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Asien Warum Japans Regionalbanken in der Krise stecken

Den kleineren Geldhäusern in Japan geht es immer schlechter. Schuld daran ist neben dem Bevölkerungsschwund noch ein weiterer Effekt.
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Für das abgelaufene japanische Bilanzjahr verzeichnete die Bank einen Verlust von 97 Milliarden Yen. Quelle: Reuters
Surugu Bank in der Präfektur Shizuoka

Für das abgelaufene japanische Bilanzjahr verzeichnete die Bank einen Verlust von 97 Milliarden Yen.

(Foto: Reuters)

Tokio Ganze 124 Jahre lang hat die Suruga Bank ihren Kunden in der Präfektur Shizuoka treu gedient. Doch nun wird die Regionalbank unfreiwillig zum Vorboten einer neuen Bankenkrise in Japan.

Schon die Homepage deutet das Dilemma des einst stolzen Geldhauses an. Mit gelben Blümchen im Hintergrund entschuldigt sich das Kreditinstitut dafür, dass die Finanzaufsicht sie in einem Skandal um gefälschte Prüfungen von Hypothekenkrediten zu einem Umbau und der Entlassung des Vorstands verdonnert hat. Die noch größere Schmach folgt Mitte Mai: Die Suruga Bank verbucht für das im vergangenen März abgelaufene japanische Bilanzjahr einen Verlust von 97 Milliarden Yen. 

Damit sticht das Kredithaus negativ in der Finanzindustrie heraus, denn Japans globale Finanzgruppen Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho meldeten zur gleichen Zeit hohe Gewinne. Doch die Zahlen der Regionalbank sind weit mehr als ein Ausrutscher. Sie sind eine Warnung für die gesamte Branche in der Ära einer vergreisenden Gesellschaft.

Die Kreditbewertungsagentur Moody’s senkte gerade die Aussichten der Regionalbanken für die kommenden anderthalb Jahre von „stabil“ auf „negativ“. In den kommenden zehn Jahren könnten 60 Prozent der 106 Regionalbanken in die Verlustzone rutschen, falls die Kreditnachfrage im heutigen Tempo sänke, warnte die japanische Notenbank in ihrem jüngsten Bericht zur Stabilität des Finanzsystems.

Die Regierung und die Finanzaufsicht FSA drängen daher auf Fusionen und Reformen. So wollen Japans Finanzplaner die bröckelnde finanzielle Infrastruktur in den Regionen des Landes aufrechterhalten, erläutert Shigeto Nagai, Japanexperte von Oxford Economics.

Die Aufseher machen sich nicht grundlos Sorgen, denn die kleinen Regionalbanken vergeben immerhin die Hälfte aller Unternehmenskredite, die Großbanken dagegen nur zwanzig Prozent. Eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, 20 Jahre Null- und nun Minuszinspolitik der Notenbank verwandeln ohnehin drastische demografische Probleme in einen perfekten Sturm für die regionalen Finanzinstitute.

Wachsende Konkurrenz trotz Überangebot

Schon die rasant alternde Gesellschaft lastet schwer auf den Geschäften der Regionalbanken: Japans Bevölkerung schrumpft bereits seit mehr als zehn Jahren. Viele Regionen verlieren sogar seit mehreren Jahrzehnten Einwohner und damit Wirtschaftskraft, weil viele junge Leute in die Metropolen wie Tokio oder Osaka abwandern. 

Damit sinkt die Kreditnachfrage der mittelständischen Unternehmen immer schneller. In zehn von 47 Präfekturen könnte die Nachfrage nach Darlehen laut einer Vorhersage der Finanzaufsicht FSA bis 2030 um 40 bis 50 Prozent fallen, in weiteren 28 Regierungsbezirken um 20 bis 40 Prozent.

Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz durch andere Regionalbanken und neue Internetbanken zu, während die Ersparnisse vorerst weiter ansteigen. Denn immer mehr Rentner arbeiten auch im Ruhestand weiter. Diese wachsende Konkurrenz um Kreditnehmer kombiniert mit dem Überangebot an Geld sowie der Null- und Minuszinspolitik der Notenbank drücken wiederum die Kreditzinsen immer weiter nach unten. 2017 lagen sie im Schnitt in Japan bei einem Prozent. Rund die Hälfte der Banken verliert daher im Kerngeschäft bereits Geld, viele Banken sogar seit mehr als fünf Jahren. 

Gleichzeitig sorgt die Zinspolitik der Bank von Japan dafür, dass für die Geldhäuser auch das Anleihegeschäft als Gewinnmotor ausfällt. Dieses Problem trifft auch die großen Finanzgruppen wie Mitsubishi UFJ oder Mizuho. Aber den Großbanken bieten sich zwei Auswege, die ihren regionalen Konkurrenten fehlen: Erstens sind sie historisch auf die Finanzierung der Großkonzerne fokussiert, die stärker vom längsten Wirtschaftswachstum der Nachkriegsgeschichte profitieren als der Mittelstand. Zweitens können sie im Ausland expandieren und so ihre Gewinne stabilisieren.

Die regionalen Institute müssen sich hingegen mit Verkäufen von Wertpapieren und anderen Vermögenswerten über Wasser halten. Solche Bestände haben die Geldhäuser auf ihrer verzweifelten Suche nach Rendite deutlich stärker aufgebaut als europäische Banken.

Der Anteil von Investment Trusts am Vermögen japanischer Regionalbanken ist laut der Notenbank auf über drei Prozent gestiegen, während er in der Schweiz bei unter 0,5 Prozent liegt. Doch dieser vermeintliche Puffer erhöht nicht nur die Anfälligkeit der Regionalbanken für Wirtschaftskrisen, warnt die Bank von Japan. Er schwindet auch rapide.

Die Ursachen für die Misere sind klar: Ein Übel sei die Niedrigzinspolitik der Notenbank, mahnt Sayuri Shirai, die früher im geldpolitischen Ausschuss der Zentralbank Japans Zinspolitik selbst mitbestimmt hat und die heute als Volkswirtin für das Wirtschaftsforschungsinstitut der Asiatischen Entwicklungsbank arbeitet. Die ultralockere Geldpolitik stabilisiere zwar den Haushalt des hochverschuldeten Staats, aber höhle langfristig die Finanzindustrie aus

Fragmentierter Markt

An der Geldpolitik ist allerdings aus Gründen der Staatsraison kaum zu rütteln. Doch an der zweiten Ursache der Regionalbankenkrise kann die Politik ansetzen: der historisch gewachsenen Fragmentierung der japanischen Finanzindustrie. „Es gibt zu viele Regionalbanken“, sagt Shirai. Denn während Japans Bankenkrise um die Jahrtausendwende eine Konsolidierungswelle unter den Großbanken auslöste, überlebten viele Regionalbanken. 

Das will die Regierung jetzt ändern. Die Besteuerung von Fusionen und das Kartellrecht wurden geändert, um Fusionen zu erleichtern. Gleichzeitig hat die FSA angekündigt, Regionalbanken selbst dann zu Reformen aufzufordern, wenn ihre Solvenzkennzahlen noch im grünen Bereich sind. Der neue Maßstab sind die Gewinnaussichten.

Bei der Suruga Bank zahlt sich die Wende bereits aus. Die Krisenbank verkündete eine Allianz mit der Tokioter Shinsei Bank. Geht es nach der FSA, ist dies erst der Anfang einer Flurbereinigung in Japans Finanz‧industrie. „Noch gibt es Hoffnung auf eine Erholung“, begründet ein Beamter der Behörde die neue Politik vorausschauender Eingriffe. „Wir wollen daher handeln, bevor sich die Lage weiter verschlechtert.“ 

Mehr: Der Streit zwischen Japan und Südkorea um die Entschädigung von Zwangsarbeitern eskaliert. Die beiden Länder steuern auf einen Wirtschaftskrieg zu.

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