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Angekündigtes Sparprogramm Anleger zweifeln, ob Deutsche-Bank-Chef Sewing der Umbau gelingt

Viele Experten finden es gut, dass die Deutsche Bank ihr Investmentbanking drastisch zurückfährt. Doch es bleiben auch Zweifel.
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Der Deutsche-Bank-Chef muss jetzt einige Versprechen einlösen. Quelle: Reuters
Christian Sewing

Der Deutsche-Bank-Chef muss jetzt einige Versprechen einlösen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, LondonFür die Mitarbeiter der Deutschen Bank in London ist es ein Spießroutenlauf. Vor dem Gebäude des Instituts an der London Wall warten am Montagmorgen zahlreiche Reporter und die Kameras von BBC und ITV. Die meisten Beschäftigten gehen wortlos und schnellen Schrittes vorbei. „Wir dürfen nichts sagen“, ruft eine junge Frau. Eine andere schüttelt genervt den Kopf und dreht wieder um.

Hinter der ockerfarbenen Sandsteinfassade laufen derweil schon am Morgen die ersten Kündigungsgespräche. Hunderte Mitarbeiter verlieren bereits am Montag ihren Job. Viele andere werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Denn London ist für die Deutsche Bank neben New York der wichtigste Standort für den Aktienhandel. Und die Sparte wird im Rahmen des radikalen Umbaus des Geldhauses mit wenigen Ausnahmen geschlossen.

Fünf Mal hat das Institut seine Strategie in den vergangenen sieben Jahren bereits angepasst – und das mit überschaubarem Erfolg. „Dieses Mal ist es anders“, versprach Sewing am Montag.

Vorstandschef Christian Sewing spricht vom „weitreichendsten Umbau seit Jahrzehnten“. Die bisher dominierende Investmentbank soll um 40 Prozent schrumpfen. Konzernweit sollen bis 2022 rund 18.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das entspricht etwa jedem fünften Arbeitsplatz.

Investoren, Politiker und Gewerkschaften lobten die Pläne von Vorstandschef Sewing – zumindest im Grundsatz. Der Rückbau des Investmentbankings und die Konzentration auf Firmen- und Privatkunden halten die meisten für überfällig.

Allerdings hegen viele Zweifel, ob Sewing den Umbau wie geplant durchziehen und die für 2022 ausgegeben Ziele erreichen kann. Diese Bedenken spiegeln sich am Montag auch am Aktienkurs wider. Nach Kursgewinnen zum Handelsstart rutschte das Deutsche-Bank-Papier im Tagesverlauf tief in die Verlustzone. Das Minus belief sich zeitweise auf über sieben Prozent.

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Auch die Einschätzungen der Ratingagenturen sind verhalten. Man dürfe sich von den „enthusiastischen Übertreibungen bei der Verkündung“ des Umbauprogramms nicht blenden lassen, erklärten die Analysten von Scope. „Selbst wenn man davon ausgeht, dass alles wie geplant funktioniert, muss man festhalten, dass die meisten europäischen Großbanken mit ihrem Umbau Jahre voraus sind.“ Die Deutsche Bank hole jetzt nur nach, was sie bei den zurückliegenden Restrukturierungen versäumt habe zu tun.

„Hochriskant, aber unausweichlich“

Wenn der Umbau gelinge, werde sich dieser positiv auf die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank auswirken, erklärte die Ratingagentur Moody’s. Aber auch hier folgt ein Aber: Die Umsetzung der Pläne sei eine große Herausforderung. „Eine bessere, ausgeglichenere und nachhaltigere Profitabilität zu erreichen wird mehrere Quartale, wenn nicht Jahre dauern.“

Viele Investoren sehen das ähnlich. „Die Strategieänderung ist hochriskant, aber unausweichlich“, betontt Ingo Speich vom Fondsanbieter Deka. Damit der Kapitalmarkt wieder Vertrauen fasse, müssten den Ankündigungen nun Taten folgen. Denn auch Speich hat Zweifel, ob die Bank ihre Ziele am Ende erreichen wird.

