Angriff auf traditionelle Geldhäuser Mit dem kostenlosen Girokonto buhlen Digitalbanken um die Generation Smartphone

Moderner, schneller und näher am Kunden: Smartphone- und Digitalbanken drängen mit immer mehr Angeboten auf den deutschen Markt. Doch eine Frage bleibt.
Kommentieren
Ende August startet die Digitalbank Moneyou. Quelle: E+/Getty Images
Mobiles Bezahlen

Ende August startet die Digitalbank Moneyou.

(Foto: E+/Getty Images)

FrankfurtEs ist die Zeit der Newcomer: Ende August startet die Digitalbank Moneyou, bei der man bisher unter anderem in Tagesgeld anlegen konnte, mit einem Girokonto, „Moneyou Go“. Anfang September will Tomorrow folgen, als nachhaltige Bank für das Smartphone. Und auch Bunq, wie Moneyou aus den Niederlanden, will in Deutschland Fuß fassen.

Damit wächst das Angebot rein digitaler Banken. Zumal auch die Sparkassen nächstes Jahr ein Smartphone-Konto anbieten wollen. Mehrere große Sparkassen testen derzeit „Yomo“ – das steht für „Your Money“.

Mit Yomo wollen die Sparkassen N26, der in Deutschland bekanntesten Smartphone-Bank, Paroli bieten. Das Berliner Finanz-Start-up hat inzwischen mehr als eine Million Kunden, die meisten davon in Deutschland. Die Fidor Bank aus München zählt inzwischen 300.000 Kunden in Deutschland und in Großbritannien.

Der britische Konkurrent Revolut kommt auf 2,5 Millionen Kunden, darunter mehr als 100.000 deutsche. Über eine volle Banklizenz verfügt er allerdings nicht und kann deshalb beispielsweise keine Kredite vergeben.

Die Smartphone- und Digitalbanken greifen die traditionellen Geldhäuser an, indem sie das Geschäft anders aufziehen: Sie machen es moderner, schneller und sind näher am Kunden. Abgesehen davon zielen sie auf die Generation ab, die bereits mit der Digitalisierung aufgewachsen ist.

Viele junge Kunden machen einen Bogen um Bankfilialen

„Es gibt viele junge Kunden, die nichts mit einer etablierten Bank zu tun haben wollen und einen Bogen um Filialen machen“, sagt Martin Häring, Mitglied der Geschäftsführung und Vorstand Marketing beim Softwareunternehmen Finastra. „Die neuen Banken sprechen genau diese Kunden an.“

Angesichts der neuen Spieler erhöht sich der Wettbewerb. Die meisten Kunden, die nur digital mit ihrer Bank in Kontakt treten wollen, würden nicht unterscheiden, ob es sich um eine der ganz neuen Banken handele oder um eine Onlinebank wie die DKB oder die ING-Diba, sagt Kilian Thalhammer, Autor beim Blog „Paymentandbanking“. Der Zahlungsverkehrsexperte erwartet, dass sich mittelfristig nur ein oder zwei der neuen Banken etablieren.

Moneyou-Chefin Liesbeth Rigter zeigt sich optimistisch. Immerhin hat Moneyou, eine Tochter der niederländischen Großbank ABN Amro, bereits 500.000 Kunden, 300.000 davon in Deutschland, wo sie schon länger aktiv ist.

„Wir haben gemerkt, dass sich besonders Smartphone-affine Kunden, die bei uns zum Beispiel in Tagesgeld angelegt haben, Girokontofunktionen wünschen“, sagte Rigter dem Handelsblatt. „Moneyou Go ist ein Girokonto, das Sparen und Bezahlen in einer App vereint.“ Und Rigter hat einiges vor. „Das Ziel ist es, europaweit zu wachsen. Moneyou soll die europäische Privatkundensparte von ABN Amro werden.“

Hoch hinaus will auch Tomorrow. Die Gründer, die mobiles Bankgeschäft und nachhaltige Finanzen verknüpfen wollen, peilen perspektivisch eine Million Kunden an. Wie ambitioniert das ist, zeigt ein Blick auf die GLS Bank, die größte Nachhaltigkeitsbank in Deutschland. Sie zählt knapp 170.000 private Kunden.

Tomorrow-Co-Gründer Jakob Berndt setzt darauf, dass es in Deutschland und Europa „ein wirklich großes latentes Interesse daran gibt, auch beim Geld nachhaltig unterwegs zu sein“. Es brauche schlicht ein attraktives Angebot, das es Kunden leicht mache, zu wechseln.

Thalhammer zufolge wird es für Tomorrow aber schwierig: „Ich bin skeptisch, ob in der Nische der Ethik- und Ökobanken genug Kunden zu finden sind.“ Moneyou traut er mehr zu, weil die Bank bereits Kunden hat. Moneyou habe die Chance, einfach auszuprobieren, ob Kunden das Girokonto auch annehmen.

Selbst wenn die neuen Banken viele Kunden anziehen, stellt sich die Frage, ob die Angreifer auch Geld verdienen. Sie bieten ihre Girokonten, jedenfalls die Standardversion, in der Regel gratis an. Denn genau das verlangen ihre Zielkunden.

„Wichtig ist vielen jungen Kunden, dass es keine Kontoführungsgebühr gibt“, sagt Häring. Das aber bieten auch die Onlinebanken. Zudem verwenden viele Nutzer das Smartphone-Konto wahrscheinlich nicht als Hauptkonto.

Startseite

Mehr zu: Angriff auf traditionelle Geldhäuser - Mit dem kostenlosen Girokonto buhlen Digitalbanken um die Generation Smartphone

0 Kommentare zu "Angriff auf traditionelle Geldhäuser: Mit dem kostenlosen Girokonto buhlen Digitalbanken um die Generation Smartphone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%