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Deutsche Bank

Schwieriges viertes Quartal.

(Foto: dpa)

Anordnung der Finanzaufsicht Deutsche Bank muss 20.000 Risikokunden überprüfen

Bis Juni muss das Geldhaus seine 20.000 riskantesten Kunden im Investmentbanking überprüfen, fordert die Finanzaufsicht Bafin – sonst drohen der Bank Strafen.
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FrankfurtDass die Deutsche Bank große Schwächen in ihren Geldwäschesystemen hat, war der Finanzaufsicht Bafin schon länger ein Dorn im Auge. Im Herbst schließlich riss der Geduldsfaden der Behörde: Sie installierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Sonderbeauftragten – ein Novum in Deutschland.

Seither überwacht dieser die Bemühungen der Bank, ihre Kontrollsysteme auf den aktuellen Stand zu bringen. Und um den Druck zusätzlich zu erhöhen, hat die Bafin der Bank eine Frist für diesen Sommer gesetzt, wie das Handelsblatt von mehreren mit dem Sachverhalt vertrauten Personen erfahren hat.

Es ist eine Bewährungsprobe: Bis Ende Juni soll die Bank rund 20.000 Kunden aus der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte noch einmal durchleuchtet und die Kundenakten vervollständigt haben.

Das heißt, dass bis dahin alle erforderlichen Kundeninformationen und Dokumente vorliegen müssen und der Kunde auf Basis der neuesten Geldwäsche-Richtlinie noch einmal bewertet sein muss.

Betroffen sind von diesem ersten Schwung die Kunden, die als hochriskant eingestuft wurden. Für Kunden mit mittlerem Risiko kann sich die Bank bis Juni 2020 Zeit lassen, für diejenigen mit geringem Risiko bis Sommer 2021. Weder die Bank noch die Bafin wollten dazu etwas sagen.

Die großangelegte Überholung der „Kundenakten“ ist das Kernstück eines Aufgabenhefts, das die Bafin der Bank auferlegt hat. Die Behörde moniert dem Vernehmen nach vor allem Schwächen im Firmenkunden- und Investmentbankinggeschäft, das von Garth Ritchie geleitet wird. Defizite im „Know-Your-Customer“-Prozess (KYC), also bei der Durchleuchtung und Datenpflege der Kundenverbindungen, gibt es in der Transaktionsbank wie auch im Wertpapierhandel.

Acht Punkte muss die Bank zu unterschiedlichen Fristen erfüllen, ist zu hören. Liefert die Bank nicht pünktlich, drohen ihr Konsequenzen finanzieller oder sogar personeller Natur. Schon einmal hatte die Bafin der Bank ein Bußgeld wegen Lücken in der Geldwäschekontrolle aufgebrummt: 40 Millionen Euro musste das Institut wegen gravierender Mängel in der Geldwäscheprävention zahlen. Das war damals eine Rekordsumme, doch seither hat sich die Rechtslage verschärft – und im Extremfall können die Bankenaufseher sogar Vorstände zum Abgang zwingen.

Bafin verlangt Personalplan

Kein Wunder, dass die Bank mit Hochdruck daran arbeitet, die Anweisungen der Behörde umzusetzen. Dafür verantwortlich ist im Vorstand mittlerweile IT- und Organisationschef Frank Kuhnke, dem die Bank und auch die Behörden die nötige Durchsetzungsfähigkeit zutrauen.

Das schlägt sich auch in den Zuständigkeiten nieder: Um die Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsbereichen des Investmentbankings und den Regulierungsexperten des Bereichs Anti-Financial-Crime zu unterstützen, hatte die Bank eigens ein operatives Team gegründet. Es ist so etwas wie ein Scharnier beider Bereiche. Die Aufsicht über dieses Operationsteam sei im Juli 2018 von der Investmentbanking-Sparte in den Einflussbereich von Kuhnke verlagert worden, wie die Bank auf Anfrage erklärte.

