent gesunken.

Sewings Vorgänger John Cryan war vor allem über die chronischen Kostenprobleme des Geldhauses gestürzt. Als der Brite im Februar das Kostenziel der Bank für das laufende Jahr kassierte, beschleunigte das den Absturz der Aktie, und Cryan musste gehen.

So wundert es also nicht, dass Kostendisziplin in den vergangenen Monaten zu einem Mantra Sewings geworden ist. Mittlerweile trägt der Fokus auf die Ausgaben auch erste Früchte, wie die Ergebnisse des zweiten Quartals belegen.

Die Ertragsseite der Bank enttäuschte nach dem altbekannten Muster: Im Wertpapierhandel brechen die Erträge weg, der Abstand gerade zu den US-Rivalen wird immer größer, und selbst bei stabileren Geschäftsfeldern wie dem Privatkundengeschäft waren Sondereffekte für ein kleines Plus bei den Erträgen nötig. Rechnet man alle Einmaleffekte heraus, die das Ergebnis in die eine oder andere Richtung zerren, dann lagen die Gesamterträge des Instituts jedenfalls acht Prozent unter ihrem Vorjahreswert.

Auf der Kostenseite sieht es da schon besser aus: Zwar liegen die Gesamtkosten etwas höher als im Vorjahr, doch das ist vor allem den Restrukturierungskosten geschuldet. Rechnet man alle Einmaleffekte heraus, dann sind die bereinigten Kosten immerhin um ein Prozent gesunken. Für das Institut, dessen Mitarbeiter eher für eine Laisser-faire-Haltung bei Kostenfragen bekannt sind, ist das keine Selbstverständlichkeit. „Der Trend bei den Kosten geht in die richtige Richtung“, sagte Sewing den Analysten.

Auch die Abteilung Konzernstrategie fiel Sewings Umbau-Eifer zum Opfer und wurde aufgelöst. Sewing selbst holte sich Alexander von zur Mühlen, bisher Co-Leiter des Bereichs Global Capital Markets in der Investmentbank, als „strategischen Berater“ an die Seite, wie eine interne Mitteilung zeigt, über die die „Wirtschaftswoche“ zuerst berichtet hatte.

Bei den Finanzprofis kommt das alles gut an: „Bei den Kosten und bei der Restrukturierung befindet sich die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg. Das ist ein wichtiger erster Schritt, denn diese beiden Punkte hat die Bank unter ihrer Kontrolle“, sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. Auf der Ertragsseite gab und gebe es auch in Zukunft Enttäuschungspotenzial. „Deshalb ist es wichtig, dass die Bank auf den Feldern liefert, die sie unter ihrer Kontrolle hat“, so Speich.

Zu den Dingen, die die Bank in der Hand hat, zählt auch die Eigenkapital- sowie die Verschuldungsquote (Leverage Ratio). Beide Kennziffern haben sich leicht verbessert. Dadurch sinkt die Gefahr, dass die Bank die Aktionäre noch einmal via Kapitalerhöhung zur Kasse bittet.

Der Bankenanalyst von JP Morgan, Kian Abouhossein, reagierte auf diese Fortschritte geradezu euphorisch: „Die Deutsche Bank hat unter ihrem Vorstandschef Sewing exzellente Arbeit mit Blick auf die Eigenkapitalquote und die Leverage Ratio geleistet, und die Kostenreduzierungen liegen im Plan“, schrieb er. Insgesamt sei die Deutsche Bank allerdings eine „Beweis es mir“-Aktie.

Die Bank müsse beweisen, dass sie die beträchtliche Restrukturierung durchzieht, sie habe in der Vergangenheit nicht immer ihre Ankündigungen wahrgemacht und werde von neuen Leuten geführt. Investoren seien sicher offen und erfreut, was die Restrukturierung angehe, wollten aber Fakten bei den Kostensenkungen sehen, während die Bank zugleich sicherstellen müsse, dass die Erträge nicht weiter enttäuschten.

Gerade die Ertragsseite bietet nach wie vor das größte Frustpotenzial der Bank. Die Erosion im Wertpapierhandel setzte sich im zweiten Quartal ungebremst fort. Ein Minus von 17 Prozent im Anleihe- und sechs Prozent im Aktienhandel summierten sich auf Handelserträge, die 14 Prozent unter Vorjahr lagen. Die US-Rivalen konnten ihre Einnahmen in diesen Bereichen dagegen kräftig steigern. Aus dem derzeit boomenden Rohstoffhandel hat sich die Deutsche Bank vor einiger Zeit ganz verabschiedet.

