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Athen Sorge um griechische Banken – Kreditrisiken verunsichern Anleger

Die Rückstellungen für faule Kredite zehren an den ohnehin mageren Gewinnen griechischer Geldhäuser. Die Angst vor neuem Kapitalbedarf geht um.
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Der Börsenwert der großen Geldhäuser in Griechenland sinkt. Quelle: imago/ANE Edition
Alpha Bank in Athen

Der Börsenwert der großen Geldhäuser in Griechenland sinkt.

(Foto: imago/ANE Edition)

Athen Die Aktionäre griechischer Banken haben derzeit keine Freude an ihren Papieren. Allein seit Beginn September verloren die vier systemischen Institute mehr als ein Viertel ihres Börsenwerts. Auf Sicht der vergangenen vier Monate summieren sich die Einbußen sogar auf über 40 Prozent. Der Athener Bankenindex fiel auf den tiefsten Stand seit 31 Monaten.

Dabei hofften viele Anleger noch im Frühjahr auf eine Rally der Bankaktien: Im April bestanden die Institute den vorgezogenen Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit dem Abschluss des Hilfsprogramms Ende August schien Griechenland die Krise hinter sich zu lassen.

Aber der Ausstieg aus dem Programm verläuft holpriger als von der Regierung erwartet. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal enttäuschte. Die politischen Turbulenzen in Italien und die Währungskrise in der benachbarten Türkei drücken die Kurse griechischer Bonds. Von einer Rückkehr an den Kapitalmarkt ist das Land noch weit entfernt. Das verteuert auch die Refinanzierung der Banken und schmälert ihre Liquidität.

Aber vor allem die Kreditrisiken in den Bankbilanzen verunsichern die Anleger. Nach Angaben der griechischen Zentralbank wurden Ende Juni Kredite im Volumen von 88,6 Milliarden Euro seit mehr als 90 Tagen nicht mehr bedient oder waren ausfallgefährdet.

Das entsprach 47,6 Prozent aller ausgereichten Darlehen. Den höchsten Stand erreichte der Anteil notleidender Forderungen (NPEs) Mitte 2016 mit knapp 107 Milliarden oder 50,5 Prozent. Als akzeptabel gilt in der Euro-Zone eine Quote von höchstens fünf Prozent.

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Die Institute haben sich gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) verpflichtet, die Problemkredite bis Ende 2018 auf 83,3 und im nächsten Jahr auf 66,7 Milliarden Euro oder 34 Prozent zu drücken. Sie machen dabei auch Fortschritte. Im zweiten Quartal bauten sie den Bestand der NPEs um gut vier Prozent ab.

Bankenaufsicht macht Tempo

Die europäische Bankenaufsicht SSM fordert aber eine schnellere Bereinigung der Kreditportfolios. Ende September sollen die Banken der SSM neue Zieldaten vorlegen. Inoffiziell heißt es, die Bankenaufsicht wünsche sich, dass die Institute bis Ende 2021 die Quote der Problemkredite unter 20 Prozent und im Jahr darauf unter zehn Prozent drücken.

Das wären sehr ambitionierte Vorgaben, zumal die Instrumente der Banken begrenzt sind. Die Restrukturierung notleidender Kredite ist zeitaufwendig und selten nachhaltig. Abschreibungen und Verkäufe notleidender Kredite bereinigen zwar die Bilanzen, zehren aber am Eigenkapital.

Ohnehin kommen auf die Banken durch die Umstellung auf den Rechnungslegungsstandard IFRS9 neue Belastungen zu. Er zwingt die Institute zu höheren Rückstellungen. Schätzungen aus Bankenkreisen beziffern die Mehrbelastung auf rund fünf Milliarden Euro, gestreckt über fünf Jahre.

Noch sind die Geldhäuser auch unter Annahme eines Rezessions-Szenarios ausreichend kapitalisiert. Der Stresstest ergab nur geringen Nachbesserungsbedarf. Einzelne Institute, vor allem die Piraeus Bank, sollen im nächsten Jahr ihre Kapitalausstattung weiter stärken. Das könnte durch den Verkauf von Beteiligungen und die Ausgabe von Wandelanleihen geschehen.

Doch Ende August veröffentlichten die Banken enttäuschende Geschäftszahlen. Weil die Institute immer weniger Kredite vergeben, verdienen sie weniger. Die Zinserträge gingen im ersten Halbjahr zwischen 1,5 und 22,5 Prozent zurück. Nun wächst unter den Anlegern die Befürchtung, dass die Banken größere Kapitalspritzen benötigen könnten. Die vier systemrelevanten Institute wurden im Verlauf der Krise bereits drei Mal rekapitalisiert, zuletzt Ende 2015 mit 13,7 Milliarden Euro.

Ob private Investoren noch einmal Kapital nachschießen würden, ist fraglich. Die jüngsten Kursverluste der griechischen Bankaktien spiegeln vor allem‧ die Sorge, dass es dann zu einem Bail-in, einer Heranziehung der Gläubiger und letztlich zu einer Verstaatlichung der Institute kommen könnte.

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