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Angebot Börse Hongkong will für mehr als 30 Milliarden Euro die Londoner Börse übernehmen

Die Reaktion der LSE auf das Übernahmeangebot aus Hongkong fällt verhalten aus. Für die Deutsche Börse könnte der Deal eine zweite Chance eröffnen.
Update: 11.09.2019 - 14:17 Uhr Kommentieren
Die Börse Hongkong bietet für die Übernahme mehr als 30 Milliarden Euro. Quelle: dpa
London Stock Exchange

Die Börse Hongkong bietet für die Übernahme mehr als 30 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

London, Düsseldorf Das Holdingunternehmen der Hongkonger Aktienbörse will die Londoner Börse LSE kaufen. Das gab die Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (HKEX) am Mittwoch überraschend bekannt. HKEX stellt demnach ein Übernahmeangebot im Gesamtvolumen von 31,6 Milliarden Pfund (umgerechnet gut 35 Milliarden Euro) in Aussicht.

„Die Vereinigung von HKEX und LSE wird die globalen Kapitalmärkte in den kommenden Jahrzehnten neu definieren“, erklärte HKEX-Chef Charles Li . „Beide Unternehmen verfügen über hervorragende Marken, finanzielle Stärke und nachgewiesene Wachstumserfolge.“

Die Offerte besteht aus einem Bar- und einem Aktienanteil. Das britische Pfund hat angesichts des bevorstehenden Brexits an Wert verloren, wodurch Firmenübernahmen für Ausländer billiger geworden sind. Ein mögliches bindendes Angebot müsste die Hongkonger Börse bis zum 9. Oktober vorlegen. Der Aktienkurs der Londoner Börse zog nach der Offerte zeitweise um mehr als 15 Prozent an.

Die LSE betreibt auch die Mailänder Börse, die italienische Anleihen-Plattform MTS und die Handelsplattform Turquoise. Zudem dominiert sie mit ihrer Tochter LCH das milliardenschwere Geschäft mit der Abwicklung von Euro-Derivaten.

Die Londoner Börse reagierte allerdings verhalten auf die Übernahmeofferte. Das Angebot sei unabgestimmt gekommen und stehe unter vielen Vorbehalten, teilte die LSE am Mittwoch mit. Man werde es dennoch prüfen und sich in Kürze ausführlich dazu äußern.

Knackpunkt für eine mögliche Übernahme ist offenbar die Übernahme des Datenbetreibers Refinitiv durch die LSE. Die Londoner Börse will Refinitiv für 27 Milliarden Dollar übernehmen und damit unabhängiger vom schwankungsanfälligen Handelsgeschäft werden.

Zweite Chance für die Deutsche Börse?

Die LSE hatte den Milliardendeal erst im Sommer angekündigt. Die Übernahme wird derzeit von den Kartellbehörden und Finanzaufsehern in den USA, der Europäischen Union und anderen Ländern geprüft. HKEX stellt jedoch für ihr Angebot für die LSE die Bedingung, dass die Übernahme von Refinitiv nicht nicht zustande kommt. Die Londoner Börse kündigte aber bereits an, dass sie die Transaktion weiter verfolgen werde.

Sollte die Übernahme von Refinitiv durch die LSE nicht zustandekommen, wäre das positiv für die Deutsche Börse. Denn die Frankfurter hätten dann wieder die Möglichkeit, wie angepeilt Teile des Devisenhandelsgeschäfts von Refinitiv zu kaufen. Die LSE hatte diese Pläne mit ihrer Offerte für Refinitiv durchkreuzt. Die Titel der Deutschen Börse notierten daraufhin zeitweise 3,2 Prozent fester.

Börsenbetreiber streben aufgrund der Skalierbarkeit ihres Geschäftsmodells nach Größe. Denn der Anteil der Fixkosten für den Betrieb von Handelssysteme ist relativ hoch. Und je mehr Geschäfte über diese Systeme abgewickelt werden, desto mehr Gewinn bleibt am Ende hängen. Die große Frage ist, wie Börsenbetreiber mehr Geschäft anziehen können.

Seit der Jahrtausendwende haben es viele Betreiber mit großen Fusionen oder Übernahmen versucht. Erfolgreich waren dabei vor allem US-Börsen. Die Intercontinental Exchange (ISE) aus Atlanta übernahm die New York Stock Exchange und deren britische Derivatebörse Liffe. Die Chicago Mercantile Exchange (CME) schluckte die US-Konkurrenten CBOT und Nymex.

Auch die Deutsche Börse hatte mit ihrem Londoner Pendant über eine Fusion verhandelt. Fünf Mal haben beide Institute vergeblich über einen Zusammenschluss gesprochen, der letzte Anlauf misslang 2017. Verantwortlich dafür war wie bei anderen fehlgeschlagenen Deals der Widerstand von Regulatoren und Politikern. Sie sehen Börsenbetreiber oft als nationale Ikonen und fürchten bei einem Verkauf eine Schwächung des eigenen Finanzplatzes.

Große Hürden für Megadeals

Angesichts zahlreicher geplatzter Deals hat bei einigen Börsenmanagern inzwischen ein Umdenken eingesetzt. In der Branche habe es schon „eine ausreichende Menge an Konsolidierung“ gegeben, sagte Adena Friedman, die Chefin der US-Technologiebörse Nasdaq, im vergangenen Jahr. Es gebe große Hürden für Megadeals, weil diese von Wettbewerbshütern und Politikern kritisch gesehen würden. Friedman setzt deshalb auf Wachstum aus eigener Kraft und Kooperationen mit Konkurrenten.

Auch Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer ist der Ansicht, dass die Zeit klassischer Börsenfusionen vorbei ist. Es gehe nun darum, einzelne Assetklassen zu konsolidieren, sagte er Anfang des Jahres, beispielsweise das Geschäft mit Währungen, Daten, Anleihen und Rohstoffe. In diesen Sektoren gibt es weniger politische Befindlichkeiten als bei der Übernahme einer klassischen Börse.

Mehr: Die Londoner Börse LSE schnappt sich den Datenanbieter Refinitiv – und fährt damit Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer in die Parade.

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