Sie will ihr knappes Kapital lieber für solche Geschäfte einsetzen, in denen sie sich für stark hält. Sewing sprach in einem Mitarbeiterbrief von „Stärken, die wir nun gezielt ausbauen wollen – zum Beispiel im Kredit- und Währungshandel“. Trotz der Schwächen im Wertpapierhandel brach Sewing eine Lanze für das Investmentbanking. „Manche, die es nicht gut mit uns meinen, haben unsere Unternehmens- und Investmentbank bereits abgeschrieben. Wir zeigen ihnen Tag für Tag, wie falsch sie damit liegen“, schrieb er.

Er verwies vor allem auf die stabileren Investmentbanking-Bereiche: Im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft konnte die Bank ihre Erträge steigern. Im Bereich Global Transaction Banking, der etwa den Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierungsgeschäfte umfasst, stiegen die Erträge dagegen nur deshalb ein wenig, weil die Bank einen Vermögenswert verkaufen konnte.

Viel wird nun davon abhängen, wie schnell und geräuschlos die Deutsche Bank die Sanierung des Investmentbankings umsetzen kann. Im Aktienhandel beispielsweise hatte Sewing kurz vor der Hauptversammlung im Mai angekündigt, jede vierte Stelle zu streichen. Im Vertrieb und der Kundenbetreuung hat die Bank laut Sewing die Sanierung mittlerweile größtenteils abgeschlossen. Nun könnten sich die Mitarbeiter wieder voll und ganz auf die Kunden konzentrieren, erklärt er. Die nächsten Sparrunden im Aktienhandel werden nun vor allem nachgelagerte Tätigkeiten betreffen.

Auch die Restrukturierung im Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen (Corporate Finance) ist abgeschlossen. „Wir konzentrieren uns nun ganz aufs Geschäft“, sagte Mark Fedorcik dem Handelsblatt. Fedorcik ist als Co-Präsident der Investmentbankingsparte vor allem für Unternehmensfinanzierungen zuständig. Beim Arrangieren fremdfinanzierter Übernahmen (Leveraged Finance) und Private-Equity-Finanzierungen hat die Bank nach eigenen Angaben in den USA Marktanteile gewinnen können. „Das ist schon seit gut 15 Jahren einer unserer Schwerpunkte“, sagt Fedorcik.

Bei Investoren verfangen solche Botschaften bislang noch nicht. Es sei bedenklich, dass die Bank im Investmentbanking mehr Umsatz verliere als Kosten einspare, konstatiert Christian von Engelbrechten, Fondsmanager bei Fidelity. Ein anderer Investor verweist darauf, dass die Deutsche Bank sich für 2018 auf niedrigere Erträge im Investmentbanking einstellt.

Auch Fondsmanager Speich bezeichnet die Ertragsentwicklung dort als „enttäuschend“. „Was das Investmentbanking angeht, kann man sich vom Thema Marktanteilsgewinne erst einmal verabschieden. Jetzt gilt es, die noch vorhandenen Marktanteile zu verteidigen, gerade auch vor dem Hintergrund der personellen Abgänge, die es bei der Deutschen Bank zuletzt gab“, sagt er.

Das satte Tiefrot bei den Handelserträgen ist nicht der einzige Punkt, der Investoren missfällt. Auch die schwache Entwicklung bei stabilen Geschäftsfeldern wie dem Privatkundengeschäft stört einige. Rechnet man Sondereffekte heraus, hat die Bank auch im Privat- und Geschäftskundenbereich weniger eingenommen als im Vorjahr. „Der Bank gelingt es nicht, den Ertragsdruck, der im Einlagengeschäft besteht, durch ein Wachstum im Kreditgeschäft auszugleichen, wie es der Commerzbank immer mal wieder gelingt“, moniert ein Fondsmanager.

Die Feierlaune, die die vor einer Woche veröffentlichten Eckdaten zum zweiten Quartal ausgelöst hatten, ist nach den nun publizierten konkreten Details jedenfalls erst einmal vorbei: Damals hatte die Bank bekanntgegeben, dass die Erträge im Vergleich zum Vorjahr in etwa konstant geblieben sind und der Vorsteuergewinn um „nur“ 14 Prozent auf rund 400 Millionen Euro gesunken ist.

Das katapultierte den Aktienkurs erstmals seit langer Zeit wieder über die Schwelle von zehn Euro. Am Mittwoch verbilligte sich die Aktie wieder. Die Marke von zehn Euro konnte das Papier aber halten.

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