Auch sonst war Kuhnke aktiv. Jedem Kunden ist mittlerweile ein Verantwortlicher zugeordnet, der für die Zuverlässigkeit des Kunden einstehen und alle nötigen Informationen über diesen bis Mitte April einholen muss. Kunden, für die sich kein Verantwortlicher findet oder bei denen nicht alle Informationen bis April vorliegen, werden abgeklemmt.

Die Bank hat analysiert, welcher Kunde für wie viele Erträge steht – und welche Dokumente zu ihm noch fehlen. „Die Kundenbetreuer haben alle nötigen Informationen vorliegen, die Bank hat die Fähigkeit, alle Kunden an Bord zu nehmen, die die Daten liefern, sie kann die Kunden auch rechtzeitig abschalten“, so ein Insider.

Es ist noch offen, ob und wie viele Kunden die Bank durch den Prozess verliert. Damit möglichst wenig Kunden unnötig auf der Strecke bleiben, setzt das Geldhaus auch auf Hilfe von außen. Als Teil der Verbesserungen im Investmentbanking hat die Bank nach eigenen Angaben ein Modell für das KYC-Thema eingeführt, „das auf einer Kombination aus internen und externen Ressourcen aufbaut, die die Dokumentation, Datenaktualisierungen und den gesamten Revalidierungsprozess steuern“, wie das Institut auf Anfrage mitteilte. Die Bank habe externe Berater mandatiert, die die internen Teams bei den Prozessen „entsprechend der neuesten KYC-Vorschriften“ unterstützen.

Institut soll sich im Geldwäschebereich besser wappnen

In der Vergangenheit hatte die Bank gegenüber den Bankenaufsehern für schleppende Fortschritte immer wieder personelle Veränderungen und Engpässe verantwortlich gemacht. Daher haben die Bafin-Aufseher das Institut auch dazu verdonnert, eine ausreichende Personalausstattung sicherzustellen. Den geforderten Fünfjahresplan hat das Institut Finanzkreisen zufolge im Entwurf erarbeitet und im eigenen Finanzplan verankert.

Auch für die Zukunft soll das Institut sich im Geldwäschebereich besser wappnen. Bisher dauerte es sehr lange, bis die Systeme auf den neuesten Stand der Geldwäschevorschriften gebracht wurden. Deshalb zählt zu den Aufgaben auch, dass die Bank dafür sorgt, dass die Systeme künftig schneller auf neue Rechtslagen umgeschaltet werden können.

Der Druck der Bankenaufseher kommt nicht von ungefähr. Lange hat die Deutsche Bank ihre Erträge über penible Kontrollen im Geldwäschebereich gestellt. Selten hat sich das so gerächt wie im Jahr 2018: Der Sonderaufpasser der Bafin ist der erste, der in Deutschland je in Sachen Geldwäsche eingesetzt wurde.

Kurz darauf wurde bekannt, dass die Bank zumindest indirekt in den größten europäischen Geldwäscheskandal verwickelt ist – als Transaktionsbank der dänischen Großbank Danske. Und Ende November durchkämmten dann 170 Fahnder und Staatsanwälte Gebäude der Bank, ebenfalls wegen Geldwäschevorwürfen, die aus einer Analyse der „Panama Papers“ resultierten.

Inhaltlich sind die drei Geldwäschebaustellen nicht verknüpft, doch sie werfen ein Schlaglicht darauf, wie sehr die Versäumnisse der Vergangenheit das Institut noch heute belasten. Auch finanziell. Die Razzia kurz vor Jahresschuss hat die Bank Geld gekostet. „Das Geschäftsvolumen der Investmentbank im Dezember ist eingebrochen“, hieß es in Finanzkreisen. Kunden hätten sich nach der Razzia bei Geschäften mit der Bank zurückgehalten, weil man die Durchsuchung im Ausland für ein Indiz hielt, dass die deutsche Regierung die Bank fallen lasse. „Der Monat war sehr schwach im Investmentbanking“, so ein Insider. Die Bank kommentierte das nicht.

