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Banken Commerzbank kassiert Renditeziel – hält die Strategie aber für richtig

Verglichen mit der Deutschen Bank steht die Commerzbank gut da. Doch der Gewinnsprung kaschiert einige gravierende Schwächen des Instituts.
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Viele wesentliche Ziele, die Commerzbank-Vorstandschef Zielke für 2020 ausgegeben hat, wird das Geldhaus aller Voraussicht nach verfehlen. Quelle: picture alliance/dpa
Commerzbank-Turm in Frankfurt

Viele wesentliche Ziele, die Commerzbank-Vorstandschef Zielke für 2020 ausgegeben hat, wird das Geldhaus aller Voraussicht nach verfehlen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Frankfurt Wer einen ungeschönten Blick auf die Lage der Commerzbank bekommen wollte, musste am Donnerstag den Blogeintrag von Vorstandschef Martin Zielke im Intranet der Bank lesen: Dort verkündete der Topmanager seiner Mannschaft, dass die Boni für das vergangene Jahr geringer ausfallen werden als noch 2017. „Das liegt schlicht daran, dass wir unsere Kapitalkosten nicht verdienen konnten und auch unsere Ertragsziele herunternehmen mussten“, schrieb Zielke.

Die variable Vergütung für das Geschäftsjahr 2018 bezifferte die Bank am Donnerstag auf 134 Millionen Euro, 100 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Auf der Bilanzpressekonferenz versuchte Zielke dagegen, ein ganz anderes Bild der zweitgrößten deutschen Privatbank zu zeichnen. „Unsere Strategie ist richtig und sie funktioniert“, betonte der 56-Jährige. Das Institut gewinne Kunden, steigere seine Erträge und habe die Risiken deutlich zurückgefahren. „Die Richtung stimmt.“

Zielke hatte bei der Verkündung seiner Strategie „Commerzbank 4.0“ im Herbst 2016 bekräftigt, das Geldhaus bis 2020 einfacher, effizienter und profitabler zu machen. Und er machte dabei 2018 durchaus Fortschritte. Die Zahl der Kunden im Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden ist deutlich gestiegen. Und der Konzernüberschuss kletterte auf 865 Millionen Euro nach 128 Millionen Euro im Jahr zuvor, indem allerdings auch hohe Restrukturierungskosten angefallen waren.

Doch viele wesentliche Ziele, die Zielke für 2020 ausgegeben hat, wird das Geldhaus aller Voraussicht nach verfehlen. Nach der Ertragsprognose, die das Institut bereits im November gestutzt hatte, kassierte die Bank am Donnerstag auch noch zwei weitere Ziele. Die angepeilte Eigenkapitalrendite von über sechs Prozent wird der Konzern 2020 genauso verfehlen wie das angestrebte Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio), das auf unter 66 Prozent fallen sollte.

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Bei der Eigenkapitalrendite stellte Finanzchef Stephan Engels nun einen Wert zwischen fünf und sechs Prozent in Aussicht. Bei der Cost-Income-Ratio nannte er vorsichtshalber kein neues Ziel.

Klage über Rahmenbedingungen

Zielke machte für die verfehlten Ziele vor allem die Rahmenbedingungen verantwortlich. „Das Umfeld mit Negativzinsen und Preisdruck setzt der Profitabilität von Banken in Deutschland enge Grenzen.“ In der Bundesrepublik seien deshalb keine international wettbewerbsfähigen Renditen zu erzielen. „Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Spekulationen verständlich“, sagte Zielke.

Der Commerzbank-Chef spielte damit auf die Diskussion über eine Fusion mit der Deutschen Bank an. Darüber hinaus wollte er über das Thema aber trotz mehrmaliger Nachfrage nicht sprechen. „Es macht überhaupt keinen Sinn, hier in so einem Rahmen Spekulationen über solche Themen zu machen.“

Hinter den Kulissen hat Zielke nach Handelsblatt-Informationen jedoch deutlich gemacht, dass er offen wäre für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank. Er glaubt, dass eine solche Fusion für die Bundesrepublik industriepolitisch vorteilhaft sein kann.

