Ausstieg aus der Euro-Zone Planspiele für den schlimmsten Fall

Noch erscheint der Ausstieg eines Landes aus der Euro-Zone den meisten Experten höchst unwahrscheinlich. Trotzdem fordern Notenbanker und Regulierer die Geldhäuser auf, sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten.
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In der britischen Hauptstadt bereiten sich die Banken bereits auf das Auseinanderbrechen der Euro-Zone vor. Hier demonstriert ein Brite für den Erhalt der heimischen Währung. Quelle: Reuters

In der britischen Hauptstadt bereiten sich die Banken bereits auf das Auseinanderbrechen der Euro-Zone vor. Hier demonstriert ein Brite für den Erhalt der heimischen Währung.

(Foto: Reuters)

London/ZürichEs ist die Nacht von Sonntag auf Montag kurz vor Öffnung der asiatischen Börsen. Nicht nur in Tokio, Singapur und Hongkong, sondern auch in den europäischen Finanzzentren starren übernächtigte Händler verängstigt auf ihre Bildschirme, denn am Freitagabend erschütterte eine schlimme Nachricht die Wirtschaftswelt: Griechenland scheidet aus der Währungsunion aus. Politikern, Bankern und Aufsehern blieben nur 48 Stunden, um die Märkte vorzubereiten und das schlimmste Chaos zu verhindern.

Es ist ein hypothetisches Schreckensszenario, das die meisten Experten noch immer für unwahrscheinlich halten, aber die Folgen wären so dramatisch, dass Notenbanker und Regulierer die Geldhäuser inzwischen auffordern, sich auf ein Ende der Euro-Zone in ihrer heutigen Form vorzubereiten.

„Als Aufseher ist uns sehr daran gelegen, dass sich die Institute auch auf chaotische Konsequenzen aus der Krise in der Euro-Zone vorbereiten“, sagt Andrew Bailey, verantwortlich für die Bankenaufsicht beim britischen Regulierer FSA. „Gutes Risikomanagement heißt, sich auch auf unwahrscheinliche, aber sehr ernste Szenarien vorzubereiten.“ Man dürfe die Möglichkeit eines ungeordneten Ausstiegs einiger Länder aus der Währungsunion nicht ignorieren, fügt Bailey an. Auch die Bank of England macht sich ernsthafte Sorgen über die Zukunft der Euro-Zone. Nach Meinung von Notenbanker David Miles lässt sich die Gefahr nicht länger leugnen, dass ein Land aus dem Währungspakt ausscheidet.

Die Aufforderung, sich für den Ernstfall zu wappnen, verhallt in der Finanzbranche nicht ungehört: „Bevor die Diskussion über eine Volksabstimmung in Griechenland die Märkte erschütterte, galt ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone als extrem unwahrscheinlich, jetzt müssen wir sehr viel intensiver über dieses Szenario nachdenken“, räumt ein Londoner Banker ein.

Auch in der Schweiz laufen bereits Planspiele für den Ernstfall. In Finanzkreisen heißt es, dass einige ausländische Institute versuchen würden, ihre Schweizer Aktivitäten vom Rest des internationalen Geschäfts zu isolieren, um eine Ansteckung durch eine Zuspitzung der Euro-Krise zu verhindern.

Die Analysten der Großbank UBS haben sich in einer Studie bereits mit möglichen Austritten aus der Euro-Zone beschäftigt. Ihre Schlussfolgerung: Der europäische Bankensektor könnte dies wohl nur überleben, wenn die Staaten den Geldhäusern erneut zu Hilfe eilten. UBS rechnet mit einem unmittelbaren Kapitalbedarf von 92 Milliarden Euro.

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22 Kommentare zu "Ausstieg aus der Euro-Zone: Planspiele für den schlimmsten Fall"

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  • ForzaEURO: „Der Euro ist die derzeit beste Währung der Welt. Schaut euch doch mal bitte andere Währungen an ..."

    Wissen Sie dann, warum Merkel den Euro seit 18 Monaten mit ihrem Mantra „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ permanent retten will? Warum in Luxembourg eine regelrechte „Euro-Rettungsschirm-Fabrikation“ entstanden ist? Warum muss der Euro mit Eurobonds gerettet werden, wenn der Euro die derzeit beste Währung der Welt ist?

    Warum gibt es denn keine Dollarbonds? Eher müsste doch der Dollar gerettet werden!

    Warum sind die USA so verantwortungslos ihrem Dollar gegenüber, dass sie keine Dollar-Rettungsschirm-Fabrik in Las Vegas, dem Luxembourg der USA, gegründet haben? Da haben weder Ackermann, noch Juncker eine Antwort. Haben Sie eine?

    Also, warum gibt's kein Rettungsschirm auf Hawaii? Wissen Sie es, Heulsuse, Warmduscher!

  • Hallo, die Bundesbank verfügt seit Jahren über eine alternative Ersatzwährung auf Papier gedruckt. Warum aber sollten wir diese Banknoten einsetzen? Weil ihr die Hosen voll habt? Dafür nimmt man anderes Papier!

    Der Euro ist die derzeit beste Währung der Welt. Schaut euch doch mal bitte andere Währungen an. Wenn wir die Währung wechseln würden, dann bleibt es noch immer dabei, dass die Banken und Versicherungen die Gläubiger der Staaten sind, ganz egal in welcher Währung. Ja, auch eure Lebensversicherungen sind davon betroffen und es ist vollkommen wurscht, in welcher Währung die Verluste aus abgeschriebenen Staatsanleihen dann gerechnet werden.

    Und wenn die Banken leiden oder die Emittenten der CDS-Papiere, dann leidet ihr mit, ob ihr die Banken jetzt mögt oder nicht, denn dann wird es finster im Geldumlauf.

    Also, der Euro und ein gemeinsames Handeln ist unsere einzigste Chance. Heulsusen, Warmduscher!

  • Och Leute, da können die Schweizer und Engländer machen was sie wollen. Wenn der Euro untergehen sollte, dann gehen bei den Briten und den Schweizern die Lichter auch aus.

    Was sollen diese Sandkastenspiele zweier Länder, die aus eigenem Interesse dem Euro beitreten sollten?

    Haben die Schweizer und die Briten schon überlegt, was ihnen der Beitritt bei entsprechenden Verhandlungen bringen könnte?

    Warum sollte der Euro untergehen? Wir haben im Vergleich zu den USA einen historisch bedeutenden Gestaltungsspielraum für den Euro. Die USA haben diesen politischen Gestaltungsspielraum nicht.

  • @ Euyonimus: "Aktueller Stand im "Planspiel":
    Nach Informationen von Reuters aus Finanzkreisen will Griechenland direkt mit seinen privaten Gläubigern verhandeln. Es werden offenbar Erleichterungen von bis zu 75% angestrebt.
    Bislang sind die Banken nur bereit, einen Schuldenschnitt von etwas mehr als 50% zu akzeptieren.
    Marktteilnehmer rechnen mit einer recht hohen Annahmequote, da es nicht viele Alternativen gebe."

    Endlich kommt Bewegung in die verkorkste Situation: Endlich verhandeln die beiden allein Verantwortlichen, die Kreditgeber und die Kreditnehmer in Athen über die Lösung ihres Problems, ohne die Regierungen und Steuerzahler anderer Ländern hineinzuziehen.

    In Fachkreisen nennt man das einen BRADY-PLAN. Einen solchen hat übrigens bereits im Jan. 2011 der IWF in Athen dem Papandreou vorgeschlagen, der den Plan unter dem Titel "Reprofiling" akzeptiert hat. Aber dann kam es hinter den Kulissen zum Komplott aller Griech-Gläubiger gegen diesen Plan, sowohl privater (Ackermann, Sarkozy, Blankfein) als auch staatlicher (Schäuble) Gläubiger.
    Die wollten lieber wieder die Volkswirtschaften mit ihren Bürgern bezahlen lassen, mit dem "Euro-Rettungsschirm-Trick".

