Bank Hypo Alpe Adria Beckstein steht zu politischer Verantwortung für HGAA-Debakel

Prominenter Zeuge im BayernLB-Prozess: Fast drei Stunden lang ist der ehemalige bayerische Ministerpräsident Beckstein vernommen worden. Zum verhängnisvollen Kauf der Hypo Alpe Adria hatte er einiges zu sagen.
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Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) im Sitzungssaal während des Strafprozesses gegen frühere Vorstände der Bayerischen Landesbank (BayernLB) im Landgericht I in München (Bayern). Beckstein war als Zeuge geladen. In dem Prozess geht es um das Milliarden-Debakel in Zusammenhang mit dem Kauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die BayernLB. Quelle: dpa

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) im Sitzungssaal während des Strafprozesses gegen frühere Vorstände der Bayerischen Landesbank (BayernLB) im Landgericht I in München (Bayern). Beckstein war als Zeuge geladen. In dem Prozess geht es um das Milliarden-Debakel in Zusammenhang mit dem Kauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die BayernLB.

(Foto: dpa)

MünchenDer ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat im Prozess gegen Ex-Vorstände der BayernLB sein Bedauern über das Milliardendebakel mit der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HGAA) geäußert. „Ich stehe dazu, dass ich eine politische Verantwortung habe“, sagte der 70-Jährige am Dienstag als Zeuge vor dem Landgericht München. Er habe sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt und dabei auch seine persönliche Rolle hinterfragt. Beim Kauf der Bank 2007 war Beckstein bayerischer Innenminister und Mitglied des Verwaltungsrats der Landesbank, der den verhängnisvollen Erwerb der HGAA für rund 1,6 Milliarden Euro abgesegnet hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb auch gegen die Mitglieder des CSU-dominierten Verwaltungsrats Ermittlungen geprüft, diese aber im Gegensatz zu den ehemaligen Vorständen nicht angeklagt. Dies sorgte sowohl bei der Opposition in Bayern als auch bei den Richtern für Verwunderung. Aus Sicht der Ankläger wurden die Kontrolleure aber von den Vorständen über die Risiken bei der Hypo Alpe Adria getäuscht. Sie hätten sich deshalb nicht strafbar gemacht.

Beckstein aber hatte damals nach eigener Aussage keinerlei Zweifel an der Arbeit der Vorstände. „Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, dass mich der Vorstand täuscht, hätten wir nicht über die Hypo Alpe Adria gesprochen, sondern über die Ablösung der Vorstände.“ Er wäre nicht im Schlaf darauf gekommen, von den Vorständen getäuscht worden zu sein, betonte er im Anschluss an seine knapp dreistündige Vernehmung nochmals vor dem Gerichtssaal.

Das regionale Geschäftsfeld der Hypo Alpe Adria mit dem Schwerpunkt auf Osteuropa sei ihm schon damals suspekt gewesen, sagte Beckstein. „Ich habe ja gewisse Vorbehalte gegenüber dem Balkan.“ Als Innenminister habe er sich mit Kriminalität in der Region ausgekannt und Zweifel gehabt, ob eine Bank dort kontrollierbar sei. „Kärnten liegt sehr nahe am Balkan“, sagte er. Deshalb sei es für die BayernLB auch unerlässlich gewesen, die Mehrheit an der Hypo Alpe Adria zu erwerben, um sie nach der Übernahme mit „bayerischer Präzision“ zu führen.

Was auch diesen Plänen wurde, ist inzwischen bekannt: Schon ein Jahr nach der Übernahme trieb die HGAA die BayernLB fast in den Ruin. „Selbst wenn man die Bank für einen Euro gekauft hätte, wäre es überteuert gewesen“, sagte Beckstein. Dies sei aber erst im Nachhinein klar geworden. Bei der Ermächtigung für den Kauf sah Beckstein das noch anders. „Preis vertretbar. Zustimmung“, notierte er im April 2007 handschriftlich unter einer Präsentation, die im Gerichtssaal gezeigt wurde.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft haben die Vorstände die Risiken des Kaufs hingenommen, um die Bank nach dem Motto „Augen zu und durch“ um fast jeden Preis zu erwerben. Damit wollten sie laut Anklage nach dem Scheitern einer anderen Übernahme wieder als erfolgreiche Macher dastehen. Die Angeklagten hatten dies bestritten und betont, sie hätten damals große Chancen in dem Zukauf gesehen - auch wenn er sich inzwischen als Fehler herausgestellt habe.

  • dpa
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