Und er hat intern mehrfach darauf hingewiesen, dass das Umtauschverhältnis für die Commerzbank-Aktionäre derzeit so attraktiv wäre wie lange nicht. Sie würden basierend auf den Marktwerten beider Institute aktuell rund ein Drittel an der fusionierten Bank halten.

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Ist eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank also eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit? Oder könnte die Commerzbank mit ihrer Strategie auch allein bestehen? Das kommt darauf an, auf welche der beiden Sparten des Instituts man blickt.

Die Commerzbank besteht derzeit aus zwei unterschiedlichen Welten. In der einen Welt erwirtschaftet das Privatkundengeschäft, vor einigen Jahren noch ein Sorgenkind, mittlerweile ordentliche Renditen. Zwar fiel der Gewinn im abgelaufenen Jahr mit 735 Millionen Euro vor Steuern um fast 15 Prozent niedriger aus als im Vorjahr.

Allerdings lag die operative Eigenkapitalrendite damit noch immer bei 15 Prozent – und war damit etwa dreimal so hoch wie die entsprechende Rendite der Privatkundensparte der Deutschen Bank. Rechnet man die Einmalgewinne heraus, die das Ergebnis im Jahr 2017 aufgebläht hatten, dann sind die Bruttoerträge der Privatkundensparte bei der Commerzbank sogar um fünf Prozent gestiegen.

Davon kann die Firmenkundensparte nur träumen. Sie gewinnt zwar Kunden und dehnte ihr Kreditgeschäft aus. Doch die Erträge und die Gewinne sind gesunken. Mit einem Vorsteuergewinn von 614 Millionen Euro fiel das Ergebnis des einstigen Wachstumsträgers niedriger aus als das der Privatkundensparte.

Dabei hatte die Commerzbank sogar noch Glück: Die Risikokosten waren 2018 ungewöhnlich niedrig. In diesem Jahr rechnet die Bank dagegen mit steigenden Werten.

Zielke verzichtet auf Seitenhiebe

Mit Aussagen über die Aussichten für die Firmenkundensparte tat sich das Institut schwer. Der Zinsüberschuss werde weiterhin steigen, prognostiziert Finanzchef Engels. Für den Provisionsüberschuss wagte er keine Prognose. Die Provisionserträge hängen davon ab, ob und wie sehr sich die Kunden für die Kapitalmarktprodukte des Instituts wie Wechselkurs-Absicherungen interessieren.

Ursprünglich hatte die Commerzbank ihr Mittelstandsgeschäft und ihr Investmentbanking verschmolzen, um Kunden mehr Kapitalmarktprodukte zu verkaufen. Bislang mit mäßigem Erfolg. Die Bank begründet das mit dem intensiven Wettbewerb sowie der verhaltenen Nachfrage ihrer Kunden nach Kapitalmarktlösungen.

Unter dem Strich reichte das Ergebnis für eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 3,4 Prozent aus. Das entspricht zwar nicht internationalen Ansprüchen, schlägt die kümmerlichen 0,4 Prozent Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank allerdings um Längen. Selbst die Dividende ist mit 20 Cent je Aktie fast doppelt so hoch wie die Ausschüttung der Deutschen Bank, die bei 11 Cent liegt – und das bei wesentlich bescheideneren Bonuszahlungen an die eigenen Mitarbeiter.

Während sich bei der Deutschen Bank die Frage stellt, ob und wie deutlich die Boni die Marke von zwei Milliarden Euro unterschreiten, liegen sie bei der Commerzbank bei gerade einmal 134 Millionen Euro. Die Commerzbank-Boni bleiben damit sogar unter der Ausschüttungssumme von etwa 250 Millionen Euro für die Aktionäre.

Vorstandschef Zielke ließ sich dennoch zu keinerlei Seitenhieben gegen den größeren Frankfurter Nachbarn hinreißen. Auf die Frage, ob er nicht stolz darauf sei, mit seinen Ergebnissen die Deutsche Bank übertroffen zu haben, sagte er mit Blick auf die eigene Strategie lediglich: „Ich bin stolz darauf, dass die wesentlichen Hebel funktionieren.“ „Alles andere“ sei für ihn im Moment „kein relevantes Thema“.

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