Analyst Stuart Graham „Der Trend geht in die falsche Richtung“

Der renommierte Analyst von Autonomous kritisiert die Kostenentwicklung der Deutschen Bank und hat einige radikale Ideen parat.
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Schlechte Zahlen für 2017. Quelle: dpa
Deutsche Bank in Frankfurt

Schlechte Zahlen für 2017.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Partner des Researchhauses Autonomous ist für seine pointierten Analysen bekannt. Schon früh kritisierte Graham die hohen Kosten der Deutschen Bank.

Herr Graham, Sie haben vor Kurzem eine Analyse zur Deutschen Bank mit „Beyond repair“, also „Nicht mehr zu reparieren“ überschrieben. Sehen Sie sich nach den Zahlen in Ihrem Pessimismus bestätigt?
Ja. Die Zahlen zeigen ganz klar, dass die Deutsche Bank unter einer Ertragsschwäche leidet, und nun werden auch noch die Kostenziele infrage gestellt.

Die Bank begründet die Anhebung des Kostenziels 2018 von 22 Milliarden auf 23 Milliarden Euro damit, dass sie einige Geschäfte nicht wie geplant verkaufen konnte. Ist das eine gute Entschuldigung?
Rein mathematisch gesehen, ist das schlüssig begründet. Aber die wichtigere Frage ist, warum man sich mehr als zwei Jahre nach dem Amtsantritt von John Cryan noch immer fragen muss, ob die Bank die Kosten unter Kontrolle hat. Damals lag die Kosten-Ertrags-Relation bei 79 Prozent. Das mittlerweile kassierte Ziel für 2017 lautete eigentlich, die Quote bis 2020 auf 65 Prozent zu senken, stattdessen ist sie 2017 auf 89 Prozent gestiegen. Der Trend geht also in die falsche Richtung. Für 2021 hat die Bank Kosten in Höhe von 21 Milliarden Euro prognostiziert. Damals ging man aber noch von höheren Erträgen aus. Die Frage ist, ob dieses Ziel noch ehrgeizig genug ist.

Der Analyst schlägt radikale Veränderungen bei der Deutschen Bank vor. Quelle: privat
Stuart Graham

Der Analyst schlägt radikale Veränderungen bei der Deutschen Bank vor.

(Foto: privat)

John Cryan gibt sich für das Geschäftsjahr 2018 recht optimistisch. Können Sie das nachvollziehen?
Bei Investoren steht John Cryan noch immer hoch im Kurs, und sein Wort hat Gewicht. Was die Erträge anbelangt, so entziehen diese sich allerdings seiner Kontrolle. John Cryan hofft darauf, dass die Zinsen in absehbarer Zeit wieder steigen und die Kunden der Bank wieder aktiver werden und zum Beispiel mehr handeln. Die Zinsentwicklung und die Kundenaktivitäten sind die beiden wichtigsten Treiber einer Ertragswende – aber er kann sie beide nicht wirklich beeinflussen.

Was könnte die Führung der Deutschen Bank denn eigentlich tun, um das Ruder herumzureißen?
Die Führung der Bank hätte zum Beispiel bei den Kosten mehr tun können.

Gäbe es strategische Alternativen aus Ihrer Sicht?
Wenn die Aktionäre nicht mehr daran glauben, dass Plan A funktioniert, dann müssen sie einen Plan B einfordern. Man könnte zum Beispiel die Investmentbank abwickeln und den Rest der Deutschen Bank mit der Commerzbank fusionieren. Das entspräche dann der Deutschen Bank vor 1995, also bevor sie sich internationalisierte. Oder sie verkauft ihre Investmentbank an einen ausländischen Bieter – da kämen nur die chinesischen Banken infrage – und fusionieren den Rest mit der Commerzbank. Das sind sehr radikale Schritte, und ich glaube nicht, dass das aktuelle Management dazu bereit wäre.

Herr Graham, wir danken für das Gespräch.

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