Andrea Orcel

Der Investmentbanker wird in der Presse auch als George Clooney der Bankenwelt bezeichnet.

(Foto: Bloomberg)

Andrea Orcel Banco Santander holt den George Clooney der Bankenwelt

Der bisherige Chef des UBS-Investmentbankings war bei vielen großen Bankendeals dabei. Nun wird er CEO bei der spanischen Großbank – und dürfte dort einiges verändern.
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Es ist ein Wechsel, der auf den ersten Blick nicht recht passt: Der Investmentbank-Star Andrea Orcel – selbstbewusst und presseaffin – wechselt von der UBS als Vorstandschef zur spanischen Geschäftsbank Banco Santander, wo die Verwaltungsratschefin Ana Botín auch eine exekutive Rolle innehat und der bisherige CEO eher im Hintergrund agierte.

Doch nun wird der bisherige CEO, José Antonio Álvarez, Spanienchef und Vizepräsident der Bank. Orcel und die Familie Botín, die Santander bereits seit vier Generationen führt, kennen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten. Orcel hat die Botíns als Investmentbanker bei allen wichtigen Deals und Kapitalerhöhungen beraten.

In Madrid heißt es, Anas verstorbener Vater Emilio Botín habe bei seinen zahlreichen Zukäufen keinen Schritt unternommen, den er nicht vorher mit Orcel abgesprochen habe. Orcel hat in der Bankbranche einen Ruf wie Donnerhall: Der ehemals langjährige Merrill-Lynch-Banker gilt als einer der profiliertesten Investmentbanker weltweit. Bei vielen der großen Bankdeals in Europa war er dabei.

Sein Meisterstück war die Zerschlagung der niederländischen Bank ABN Amro im Jahr 2007, bei dem er seinem nun künftigen Arbeitgeber Santander zum Erwerb der Filetstücke verhalf. Solch ein Image hat in diesem Gewerbe einen angenehmen Nebeneffekt: riesige Gehälter.

Schon kurz vor Ausbruch der Finanzkrise machte der 55-Jährige bei Merrill Lynch mit einem Rekordsalär von rund 30 Millionen Euro von sich reden – als die Bank schon tiefrote Zahlen schrieb. Auch die UBS bezahlte im Jahr 2012 die für Schweizer Verhältnisse rekordverdächtige Ablöse von 25 Millionen Franken für den Italiener.

Zunächst von Zürich und zuletzt aus London heraus steuerte Orcel in den vergangenen Jahren die UBS-Investmentbank. Dort kam ihm die undankbare Aufgabe zu, den Bereich dramatisch zurechtzustutzen. Er strich dazu Tausende Stellen und erhöhte so drastisch die Profitabilität. Damit hatte er sich auch als möglichen Nachfolger für den ihm eng verbundenen Konzernchef Sergio Ermotti in Stellung gebracht.

Als Vorgesetzter gilt Orcel als extrem fordernd und anspruchsvoll. Kenner beschreiben ihn als Chef, der auch mal um fünf Uhr morgens oder um Mitternacht seine Mitarbeiter anruft. „Die bei Santander können sich schon warm anziehen“, witzelt ein UBS-Kollege. Ein Schnelldenker und -sprecher, kann er mit seinem südländischen Temperament auf eine einzelne Frage auch schon mal 15 Minuten lang antworten.

Obwohl er sein Privatleben gerne aus der Presse heraushält, hat der in Rom aufgewachsene Manager einen gewissen Glamourfaktor: Meist braun gebrannt und mit Maßanzügen und teuren Uhren auftretend, wurde er in der britischen Presse einst zum George Clooney der Bankenwelt gekürt. Zu seinen wenigen Hobbys zählt das Wasserskifahren – aber allzu viel Privatleben hat der Workaholic ohnehin nicht.

Da fragt sich jeder, ob Santander wieder Übernahmen in den Mittelpunkt rücken will. Daragh Quinn (Analyst)

Für die spanische Großbank dürfte die Personalie einen Wandel einläuten. Botín hat sich mit Orcel eine starke Figur an ihre Seite gestellt. Der gelernte Betriebswirt wird die Position bei Santander mit mehr Leben füllen als sein zurückhaltender Vorgänger. Strategisch versichert die Bank zwar, sie wolle organisch wachsen.

Der einzige Zukauf in der vierjährigen Ägide von Ana Botín war die Übernahme der in Schwierigkeiten geratenen Banco Popular für einen Euro. Doch Experten sind skeptisch. „Orcel ist nun mal ein Investmentbanker“, sagt Analyst Daragh Quinn vom Finanzdienstleister Keefe, Bruyette & Woods. „Da fragt sich jeder, ob Santander wieder Übernahmen in den Mittelpunkt rücken will.“

Die Bank leidet wie die gesamte Branche unter den anhaltend niedrigen Zinsen, der Konkurrenz durch Onlinebanken und einem sinkenden Aktienkurs. Orcel soll Anfang kommenden Jahres nach Madrid wechseln. Davor ist eigentlich eine mehrmonatige Auszeit geplant. Doch wer ihn kennt, kann sich schon ausmalen, wo er die meiste Zeit verbringen wird: in Madrid.

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