Anpassungen in der Bilanz Europäische Banken tricksen bei Verschuldungsquoten

Um die Verschuldungsquote aufzuhübschen, reduzieren Banken kurzzeitig riskante Geschäfte. Die Opposition drängt nun auf eine neue Art der Erhebung.
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Erst nach Abschluss der laufenden Analysen soll eine mögliche Vorschrift vereinbart werden. Quelle: picture alliance / Arco Images
Bundesministerium der Finanzen

Erst nach Abschluss der laufenden Analysen soll eine mögliche Vorschrift vereinbart werden.

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ZürichUm Raser auf der Autobahn zu erwischen, gibt es zwei Methoden: In Deutschland stellt die Polizei einzelne Radarfallen auf. In Österreich stoppt eine Software die Zeit zwischen zwei Punkten an der Strecke. Der Unterschied: Wer weiß, wo die Falle steht, kann kurz bremsen und danach weiterrasen. Bei den österreichischen Nachbarn hilft das nicht: Wer über dem erlaubten Durchschnittstempo liegt, erhält eine saftige Strafe.

Funktioniert der Bremstrick auch in der Bankenwelt? Dafür spricht eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Demnach fahren Banken in Europa und der Schweiz bestimmte Geschäfte immer zum Quartalsende zurück, wenn sie ihre Verschuldungsquote (Leverage Ratio) melden müssen.

Diese Quote setzt die Risiken in den Büchern der Banken ins Verhältnis zu deren Eigenmitteln. Bei amerikanischen Instituten lässt sich der Rückzug zum Quartalsschluss dagegen nicht beobachten. Dort wird die Leverage Ratio nicht zu einem Stichtag, sondern im Durchschnitt ausgewiesen.

Um dieses Problem weiß auch die Bundesregierung – und sie liebäugelt mit einer Änderung. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi hervor, der finanzpolitischer Sprecher für die Linke im Bundestag ist. Demnach verfolgt das Bundesfinanzministerium die Debatte. Die bilanziellen Anpassungen im Vorfeld von Meldestichtagen seien derzeit nicht nur in Basel Thema, sondern auch bei der Überarbeitung der Bankenverordnung auf EU-Ebene.

„Zur Vermeidung etwaiger zeitpunktbezogener Verzerrungen erscheint grundsätzlich eine Durchschnittsbildung geeignet“, heißt es in der Antwort des Bundesfinanzministeriums. Eine mögliche Vorschrift solle aber erst „nach Abschluss der laufenden Analysen“ erfolgen.

De Masi drängt auf eine schnelle Lösung des Problems: „Die Tricksereien von systemrelevanten Großbanken mit der Leverage Ratio zum Quartalsende müssen unterbunden werden.“ Auch er spricht sich für eine Messung der Quote in einem Zeitraum aus. „Sonst droht zehn Jahre nach der Lehman-Pleite die nächste Finanzkrise.“

Die BIZ-Experten hatten untersucht, wie das Volumen der Gelder schwankt, das sich Institute bei amerikanischen Geldmarktfonds verschaffen. Die Schwankungen lagen Ende 2017 bei insgesamt 145 Milliarden Dollar – zwei Jahre zuvor waren es lediglich 35 Milliarden Dollar. Die Namen einzelner Institute nannten die BIZ-Experten nicht. Ein Branchenvertreter erklärte die Schwankungen mit „veränderten Kundenbedürfnissen“.

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