BaFin-Betrugsaffäre Banker halten an Sanio fest

In der Betrugsaffäre bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhält deren Präsident Jochen Sanio Unterstützung von prominenten Bankern.

FRANKFURT/SINGAPUR. „Die deutsche Kreditwirtschaft hat in Herrn Sanio stets einen sachkundigen und konsequenten Kontrolleur“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gegenüber dem Handelsblatt. „Wir gehen von einem Verbleib im Amt aus.“

Auch Axel Weber, Präsident der Bundesbank, wies auf die Verdienste hin, die sich Sanio um die deutsche Finanzaufsicht gemacht hat. „Er zählt zu den international sehr geschätzten und erfahrenen Aufsehern“, äußerte sich Weber gegenüber dem Handelsblatt. Er hofft, dass Deutschlands Oberaufseher überzeugende Antworten weiß, damit ähnliche Betrugsfälle nicht mehr auftreten können.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sich Mitarbeiter der Behörde über Jahre hinweg durch fingierte Rechnungen einen Millionenbetrag erschlichen haben. Seitdem steht Behördenpräsident Jochen Sanio wegen mangelnder Kontrolle seines Hauses in der Kritik.

„Ein Rücktritt von Jochen Sanio als Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wäre ein großer Verlust für den Finanzplatz Deutschland“, sagte Wolfgang Sprißler, Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank (HVB) gegenüber dem Handelsblatt. „Ich schätze ihn sehr“, betonte er. Sanio sei ein Aufseher mit festem Standpunkt und großem Durchsetzungsvermögen, der sowohl national als auch international eine sehr hohe Reputation genieße.

Ein anderer hochrangiger Banker sieht aber auch, dass sich Sanio etwa mit verstärkten Sonderprüfungen des Kreditgewerbes insbesondere bei den bayerischen Genossenschaftsbanken und Sparkassen „keine Freunde gemacht hat“, was auch zu politischem Unmut geführt habe. Die pauschale Kritik an Sanio und der Bafin, die Sonderprüfungen seien zu aufwändig und kostenintensiv, hält Sprißler für überzogen.

Am Rande der IWF-Tagung ließen sich auch frühere internationale Aufseher und Regulierer mit dem Wunsch vernehmen, dass der deutsche BaFin-Chef weiter im Amt bleiben soll. „Den Beitrag, den Jochen Sanio in den letzten Jahren beim Aufbau moderner Finanzaufsichtsstrukturen in Deutschland und Europa sowie beim Aushandeln der neuen Eigenkapitalregeln im Rahmen von Basel II geleistet hat, kann nicht hoch genug bewertet werden“, erklärte etwa William McDonough, der als Präsident der New Yorker Federal Reserve und als Vorsitzender des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht über weite Strecken als Sanios Gegenspieler agierte.

Unterdessen hat die BaFin am Freitag Vorwürfe des Personalrats zurückgewiesen, Behördenchef Jochen Sanio habe dem Gremium den „Krieg erklärt“. Dies hatte der Personalrat in einem Schreiben an die 1 500 Mitarbeiter der BaFin behauptet. Ein Sprecher der BaFin sagte, Sanio habe niemanden den Krieg erklärt. Vielmehr habe es Sanio umgekehrt als „Kriegserklärung“ empfunden, dass der Personalrat eine bestimmte Form der Organisationsanalyse ablehnte, nachdem diese Methode für einen Teilbereich der Behörde zu dem Ergebnis geführt hatte, dass neun Zeitarbeitsstellen überflüssig seien.

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