Bis 2022 will das Geldhaus eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent erzielen. Sie würde damit auf einen Vorsteuergewinn von mehr als sechs Milliarden Euro kommen. Die neue Unternehmenskundenbank, die geschrumpfte Investmentbank und die Privatkundenbank sollen dazu je zwei Milliarden Euro beisteuern, das Asset-Management rund 700 Millionen Euro.

Doch viele Analysten glauben nicht, dass das Frankfurter Geldhaus das schaffen kann. Die zugrunde liegenden Annahmen sind aus Sicht der Skeptiker zu optimistisch. Die Deutsche Bank kalkuliert, dass sie 2022 wie im vergangenen Jahr Erträge von rund 25 Milliarden Euro einfährt.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsste das Institut in seinen Kerngeschäftsfeldern trotz schwieriger Rahmenbedingungen wachsen. Denn die Erträge aus dem Aktienhandel und vielen anderen Geschäften, die heruntergefahren oder verkauft werden sollen, fallen schrittweise weg.

Die Analysten von Berenberg glauben nicht, dass der Deutschen Bank dieser Spagat gelingen wird. Der angekündigte Umbau sei zwar radikaler als frühere Bemühungen. „Allerdings ändert sich nichts an der Tatsache, dass die Deutsche Bank in einem Geschäft tätig ist, das sich in einem strukturellen Niedergang befindet (Investmentbanking) und in einem, in dem die Margen hauchdünn sind (deutsches Privatkundengeschäft).“

Wegen des Umbaus wird die Deutsche Bank 2019 erneut rote Zahlen schreiben – und damit den vierten Verlust innerhalb von fünf Jahren verbuchen. Auch für 2020 sind die Aussichten nicht rosig. Das Institut arbeite dran, „2020 ein ausgeglichenes oder besseres Ergebnis zu erreichen“, sagte Finanzchef James von Moltke. Allerdings gebe es erhebliche Unsicherheiten, beispielsweise wann genau Umbaukosten verbucht würden.

„Die Aktionäre brauchen weiter einen langen Atem“, klagt Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. „Der Verzicht auf eine Kapitalerhöhung ist grundsätzlich positiv, belastet aber auf Jahre die Ertragskraft der Bank.“

Manager sollen auf Boni verzichten

Die Gewerkschaften stehen trotz des geplanten Arbeitsplatzabbaus hinter dem Umbauplan. „Es ist gut, dass das Investmentbanking auf das Niveau zurückgefahren wird, das nötig ist, um deutsche und europäische Firmenkunden zu bedienen“, sagte Stephan Szukalski, der Bundesvorsitzende des Deutschen Bankangestellten-Verbands. „In Gänze ist es eine gute Entscheidung.“

Im Zuge des Umbaus soll die Zahl der Vollzeitstellen von aktuell rund 91.500 auf 74.000 sinken. Die Gewerkschaft Verdi setzt darauf, dass der Personalabbau vor allem im Investmentbanking stattfindet. Welche Auswirkungen es auf die Infrastrukturbereiche in Deutschland gebe, könne er im Moment nicht beziffern, erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske.

Er habe jedoch „die klare Erwartung, dass die Deutsche Bank bei ihrer Neuaufstellung wie bisher auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet und der Personalabbau der Beschäftigten sozialverträglich erfolgt“. Insgesamt hat Verdi die Hoffnung, dass durch den Umbau der Bank die Arbeitsplätze in Deutschland langfristig stabilisiert werden.

Auch aus der Politik gab es positive Reaktionen. „Es ist gut, dass die Deutsche Bank endlich den längst überfälligen Umbau anpackt“, sagte Lisa Paus, die finanzpolitische Sprecherin der Grünen. 18.000 Entlassungen seien jedoch ein hoher Preis.

Vor diesem Hintergrund müssten auch die Bonuszahlungen für das Spitzenpersonal gestrichen werden, forderte Paus. „Wenn solche Massenentlassungen nötig sind, dann können die verantwortlichen Manager nicht weiter exorbitante Boni und riesige Abfindungen kassieren.“

Mehr: Christian Sewing geht mit seinen Umbauplänen eine riskante Wette ein. Das meint jedenfalls Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.

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