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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Wie die BIZ Internetkonzerne auf dem Finanzmarkt zähmen will

Große Internetkonzerne wie Amazon und Google drängen in den Finanzmarkt. Die BIZ fordert Regulierung, präsentiert aber selbst keinen Zuständigen.
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Die BIZ dient nicht nur als Zentralbank für Notenbanken wie die Bundesbank oder die amerikanische Fed, sondern auch als Koordinationsgremium. Quelle: picture alliance / Rolf Haid
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Die BIZ dient nicht nur als Zentralbank für Notenbanken wie die Bundesbank oder die amerikanische Fed, sondern auch als Koordinationsgremium.

(Foto: picture alliance / Rolf Haid)

ZürichWenn es nach Mark Zuckerberg geht, kann man per Facebook bald auch bezahlen: Vergangene Woche wurden Facebooks Pläne für eine Internetwährung namens Libra publik. Der Vorstoß zeigt, wie Tech-Konzerne auf den Bankenmarkt drängen.

Damit rufen die Technologiefirmen auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf den Plan. In ihrem Jahresbericht widmen sich die Experten der Bank der Attacke der Internetkonzerne auf die Welt der Geldhäuser.

Ihr Fazit: Dass Amazon, Google und Co. den Instituten neue Konkurrenz machen könnten, könnte für Kunden positiv sein. Es schaffe aber auch neue Risiken. Die Riesen müssten gezähmt werden, so die BIZ. „Die Reaktion auf den Vorstoß von ‚Big Techs‘ in die Finanzdienstleistungsbranche sollte darin bestehen, die Vorteile zu nutzen und die Risiken zu begrenzen“, sagt Hyun Song Shin, volkswirtschaftlicher Berater und Leiter Wirtschaftsforschung bei der BIZ. Er fordert einen „umfassenderen Ansatz, der Finanzregulierung, Wettbewerbspolitik und Datenschutzbestimmungen einbezieht“.

Die BIZ dient nicht nur als Zentralbank für Notenbanken wie die Bundesbank oder die amerikanische Fed, sondern auch als Koordinationsgremium. Die Baseler verfolgten auch Facebooks Pläne für eine Internetwährung namens Libra aufmerksam. Am Dienstag hatten die Libra-Macher in einem sogenannten Whitepaper ihre Vision einer globalen Internetwährung vorgestellt, die durch echte Währungsreserven unterlegt werden soll. Der Widerstand von Politikern und Notenbankern ließ nicht lange auf sich warten.

Die BIZ übt sich dabei in Zurückhaltung. Libra werfe eine Reihe von Fragen auf, sagt BIZ-Experte Shin. „Wir müssen aber erst mehr davon sehen, bevor wir uns eine Meinung bilden können.“ So sei etwa noch nicht klar, wie die geplante Währung von Aufsehern behandelt werden soll.

Offenbar haben die Libra-Macher vor dem öffentlichen Startschuss für ihr Projekt auch bei der BIZ vorgefühlt. BIZ-Ökonom Shin berichtete von ersten Gesprächen, wollte auf Nachfrage aber keine weiteren Details dazu verraten. Es habe sich um einen „Höflichkeitsbesuch“ gehandelt. „Wie viele andere Zentralbanken haben auch wir einige Leute getroffen, aber wir haben keine privilegierten Informationen, die über den Inhalt des Whitepapers hinausgehen.“

Firmen besitzen zahlreiche Kundendaten, die Banken fehlen

Dass große Technologieunternehmen wie Alibaba, Amazon, Facebook, Google oder Tencent in die Finanzwelt drängen, sehen die BIZ-Ökonomen aber grundsätzlich positiv. Ihr Einstieg könne zu mehr Effizienz in der Finanzbranche führen und Finanzdienstleistungen leichter zugänglich machen.

Die Tech-Firmen machen der Finanzwirtschaft gleich auf mehreren Ebenen neue Konkurrenz: Zuerst hätten sie vor allem Zahlungslösungen angeboten, um den Mangel an Vertrauen zwischen Käufern und Verkäufern auf ihren Plattformen zu überbrücken. Dabei unterscheiden die BIZ-Ökonomen zwei Systeme: Lösungen wie Apple Pay oder Google Pay, die auf bestehenden Kreditkarten- oder Zahlungssystemen aufbauen, und Angebote mit einer eigenen Infrastruktur wie etwa das chinesische Alipay. Noch hängen die großen Tech-Firmen aber stark von den Banken ab, so die BIZ.

Doch die Internetkonzerne nutzen ihre Kundenbasis auch zunehmend, um selbst Finanzprodukte und Versicherungsdienstleistungen zu verkaufen. Im Wettbewerb mit den Banken haben Amazon und Co. aus Sicht der BIZ-Ökonomen einen Trumpf in der Hand: Die Firmen verfügen über eine Fülle an Kundendaten, die den Banken fehlen. So könnten Tech-Konzerne etwa die sozialen Netzwerke ihrer Kunden nutzen, um deren Kreditwürdigkeit besser zu bewerten.

Doch dürfte Facebook tatsächlich die Freundschaftsliste eines Nutzers auswerten, um über dessen Kreditanfrage zu bestimmen? Gerade der Zugang zu den bestehenden Kundendaten wirft aus Sicht der BIZ komplizierte Fragen auf – und diese reichten über finanzielle Risiken hinaus. Finanzstabilität, Wettbewerbsrecht und Datenschutz müssten gegeneinander abgewogen werden. „Es braucht mehr Koordination bei diesen Themen“, sagt Shin. Wer diese Aufgabe übernehmen könnte, ließ der BIZ-Ökonom offen.

Wen sollte Mark Zuckerberg also anrufen, wenn er eine Internetwährung plant? Es scheint, als wären für sein neuestes Projekt alle Aufseher ein bisschen zuständig – aber niemand so richtig.

Mehr: Verbraucherschützer haben in neun EU-Ländern Beschwerde gegen Google eingereicht. Sie werfen dem Konzern vor, Nutzerdaten an Werbefirmen zu verkaufen.

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