Enttäuschung im Dezembergeschäft

Unterfüttert wurde das am Mittwoch aber von einer Analyse des Vermögensverwalters MainFirst, wonach die Bank gegenüber Analysten angedeutet haben soll, dass das vierte Quartal „schwierig“ verlaufen sei. Die Aktien des Instituts gingen daraufhin auf Tauchstation und verloren bis zu drei Prozent an Wert. Analysten sehen das Ziel der Bank, im Gesamtjahr 2018 schwarze Zahlen zu schreiben, zwar nicht als gefährdet an – sie gehen derzeit im Schnitt davon aus, dass die Bank netto 456 Millionen Euro verdient hat. Doch im Schlussquartal rechnen die Finanzprofis mit 207 Millionen Euro Verlust. Kein Wunder, dass die Bank die Boni in diesem Jahr kürzen dürfte.

Umso wichtiger ist es für die Bank, ihre Kundschaft nicht auch noch durch unkoordinierte Anfragen für die Know-Your-Customer-Akten zu vergrätzen. Mitarbeiter berichten, dass es teils Ärger gab, weil einzelne Kunden mehrfach von unterschiedlichen Mitarbeitern wegen der KYC-Prozesse kontaktiert wurden.

Die Bank versucht, solche Reibungspunkte zu reduzieren. Sie hat vor Kurzem deshalb den Vertrieb neu zugeschnitten und die Kundenbetreuer für alle Produktgruppen zusammengefasst. „Dies hat zu einer Vereinfachung bei den Kundengesprächen zur Umsetzung der regulatorischen Anforderungen geführt“, teilte die Bank mit.

Ein schwer kalkulierbares Geldwäscherisiko ist die Verbindung der Deutschen Bank zur Danske Bank. Als Korrespondenzbank hat die US-Tochter der Deutschen Bank viele der fragwürdigen Dankse-Gelder weitergeleitet. Die Hauptverantwortung für den Skandal liegt bei Danske, die ihre Kunden hätte besser prüfen müssen.

Allerdings wurde irgendwann auch die Deutsche Bank stutzig. „Wir haben die Geschäftsbeziehung mit der estnischen Filiale der Danske Bank 2015 beendet, weil uns Transaktionen wiederholt verdächtig vorkamen“, sagte die Bank. Blinkten die Alarmsysteme früh genug? JP Morgan bekam zwei Jahre früher kalte Füße.

In der Deutschen Bank sind viele davon überzeugt, dass sich das Institut nichts hat zuschulden kommen lassen. Doch einige warnen vor einer „schwer kalkulierbaren Grauzone“, da bestimmte Regeln heute strenger interpretiert werden. Die Bank will es nun genau wissen und hat Finanzkreisen zufolge eine interne Untersuchung eingeleitet, mit der die Revisions- und Antigeldwäscheabteilung sowie externe Experten betraut sind. Es gehe um eine „fact finding mission“, die sich nicht gegen Mitarbeiter richte, hieß es. Bis wann die Untersuchung abgeschlossen ist, ist offen.

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2 Kommentare zu "Anordnung der Finanzaufsicht: Deutsche Bank muss 20.000 Risikokunden überprüfen"

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  • Ein echter Kraftakt für Frank Kuhnke und die Deutsche Bank und ein warnendes Beispiel für andere Unternehmen wie wichtig KYC, AML, ABAC Lösungen bei der Auswahl ihrer Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten oder Mitarbeiter für Banken und andere Unternehmen sind. Es geht dabei nicht nur um regulatorische Pflichten, Rechtsrisiken, sondern um das Geschäft, die Reputation und das Überleben. Managed Screening, Onboarding & Monitoring und Enhanced Due Diligence der The Red Flag Group kann bei dem engen Zeitplan und Ressourcen-Engpässen umgehend unterstützen.

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