Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bafin-Neujahrsempfang Brexit lockt mehr Finanzinstitute nach Frankfurt als erwartet

Der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, sieht in den Ansiedlungen in Frankfurt einen Vertrauensbeweis in seine Behörde.
Kommentieren
Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) äußert sich auf dem Neujahrsempfang der obersten Aufsichtsbehörde über Banken, Finanzdienstleister, Versicherer und Wertpapierhandel. Quelle: dpa
Felix Hufeld

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) äußert sich auf dem Neujahrsempfang der obersten Aufsichtsbehörde über Banken, Finanzdienstleister, Versicherer und Wertpapierhandel.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer drohende Brexit zwingt viele internationale Banken zu einer Ansiedlung in einem anderen EU-Mitgliedsstaat. Seit dem ersten Brexit-Votum ringen Finanzstandorte wie Frankfurt, Paris oder Dublin um die Gunst dieser Banken. „Mehr als 45 Finanzinstitute sind dabei, ihre Präsenz in Deutschland neu zu etablieren oder signifikant zu stärken“, sagte Felix Hufeld, der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, am Dienstag auf dem Neujahrsempfang der Behörde in Frankfurt. „Das darf, bei aller Bescheidenheit, auch als Vertrauensbeweis in die Arbeit der BaFin verstanden werden.“

45 Ansiedlungen sind in der Tat eine sportliche Anzahl. Erst im vergangenen Herbst hatte die Helaba eine Studie veröffentlicht, derzufolge sich 25 Institute wegen des Brexits entschieden hätten, ihr Geschäft in Frankfurt auf- oder auszubauen. Es gebe keinen anderen Standort in Kontinentaleuropa, für den sich so viele Banken entschieden hätten, sagte Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud damals.

Ansiedlungserfolge für Frankfurt sind keine Selbstverständlichkeit. Das Rennen um den künftigen Sitz der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA hatte schließlich Frankreichs Hauptstadt Paris gemacht. Doch Finanzinstitute scheinen bislang eher ein Faible für Frankfurt zu entwickeln. Und das, obwohl die deutschen Finanzaufseher laut Hufeld immer wieder betont haben, „dass wir darauf bestehen werden, dass geltende Standards nicht verwässert oder gar ignoriert werden“.

Für die Branche ist aber eine andere Frage noch wichtiger: Welche Übergangsregeln werden in wichtigen Feldern gelten, wenn Großbritannien die EU Ende März ohne Austrittsabkommen verlässt? Vor allem das Clearing, also die Abwicklung und Verrechnung von Transaktionen, sowie die sogenannte Vertragskontinuität sind für die Branche relevant. Bislang läuft ein Großteil des Clearing über Abwicklungsspezialisten in London. Die Verträge sind häufig auf Basis britischen Rechts abgeschlossen. Beides wäre nach einem Austritt Großbritanniens ohne Abkommen nicht mehr EU-konform.

Mit Blick auf das Clearing hat die EU-Kommission aber kurz vor Weihnachten aber einen Beschluss erlassen, der dafür sorgt, dass die Clearinghäuser für ein Jahr begrenzt in der EU aktiv bleiben können. Auch für Verträge soll es eine Lösung geben. „Mit Blick auf die Vertragskontinuität entwickeln wir auf nationaler Ebene eine Fallback-Lösung“, so Hufeld. Sie erlaube es der Bafin im Falle eines harten Brexits „zeitlich bis Ende 2020 begrenzt“ Zulassungen in dem Umfang zu erteilen, der für funktionsfähige Finanzmärkte notwendig sei.

Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung warb Hufeld für Leitplanken für die sogenannten „Bigtechs“. Es soll also mehr Regeln für Internetriesen wie Google oder Amazon geben, die zunehmend ins Finanzgeschäft drängen. Von einer vollständigen Regulierung der Internetriesen hält Hufeld zwar nichts. „Naheliegender ist für mich, spezifische Verhaltensweisen solcher Unternehmen und deren Auswirkungen auf das Marktgeschehen in den Blick zu nehmen“, sagte er. Als Beispiel nannte er den Umgang seiner Behörde mit Industrieunternehmen in der Wertpapieraufsicht.

Zwar kontrolliert die Bafin diese Unternehmen nicht direkt. Doch wenn die Unternehmen den Kapitalmarkt anzapfen, müssen auch sie dort geltende Vorschriften einhalten. „Vergleichbare Verhaltensvorgaben könnten probate Instrumente sein, um - im Zusammenspiel mit Wettbewerbshütern und Datenschützern - in der neuen, digitalen Welt die Integrität der Finanzmärkte auch mit Blick auf die Bigtechs zu sichern“, sagte Hufeld.

Startseite

Mehr zu: Bafin-Neujahrsempfang - Brexit lockt mehr Finanzinstitute nach Frankfurt als erwartet

0 Kommentare zu "Bafin-Neujahrsempfang: Brexit lockt mehr Finanzinstitute nach Frankfurt als erwartet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote