Banken auf Kundenfang Vom Paketshop bis zum Restaurant – Wie Bankfilialen attraktiver werden wollen

Kreditinstitute locken mit neuen Services Kunden in die Filialen. Die Sparda-Bank Berlin setzt auf einen Paketshop, auch die Konkurrenz ist kreativ.
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In Hamburg kooperiert die Sparkasse mit kleinen Firmen. Sie können sich und ihr Angebot in den Filialen präsentieren. Quelle: Haspa
Ausstellungsfläche in einer Haspa-Filiale

In Hamburg kooperiert die Sparkasse mit kleinen Firmen. Sie können sich und ihr Angebot in den Filialen präsentieren.

(Foto: Haspa)

FrankfurtWer in den nächsten Tagen eine Filiale der Sparda-Bank Berlin betritt, sollte sich nicht wundern, wenn dort auch jemand ein Päckchen aufgeben möchte. Das genossenschaftliche Geldhaus wird zum Hermes-Paketshop.

In 13 Filialen der Sparda-Bank ist neuerdings auch der Paketdienst, der zum Handelskonzern Otto gehört, vertreten. Die Mitarbeiter der Bank nehmen Päckchen und Pakete entgegen, zugleich kann man Onlinebestellungen an die Filialen schicken lassen und dort abholen.

Für Martin Laubisch, Vertriebsvorstand der Berliner Sparda-Bank, ist es zunächst einmal ein „Experiment“. Dennoch peilt das Geldhaus an, in weiteren seiner insgesamt 65 Filialen Paketshops testweise zu integrieren. Es will so sogar gleich zwei Ziele erreichen: „Als Bank versuchen wir, neue Kunden zu erreichen und uns neue, vom Zinsmarkt unabhängige Ertragsquellen zu erschließen“, sagt Laubisch.

Das Geldhaus erhält für jede Sendung eine kleine Vergütung. Für Hermes wiederum ist die Kooperation ein kleiner Baustein im Vorhaben, die Zahl der Paketshops deutlich auszubauen.

Die Sparda-Bank Berlin begegnet mit dem Test zwei Herausforderungen, vor denen alle Geldhäuser mit Filialen stehen: Erstens kommen Kunden immer seltener in die Zweigstellen, sie erledigen ihre Bankgeschäften zusehends online. Zweitens drückt der Leitzins von null Prozent, der für die Euro-Zone gilt, auf die wichtigen Zinserträge. So sinken die Margen im Kreditgeschäft, und die Renditen bei sicheren Eigenanlagen der Geldhäuser sind minimal.

Gegensteuern können Kreditinstitute, indem sie Gebühren erhöhen. Die Sparda-Bank Berlin hatte im vergangenen Herbst als erste der zwölf Sparda-Banken einen Preis für das Girokonto eingeführt. Ein Einschnitt: Denn eigentlich sind die Konten der Häuser, die ursprünglich als Bank der Eisenbahnbeamten gegründet wurden, traditionell gratis. Oder die Banken bauen ihr Geschäft aus und vergeben mehr Kredite – oder sie verdienen durch neue Dienstleistungen wie eben Paketshops.

Viele Kunden besuchen die Bankfilialen nur sporadisch

Viele Geldhäuser versuchen zudem, ihre Kosten zu senken, auch durch Filialschließungen. Ohnehin besucht ein großer Teil der Kunden die Zweigstellen gar nicht mehr oder nur noch sporadisch. Ende 2017 gab es noch gut 30.000 Bankfilialen in Deutschland, rund sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Bundesbank ermittelte. Vor zehn Jahren lag die Zahl bei noch rund 47.000. „Der Rückgang der Zweigstellen ist nicht nur eine Konsequenz des Kostendrucks, sondern spiegelt auch den Trend zur Digitalisierung und vermehrten Nutzung von Onlinebanking“, konstatiert Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.

Die Entwicklung dürfte sich sogar noch beschleunigen. Beobachter rechnen damit, dass die Zahl der Filialen weiter drastisch abnimmt. Das Schrumpfen der Filialnetze ist ein Balanceakt, gerade für die regional verwurzelten Geldhäuser, die stets betonen, dass sie sich nicht aus der Fläche zurückziehen. Schließlich ist die Nähe zum Kunden ein essenzieller Teil der Daseinsberechtigung von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Filialschließungen sorgen für Unmut und mitunter für Proteste.

Deshalb wächst der Druck, bestehende Zweigstellen auch anders zu nutzen. Zumal die regionalen Geldhäuser fürchten müssen, gar nicht mehr als regionales Unternehmen wahrgenommen zu werden, wenn sie immer weniger Filialen haben und sich Onlinebanken annähern.

Die Hamburger Sparkasse (Haspa), nach der Berliner die größte Sparkasse, investiert daher Millionen und will Filialen zum „Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil“ machen. Die bisher gut 15 neuen Filialen haben Platz für Geschäfte oder Vereine aus der Nachbarschaft, die sich dort präsentieren können und etwa Konzerte oder Lesungen veranstalten.

Selbst getanzt wurde schon in einer Haspa-Filiale, es gab eine Salsa-Party – ebenso wie ein „Geflügelfutter-Seminar“, das eine Gartenbaufirma organisierte. Die Rückmeldungen der Kunden seien „ausgesprochen positiv“, sagt eine Haspa-Sprecherin.

Mehr als bloß ein Bankschalter

Die Volksbank Bielefeld-Gütersloh will ebenfalls, dass Filialen mehr sind als nur Bankschalter. Sie hat ihre Zentrale aufwendig modernisiert, auch dort können sich seit Kurzem in der neuen Lobby Unternehmen aus der Region präsentieren. Der eigentliche Kundenservice-Schalter der Bank tritt da fast in den Hintergrund. Zumal direkt angeschlossen ein Restaurant ist, das „Green Bowl“ mit hawaiianischer Küche.

Auch die Volksbank reagiert damit darauf, dass die Kunden ihre Bankgeschäfte nicht mehr unbedingt in der Filiale erledigen. „Deswegen wollen wir ihnen hier ein völlig neues Erlebnis bieten“, sagte Bankchef Thomas Sterthoff zur Eröffnung im Mai. Einen „Ort zum Verweilen“ für die Bielefelder solle die Lobby der Zentrale sein.

Mit Bank plus Restaurant kennt sich das Geldhaus schon lange aus: Seit sieben Jahren gibt es das „Bankery“ in Gütersloh. In dem Restaurant hat die Volksbank einen kleinen Servicetresen – wer ins „Bankery“ zum Essen kommt, kann auch gleich eine Frage zum Konto loswerden oder dort seinen Bankberater treffen.

Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, kann den neuen Filialkonzepten etwas abgewinnen: „Der Gedanke ist grundsätzlich gut. Die Idee, näher an den Kunden heranzurücken und die Filiale relevanter zu machen, ergibt Sinn.“ Auch dass Banken ihre bestehenden Zweigstellen besser nutzen, sei hilfreich. „Aber die Kreditinstitute sollten noch weiter gehen und auch digital mehr Nähe zu Kunden aufbauen.“

Auch wenn es dafür noch keine Blaupause gibt: Es schadet den Banken sicherlich nicht, wenn die Filialen häufiger aufgesucht werden – und sei es mit einem Paket unter dem Arm.

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