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Anlageplattform Weltsparen sammelt 100 Millionen Euro ein

Das Berliner Fintech Weltsparen hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Investoren gehört auch wieder Paypal.
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Weltsparen sammelt 100 Millionen Euro ein Quelle: Lukas Schramm
Weltsparen-Gründer

Die Gründer Frank Freund, Tamaz Georgadze und Michael Stephan (von links).

(Foto: Lukas Schramm)

FrankfurtDas Berliner Finanz-Start-up Weltsparen, das im Ausland als Raisin firmiert, gehört ab sofort zu den am besten finanzierten Fintechs in Deutschland. Wie der Geschäftsführer und Mitgründer Tamaz Georgadze dem Handelsblatt bestätigte, hat die Zinsplattform gerade 100 Millionen Euro Eigenkapital von Investoren erhalten.

Größere Finanzierungsrunden hat in der deutschen Fintech-Szene bisher nur die Smartphone-Bank N26 abgeschlossen, die in den vergangenen elf Monaten einmal 130 Millionen und einmal 270 Millionen Euro eingeworben hat. Daneben verbuchte die Kreditplattform Kreditech vor knapp zwei Jahren 110 Millionen Euro, wobei darin nach Erkenntnissen des Datenspezialisten Peter Barkow auch ein unbestimmter Anteil Fremdkapital enthalten war.

Das neue Geld stamme überwiegend von Bestandsinvestoren, so Georgadze. Dazu gehören Index Ventures und Ribbit Capital, die im vergangenen Jahr beispielsweise in die britische Smartphone-Bank Revolut investiert hatten, sowie der Risikokapitalgeber Thrive Capital, der sich in der Vergangenheit etwa am US-Zahlungsdienstleister Stripe sowie am Musikstreamingdienst Spotify und am Messengerdienst Slack beteilige. Auch Paypal ist wieder dabei. Der US-Zahlungsdienst hatte bereits Ende 2017 in Weltsparen investiert. Wie sich aus der Gesamtfinanzierung von Weltsparen in Höhe von jetzt 170 Millionen Euro ableiten lässt, waren es damals zehn Millionen Euro.

Zur Bewertung seines Unternehmens machte Georgadze keine Angabe: „Das ist erst relevant, wenn man einen Börsengang plant und davon sind wir noch weit entfernt“, so der ehemalige McKinsey-Berater. Mit dem neuen Geld will er die weitere Internationalisierung vorantreiben und plant weitere strategische Übernahmen.

„Dabei denken wir sowohl an Firmen in anderen Ländern als auch an Unternehmen, mit deren Hilfe wir die Anbindung unseres Angebots an kooperierende Banken noch einfacher gestalten können“, so Georgadze. 2017 hatte Weltsparen bereits das britische Unternehmen PBF Solutions übernommen und auf dieser Basis seine Plattform in Großbritannien aufgebaut.

Gestartet ist Weltsparen Anfang 2013. Die Idee: Banken im europäischen Ausland zahlen auf Fest- und Tagesgeld häufig höhere Zinsen als deutsche Institute, doch für Sparer ist es schwierig, auf eigene Faust ein Konto in Ländern wie Portugal oder Lettland zu eröffnen.

Weltsparen bringt Sparer und Banken zusammen, bietet alle Informationen per Internet, in deutscher Sprache und hilft auch, die Zinseinnahmen zu versteuern. Mit diesem Geschäftsmodell hat das Fintech inzwischen mehr als 160.000 Kunden erreicht. Für sechs Länder gibt es Plattformen in Landessprache, Kunden aus rund 25 weiteren Ländern können über eine englischsprachige Seite Geld anlegen.

