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Aufsichtsrat fordert schnelles Ende des Führungsstreits Licci ist im HVB-Vorstand isoliert

Christine Licci, die Privatkundenchefin der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB), gerät immer mehr ins Abseits. Gestern beriet der Vorstand der HVB über den von der charismatischen Bankerin ausgelösten Streit in der Münchener Bank.

ben/mm/kk FRANKFURT/M. Nach der Affäre um eine interne E-Mail an Tausende von Mitarbeitern, die an die Öffentlichkeit gelangte, musste sich Licci gestern öffentlich bei ihren Kollegen im Führungskreis entschuldigen. Im Gegenzug gaben die Vorstände zu Protokoll, dass sie keinen Zweifel an den guten Absichten Liccis hätten.

Trotz des Kompromisses habe sich Licci ihre Chancen, nach dem Verkauf der HVB an die italienische Unicredito das Deutschlandgeschäft des neuen Instituts zu übernehmen, weitgehend verbaut, hieß es in Bankenkreisen. Dazu habe die Affäre zu hohe Wellen geschlagen. Im Vorstand der HVB gebe es kaum noch Unterstützung für die Südtirolerin. Derzeit führt Licci das Privatkunden-Geschäft der Münchener Bank.

Stein des Anstoßes ist eine E-Mail von Licci an ihre Mitarbeiter, in der sie beklagt, dass die Bank das Betriebsergebnis ihres Bereiches schlechter dargestellt habe, als es wirklich gewesen sei. Diese indirekte Kritik am übrigen Vorstand sorgte für Empörung bei HVB-Chef Dieter Rampl.

Aber auch der Vorstandsvorsitzende von Unicredito, Alessandro Profumo, ist offenbar verärgert über Liccis Vorstoß. Die Bankerin habe sich bereits mehrfach in den Vordergrund gedrängt und belaste mit ihrem Auftritt völlig überflüssigerweise die bislang reibungslose Übernahme der HVB, hieß es in Finanzkreisen. Licci habe sich mit ihrer Mail „keinen Gefallen getan“.

Auch im Aufsichtsrat der HVB wächst der Unmut über den Streit. „Die sollten die Kindergarten-Nummer einstellen, wer im nächsten Jahr Klassensprecher wird“, sagte Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi der Nachrichtenagentur DPA. Unicredito bereitet derzeit das offizielle Übernahmeangebot für die HVB vor. Die meisten Führungspositionen im neuen Institut sind bereits vergeben. Eine der wenigen prestigeträchtigen Stellen, die noch nicht besetzt sind, ist der Sessel des künftigen Deutschland-Chefs. Als Favorit gilt nach Liccis Fauxpas jetzt Johann Berger, der derzeit das Firmenkunden- und Immobiliengeschäft der HVB leitet. Endgültig werden die Personalentscheidungen aber erst nach dem offiziellen Abschluss der Übernahme im Oktober fallen.

Nach dem jüngsten Eklat im Vorstand hatten einige ranghohe Banker mit einem schnellen Abgang von Licci gerechnet. Die Bankerin selbst gab diesen Spekulationen Nahrung. Werde sie nicht Deutschland-Chefin, verlasse sie das Haus, soll sie am vergangenen Freitag vor mehreren Journalisten gedroht haben.

Damit würde eine der schillerndsten deutschen Finanz-Karrieren vor dem vorläufigen Aus stehen. Die Südtirolerin war als erfolgreiche Chefin der deutschen Citibank zu einem Medienstar der heimischen Bankenszene avanciert. Die eloquente Managerin, die ihre Mitarbeiter mitreißen kann, sollte nach ihrem Einstieg bei der HVB Anfang des Jahres vor allem das deutsche Privatkundengeschäft auf Vordermann bringen.

Unabhängig von Liccis Schicksal droht dem Deutschland-Geschäft der HVB nach der Übernahme ein drastischer Umbau. Unicredito ist zwar bekannt dafür, den Töchtern in den einzelnen Regionen viel Spielraum zu lassen. Aber Profumo hat bereits unmissverständlich klar gemacht, dass er die Aufteilung nach Divisionen auch auf die HVB übertragen wird. Die HVB muss sich daher auf eine breite Umstrukturierung einstellen. In München sollen nach der Akquisition das Segment Multinational & Investment-Banking und das Geschäft mit Unternehmenskunden der gemeinsamen Bank angesiedelt werden. Dabei liegt die Grenze für Geschäftskunden bei Unicredito bei drei Mill. Euro Jahresumsatz. Es gilt als wahrscheinlich, dass dieses Kriterium auch in Deutschland angewendet wird.

Wer darunter liegt, fällt in das Segment Retail-Banking, das etwa für kleine Familienunternehmen und andere mittlere Betriebe spezielle Produkte anbietet. Das Retail-Banking wird seine Zentrale weiterhin in Mailand haben.

Auch das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden und die Vermögensverwaltung werden in Zukunft von der italienischen Industriemetropole aus geführt. Dafür werden die beiden Vermögensverwalter Pioneer Investments von Unicredito und Activest von HVB zusammengelegt. Das künftige Osteuropageschäft wird dagegen seinen Sitz in der österreichischen Hauptstadt Wien haben.

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