Ausreichende Kapitaldecke Deutsche Bank besteht ersten Teil des US-Stresstests – doch die größere Hürde kommt erst noch

Deutschlands größtes Geldhaus ist laut der US-Notenbank gut für einen extremen Wirtschaftsabschwung gewappnet. Doch die Belastungsprobe ist noch nicht zu Ende.
Update: 22.06.2018 - 00:53 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank besteht ersten Teil des US-Stresstests Quelle: Reuters
Deutsche Bank in New York

Den zweiten Teil des Stresstests will die Fed in einer Woche veröffentlichen.

(Foto: Reuters)

New YorkGute Nachrichten für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Die US-Notenbank hat die Ergebnisse aus der ersten Runde der Stresstests für große Geldinstitute veröffentlicht. Deutschlands größtes Geldhaus schneidet dabei mit seiner US-Tochter wie erwartet gut ab und zeigt, dass es eine schwere Krise überstehen würde.

Getestet wurden 35 amerikanische Geldhäuser und ausländische Bank-Holdings, die einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts in den USA machen. Die 35 Institute stehen für 80 Prozent der Vermögenswerte von Banken in den USA.

Die Notenbank testete in diesem Teil, ob die Banken im Falle einer Rezession neun Quartale lang ausreichend kapitalisiert wären und weiter Kredite an US-Haushalte und Unternehmen vergeben könnten. Dabei legte die Fed den Banken drei verschiedene Szenarien vor.

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Im schlimmsten Fall ging es um einen wirtschaftlichen Schock, bei der die Arbeitslosigkeit in den USA um gut sechs Prozentpunkte auf zehn Prozent ansteigen und auch in anderen Ländern Wirtschaftskrisen ausbrechen würden. In diesem Jahr waren die Kriterien besonders streng, weil die wirtschaftliche Lage deutlich besser ist als in den Jahren zuvor.

Die Fed zeigte sich insgesamt sehr zufrieden mit den Ergebnissen. „Die Kapitalniveaus der großen Banken sind nach einer hypothetischen globalen Rezession höher, als sie es tatsächlich in den Jahren vor der Finanzkrise waren“, sagte Fed-Vizechef Randal Quarles, der für die Bankenregulierung zuständig ist. Durchfallen können Banken bei diesem Teil des Stresstestes nicht.

Deutsche Bank spart – aber warnt vor schwachem zweitem Quartal

Für die Deutsche Bank ergab die Belastungsprobe, dass selbst im schlimmsten Szenario die harte Kernkapitalquote (CET1) nicht unter 12,2 Prozent fallen würde. Der Mindestwert von 4,5 Prozent wäre damit deutlich überboten. Bei JP Morgan Chase, der größten amerikanischen Bank, lag die harte Kernkapitalquote bei 7,2 Prozent. Goldman Sachs kam auf 5,6 Prozent.

Auch für alle anderen Kapitalquoten hat die Deutsche Bank die Mindestwerte übertroffen. Die gesamte Kapitalquote lag am Ende des vierten Quartals bei 25,9 Prozent und würde in der hypothetischen Rezession nicht unter 22 Prozent fallen. Vorgeschrieben sind acht Prozent.

Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley kamen bei einer wichtigen Verschuldungsquote jedoch überraschend dicht an eine Richtgröße der Fed heran. Die sogenannte Supplemental Leverage Ratio, die die Kreditvergabe und das Risiko durch Derivate im Bezug auf die Kapitalniveaus widerspiegelt, darf den Wert von drei Prozent nicht unterschreiten. Bei Goldman lag sie bei 3,1 Prozent. Morgan Stanley lag bei 3,3 Prozent.

Goldman hatte bereits im April, nach der Vorlage der Quartalszahlen, angekündigt, das Aktienrückkaufprogramm anzuhalten. „Ein Grund dafür war auch, damit sie hier keine Schwierigkeiten bekommen“, sagte Stephanie Link vom Vermögensverwalter Nuveen im US-Börsensender CNBC.

Den US-Banken geht es wieder blendend

Den zweiten Teil des Stresstests will die Fed am Donnerstag kommender Woche veröffentlichen. Er gilt als die größere Hürde, weil dort nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Faktoren wie Risikomanagement und Compliance-Aspekte getestet werden.

Bei diesem Teil der Prüfung können Banken durchfallen – und genau mit diesem Teil tut sich die Deutsche Bank traditionell schwer. 2015 beklagte die Fed „zahlreiche und signifikante Defizite“ etwa bei internen Kontrollen und der Fähigkeit, Risiken zu identifizieren und Verluste abzuschätzen. 2016 bemängelte die Fed „weitreichende und substanzielle Schwächen“ in den Kapitalplänen der Deutschen Bank und der Banco Santander.

In diesem Jahr wird zum ersten Mal das gesamte Nordamerika-Geschäft getestet, das als Deutsche Bank USA (DB USA) gebündelt wurde. Zuvor nahm die Vorgängerorganisation teil, die unter dem Namen Deutsche Bank Trust Corporations jedoch nur rund 15 Prozent des Amerika-Geschäfts abbildete.

DB USA hatte Ende des ersten Quartals Vermögenswerte in Höhe von 133 Milliarden Dollar. Das entspricht rund sieben Prozent der gesamten Vermögenswerte des Frankfurter Mutterkonzerns, wie die Bank mitteilte.

Die Banken, die den zweiten Test bestehen, dürfen dann auch Aktienrückkäufe starten und Dividenden ausschütten. Erfolgreiche ausländische Banken dürfen Überschüsse zurück an ihre Mutterkonzerne überweisen.

Den US-Banken geht es zehn Jahre nach der Finanzkrise wieder blendend. Im ersten Quartal machten sie, auch dank der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, Rekordgewinne.

Davon sollen auch die Anleger etwas haben: Wenn die US-Notenbank Federal Reserve ihr Okay gibt, wollen die 22 größten Geldhäuser des Landes 170 Milliarden Dollar für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgeben. Das sind gut 25 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie die Investmentbank Barclays berechnet hat. Europäische Institute stehen dagegen deutlich schwächer da.

Sewing, der seit April im Amt ist, hat dem Institut eine umfassende Rosskur verordnet. Er will sich künftig stärker auf Geschäfte in Deutschland und Europa konzentrieren und hat insbesondere in den USA und am Standort London zahlreiche Stellen im zuletzt schwächelnden Investmentbanking gestrichen.

Die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse bestanden den US-Stresstest ebenfalls deutlich. Aus Fed-Kreisen verlautete, man sei allgemein mit dem Abschneiden der ausländischen Banken zufrieden. Diese hatten für die Vorbereitung weniger Zeit als ihre US-Konkurrenten.

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