Zehn Milliarden Euro vermittelte Einlagen

Bis dato hat Weltsparen nach eigenen Angaben mehr als zehn Milliarden Euro an Partnerbanken vermittelt. „Im vergangenen Jahr haben sich die Einlagen verdoppelt und ich rechne in diesem Jahr mit einer weiteren Verdoppelung“, sagt Georgadze. „Die Dynamik ist weiter sehr gut, obwohl das Marktumfeld wegen den Niedrigzinsen eher schwierig ist. Manche Anleger legen ihr Geld aktuell lieber gar nicht an.“

Größte Wettbewerber neben den klassischen Banken sind die Portale Savedo und Zinspilot, die seit Sommer 2017 beide zum Hamburger Fintech Deposit Solutions gehören. Sie haben nach Unternehmensangaben bisher Einlagen in Höhe von zwölf Milliarden Euro von rund 175.000 Kunden aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz vermittelt. Bei der Zahl der Partnerbanken liegt dagegen Weltsparen vorn. Es vermittelt Produkte von 62 europäischen Banken. Bei Zinspilot sind es 17 Banken, bei Savedo 13.

Zusätzlich zu Tages- und Festgeldkonten vermittelt Weltsparen seit Frühjahr 2018 unter dem Namen „Weltinvest“ ETF-Portfolios. „Der Anteil unserer Kunden, die neben Zinskonten auch ein Weltinvest-Depot eröffnet haben, liegt im oberen einstelligen Bereich“, so Georgadze. Mit dem neuen Geld will er auch diese Produktsparte ausbauen. Auch die Zahl der Mitarbeiter werde weiter steigen, aktuell seien es rund 260.

Zum weiteren Wachstum von Weltsparen dürften auch Kooperationen beitragen. Die Smartphone-Bank N26 und der niederländische Broker BinckBank haben das Portal in ihr Banking eingebunden. Im Januar wurde zudem eine Kooperation mit O2-Banking gestartet. Dabei werden die Bankkunden per Link an Weltsparen weitergeleitet.

Die Marke „Weltsparen“ ist bei den Kooperationen meist sichtbar. „Wir helfen den Kunden, ein Vertragsverhältnis mit Einlagenbanken im Ausland einzugehen, deshalb bleiben wir als Ansprechpartner wichtig“, erklärt Georgadze. Bei Deposit Solutions dagegen gehen die Kunden kein Vertragsverhältnis mit einer anderen Bank ein. Ihre Hausbank führt die Anlagen treuhänderisch für sie bei den Anlagebanken aus, und sie können diese über ihr Kundenkonto bei der Hausbank verwalten.

Deposit Solutions ist 2011 als Infrastrukturanbieter gestartet und bietet Finanzdienstleistern eine sogenannte Open-Banking-Lösung für Einlagen. Zu den aktuell mehr als 50 Kooperationspartnern gehört beispielsweise die Deutsche Bank, bei der das Angebot als Zinsmarkt bezeichnet wird. Seit Herbst 2015 hat Deposit Solutions mit Zinspilot eine eigene Plattform, die sich direkt an Sparer richtet. Vor anderthalb Jahren haben die Hamburger zudem Savedo übernommen, das seit Ende 2014 mit einer Zinsplattform für Sparer aktiv ist.

Bedenken wegen Einlagensicherung

Laut den Zahlen der Anbieter erfreuen sich Zinskonten aus dem Ausland wachsender Beliebtheit. Verbraucherschützer stellen jedoch regelmäßig in Frage, ob eine zugesicherte Einlagensicherung bis 100.000 Euro in Ländern wie beispielsweise Rumänien oder Bulgarien tatsächlich den gleichen Wert hat wie in Deutschland.

Bislang haben Anleger über die Zinsplattformen noch kein Geld verloren. Zwischenzeitlich brauchten sie aber gute Nerven. So etwa 2014, als es Gerüchte über die Zahlungsfähigkeit der bulgarischen Fibank gab. Bald darauf geriet die portugiesische Banco Espírito Santo in Schwierigkeiten und musste vom Staat gerettet werden.

Und im vergangenen Jahr hielt die Versobank aus Estland die Kunden in Atem: Sie verlor ihre Banklizenz, da sie der Geldwäsche und der Finanzierung von Terrorismus verdächtigt wurde. Auch deren Kunden erhielten jedoch ihre Einlagen samt Zinsen.

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