    Rein zufällig war im Januar der damalige IWF-Chef Strauss-Kahn persönlich in Athen, der sich kurz danach rein zufällig "selbst aus dem Verkehr gezogen hat".

    Sein Rivale Nicolas Sarkozy hat in doppelter Hinsicht davon profitiert:
    (1) Als Emporkömmling der Französischen Großbanken, die sich leichtfertig in Griechenland engagiert haben, weil ja der Steuerzahler das Verlustrisiko trägt, nach allgemein herrschender Meinung in den einschlägigen Banker/Finanzminister-Kreisen.
    (2) Als Rivale bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen.

  • "Das sind alles nur böse Verschwörungstheorien. Wir haben nach wie vor eine Demokratie und unsere Regierung vertritt die Interessen des ganzen deutsche Volkes und wendet durch die alternativelose Eurorettung Schaden von Deutschland ab."

    Es beschäftigen sich leider viel zu wenige Menschen mit diesen Themen. Deshalb funktioniert das ganze ja so reibúngslos.

  • Verantwortung bitte - Weg mit der Euro-Bond-Pest - und mit Barroso
    ________________________________________
    1. Das ganze Desaster ist nicht vom Himmel gefallen oder durch einen zwangsläufigen Automatismus entstanden, sondern ist haus- sprich politik-gemacht. Deshalb: Benennung der Verantwortlichen für dieses Desaster (Namen bitte), die sich endlich mal hierfür zu verantworten haben.
    2. Warum wird zwanghaft an der Euro-Zone in ihrer derzeitigen Konstellation festgehalten, wohl wissend dass sie so nie funktionieren wird, dass aus der Stabilitätsgemeinschaft eine Transfergemeinschaft entsteht, was den ursprünglichen Absichten eklatant entgegensteht. Warum wird der Lissabon-Vertrag, bzw. die No-Bail-Out-Klausel, missachtet?. Die Politik handelt hier vertragswidrig gegen den eindeutigen Willen ihrer Bürger. Warum werden die Vorteile der Euro-Gemeinschaft in ihrer jetzigen Form angepriesen und als alternativlos hingestellt werden; uns ging es davor keineswegs schlechter und der Schweiz geht es – ohne Euro – auch weiterhin sehr gut. Deutschland hat nie vom Euro profitiert! Vielmehr sind die Exporte seit der Einführung der Gemeinschaftswährung von 44 auf 40 Prozent gesunken. Außerdem müssen wir heute ein Rettungspaket nach dem anderen auflegen, um den Erhalt der maroden Eurozone zu sichern.
    3. Eine Regeneration der Volkswirtschaften Griechenlands u.a. in derzeitigen Euro-Strukturen wird nie gelingen. Ein Austritt Griechenlands wäre durch die konsequente Anwendung der No-Bail-Out-Klausel des Lissabon-Vertrages zwanglos machbar: Raus aus der Euro-Zone, sonst gibt´s keinen Cent mehr. Die Pleite-Staaten werden sonst Dauer-Tropf-Patienten bleiben was dazu führen wird, dass die noch einigermaßen stabilen Staaten auch ausbluten und ruiniert werden.
    4. Schluss mit der Euro-Bond-Pest und Entfernung von Barroso aus seinem Amt, falls er die Forderung nach Eurobonds noch einmal auf den Tisch bringt.

    Dies würde zur Beruhigung der Finanzmärkte führen.

  • Man möge sich mal mit den Bilderbergern befassen, dann ist es nicht mehr schwer, das ganze zu begreifen.

  • Die Grammatik stimmt wohl schon, nur er aht das Problem wahrscheinlich wie ich. Er tippt zu schnell nd die Tastatur kommt nicht mit.
    Aber sein Beitrag bringt es auf den Punkt

  • Nein, es ist kein Fake. Immer öfter wird das auch im TV von eingien gesagt.
    Also sit da längst was im Busch.

  • Also der letzte Satz des Artikels stimmt mich hoffnungsfroh. Sollte man Gold verkaufen und evtl. in Bankaktien umschichten? Was meinen die "Experten"?

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