Banken Bankenverband BdB vor dem Absturz

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) kämpft gegen den Bedeutungsverlust. Vor allem Deutschlands Bankengrößen fühlen sich immer schlechter von ihrer Branchenorganisation vertreten. Besserung ist nicht in Sicht – auch nicht mit dem für den 24. März geplanten Wechsel im Präsidentenamt.
  • Hans G. Nagl und Peter Köhler
Andreas Schmitz von HSBC Trinkaus & Burkhardt wird neuer Präsident des Bankenverbands. Für manchen Banker eine zumindest fragwürdige Personalie. Foto: Archiv

Andreas Schmitz von HSBC Trinkaus & Burkhardt wird neuer Präsident des Bankenverbands. Für manchen Banker eine zumindest fragwürdige Personalie. Foto: Archiv

FRANKFURT. In den Bürotürmen des Frankfurter Finanzviertels wollte so mancher Banker vor Überraschung seinen Augen nicht trauen. „Bankenverband hält ’Bad Bank’-Modell nicht für sinnvoll“, flimmerte erst vor wenigen Tagen über den Ticker der Nachrichtenagentur dpa. Überraschend kam das, weil Top-Manager der Branche wie Commerzbank-Chefkontrolleur Klaus-Peter Müller, seines Zeichens Präsident des Verbandes, aber auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann über Wochen versuchten, die verantwortlichen Politiker von der Gründung eben jener „schlechten Bank“ zu überzeugen. Schlichtweg, um das eigene Überleben zu sichern. „Wenn die nämlich nicht kommt, wird die Totrechnerei nie aufhören“, meint ein Frankfurter Banker mit Blick auf die Preis-Abwärtsspirale, die selbst in der Substanz solide Wertpapiere erfasst hat.

Eigentlich wollte der Verband die Öffentlichkeit vor allem wissen lassen, dass die ohnehin in Verruf geratene Branche nun nicht auch noch beabsichtigt, ihren Giftmüll ausschließlich auf den breiten Steuerschultern von Otto-Normalverbraucher abzuladen. Deshalb bleibt auch unklar, woran es lag, dass Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber so missverstanden werden konnte. Klar ist hingegen, dass sich gerade die Großbanken immer schlechter von ihrer Branchenorganisation vertreten fühlen. Und der Bundesverband deutscher Banken (BdB) gerät angesichts massiver Verstaatlichungstendenzen bei seinen Mitgliedern mehr und mehr in die Sinnkrise.

„Der Verband ist praktisch nicht existent“, heißt es in Frankfurt unisono. „Umlagenritter ohne Sinn und Verstand“, ätzt ein anderer – zumal die Mitgliedschaft nicht gerade billig ist. Vor allem die großen Häuser – Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank – fragen sich mittlerweile, welche Funktion der BdB für sie noch übernehmen soll. Die ganzen Analyse-Arbeiten erledigen weitgehend interne Abteilungen und in der Frage des Lobbyings wollen sich Ackermann und Co nur ungern auf den Verband verlassen. Zumal es durchaus Themen gibt, bei denen jedes Haus mittlerweile sein eigenes Süppchen kocht.

Zugleich wird die Kluft zwischen den wenigen, verbliebenen Großbanken – gerade wurde ja die Dresdner geschluckt – und den kleinen Mitgliedern immer größer. Es liegt auf der Hand, dass eine Fürstlich Castell’sche Bank andere Sorgen hat als der Branchenprimus Deutsche Bank. Verbindend, so die Einschätzung manchen Bankers, ist lediglich noch die Zugehörigkeit zum Einlagensicherungsfonds – der wegen der Krise mittlerweile klamm ist. Der Fonds ist dem BdB angegliedert.

Beim Verband will man sich zu solch defätistischen Einschätzungen lieber nicht äußern. Wer dem Verband noch treu die Lanze hält, weist zu Recht darauf hin, dass der mit Top-Bankern besetzte BdB-Vorstand zuletzt oft im Abstand von Tagen konferiert hat. Die nun zum Teil nölenden Institute waren dabei mit eingebunden. Analysen sollen zudem zeigen, dass sich die öffentliche Wahrnehmung des BdB deutlich verbessert hat. Die Mitglieder überzeugt das nicht. „Das ist und bleibt eine reine Pflichtveranstaltung“, heißt es bei einer Großbank.

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