Ausblick auf Quartalsergebnisse US-Banken könnten den Gipfel der Profite bald erreichen

JP Morgan, Goldman Sachs und Citigroup werden für das dritte Quartal wieder deutliche Gewinnsprünge melden. Doch es gibt auch Grund zur Sorge.
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JP Morgan, Goldman Sachs und Citigroup vor guten Quartalszahlen Quelle: Reuters
JP Morgan

Jason Goldberg, Bankanalyst von Barclays, rechnet bei JP Morgan mit einem Gewinn von 2,30 Dollar pro Aktie.

(Foto: Reuters)

New YorkWie stark können die Gewinne der Banken noch steigen? Jamie Dimon, der Chef der größten US-Bank JP Morgan, hat bereits vor Monaten ein „goldenes Zeitalter“ der Banken angekündigt, in dem die Institute von geringeren Regulierungsvorschriften und neuen, kostensparenden Technologien profitieren.

Auch im dritten Quartal werden die Banken wieder Rekordergebnisse präsentieren. Die Wall Street profitiert nach wie vor von einer starken Wirtschaft und niedrigeren Steuern, die das ganze Jahr schon die Gewinne beflügelt haben.

Analysten warnen jedoch vor zu viel Euphorie. Sie sorgen sich, dass die Geldhäuser den Gipfel der Profite bald erreicht haben könnten. „Etwas Vorsicht ist durchaus angebracht“, warnt Chris Beauchamp vom Broker IG. „Das Kreditwachstum lässt nach und im Handelsgeschäft war es wie immer in den Sommermonaten ruhiger.“

Auch Investoren haben zuletzt nicht an ein goldenes Zeitalter geglaubt. Bankaktien haben zwar in den ersten Monaten des Jahres zugelegt, doch zuletzt deutlich an Schwung verloren. Der Banken-Index von KBW und Nasdaq hat in diesem Jahr knapp ein Prozent verloren, während der breit gefasste S&P 500 gut sechs Prozent zugelegt hat.

Das Quartal wird sich Analysten zufolge dennoch sehen lassen können: Am Freitag melden JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo Ergebnisse für die Monate Juli bis September. Jason Goldberg, Bankanalyst von Barclays, rechnet bei JP Morgan mit einem Gewinn von 2,30 Dollar pro Aktie – das wären 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei der Citigroup könnte der Gewinn um 18 Prozent auf 1,65 Dollar pro Aktie steigen, bei der krisengeschüttelten Bank Wells Fargo könnte sogar ein Plus von 35 Prozent stehen.

Für die Investmentbank Goldman Sachs, die am Dienstag Zahlen präsentiert, rechnet Barclays mit einem Gewinnplus von 24 Prozent. Die Ergebnisse werden zum ersten Mal unter der neuen Führung präsentiert. David Solomon hat Anfang des Monats den Vorstandsvorsitz des renommierten Wall-Street-Hauses von Lloyd Blankfein übernommen und den Goldman-Manager Stephen Scherr ab November zum neuen Finanzvorstand ernannt.

Die US-Institute profitieren nach wie vor von der Steuerreform in den USA. Präsident Donald Trump hatte die Unternehmenssteuern Anfang des Jahres von 35 auf 21 Prozent gesenkt, das hat den Banken einen willkommenen Gewinnschub gegeben. Deutsche Banken können von solchen Zuwächsen nur träumen. Doch klar ist auch, dass die Effekte im kommenden Jahr verpuffen werden, weil der Vergleich mit dem Vorjahr dann nicht mehr so günstig ausfällt.

Im Unternehmenssektor sind die Effekte der Reform zudem noch nicht so deutlich zu spüren wie erhofft. Unternehmen lassen sich Zeit mit der Entscheidung, wie sie die Steuergeschenke am besten nutzen wollen. Das Geschäft mit Firmenkrediten habe noch nicht den erhofften Rückenwind, bemängeln Analysten. Das könne sich in den kommenden Monaten jedoch ändern.

Auch das Investment-Banking war im abgelaufenen Quartal etwas schwächer. Die Anzahl der abgeschlossenen Fusionen und Übernahmen fiel im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent, wie der Finanzdienstleister Bloomberg berechnet hat. Das wird die Umsätze nach unten drücken.

Es gibt jedoch zwei gute Nachrichten: Deals werden immer noch gemacht, sie werden nur später besiegelt, was die Umsätze in den kommenden Quartalen antreiben wird. Und: Es gab im dritten Quartal zwar weniger, dafür aber größere Deals. Der Wert der Fusionen und Übernahmen stieg um knapp vier Prozent. „Der Markt ist immer noch robust, daher bezweifeln wir, dass dieser Zyklus schon beendet sein soll“, schrieb Chris Kotowski von Oppenheimer & Co. in einer Analyse.

Investoren werden sich auch dafür interessieren, wie sich die steigenden Zinsen auf die Ergebnisse der Banken auswirken. Grundsätzlich profitieren die Finanzhäuser von höheren Zinsen, weil die Kreditvergabe dadurch lukrativer wird. Andererseits vergraulen sie so Kreditnehmer, wie bereits auf dem Häusermarkt zu sehen ist.

Außerdem bekommen die Banken bei der Kreditvergabe Konkurrenz. Private-Equity-Firmen, die weniger stark reguliert sind, haben ihre Geschäfte ausgebaut, vor allem bei der Vergabe hochriskanter Kredite, sogenannter „Leveraged Loans“.

Die Goldman-Sachs-Tochter Marcus hat einem Medienbericht zufolge bereits die Standards für die Kreditvergabe in 2019 erhöht. Die Online-Bank vergibt Kleinkredite an Privatkunden und will bei einem möglichen Abschwung nicht mit hohen Ausfallraten dastehen, hieß es Anfang der Woche in einem Bericht des Finanzdienstleisters Bloomberg. Marcus hatte bis Ende Juni Kredite im Wert von vier Milliarden Dollar und war Ende August in Großbritannien gestartet.

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