Banken Das Ende des schnellen Geldes

Wegen der Schuldenkrise in Europa schrumpfen weltweit die Gehälter der Investmentbanker. In einzelnen Konzernen dürften die Boni sogar bis zu 70 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr.
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Die Türme der Banken sind kopfüber in einer Glaskugel zu sehen. Quelle: dpa

Die Türme der Banken sind kopfüber in einer Glaskugel zu sehen.

(Foto: dpa)

Erst wenige Tage ist das neue Jahr alt, und doch steht fest: Es wird kein gutes werden für die erfolgsverwöhnten Investmentbanker. Nicht an der New Yorker Wall Street, auch nicht in den europäischen Bankenmetropolen London, Frankfurt oder Zürich. Tausende Arbeitsplätze werden gestrichen. Und die, die bleiben dürfen, bekommen deutlich weniger Geld. Bei der Deutschen Bank beispielsweise könnten die Boni für das abgelaufene Jahr um 50 Prozent sinken, sagte ein hochrangiger Manager dem Handelsblatt. Die Gesamtvergütung dürfte um die 30 bis 40 Prozent unter dem Wert des Vorjahres liegen. Noch seien die Diskussionen aber nicht abgeschlossen.

Auch in der Schweiz, in Zürich, wird gestrichen und gekürzt, wo es nur geht. Auch dort laufen derzeit die Verhandlungen, was die Boni für das abgelaufene Jahr betrifft. Aus Finanzkreisen hieß es gestern, dass die Gratifikationen bei der UBS, der größten Schweizer Bank, vermutlich um rund die Hälfte gekürzt werden. Die durchschnittliche Gesamtvergütung für 2011 läge damit im Schnitt rund 40 Prozent unter der des Jahres 2010. Noch deutlicher könnten die Abschläge in Einzelfällen bei der Credit Suisse ausfallen. Spekulationen zufolge würden die Boni dort um bis zu 70 Prozent sinken.

Es sieht so aus, als sei die Zeit des schnellen Geldes endgültig vorbei, sagte ein Frankfurter Banker. Die Schuldenkrise in Europa hat den Investmentprofis die Geschäfte vermiest. Die Kurse für Anleihen aus Südeuropa waren abgesackt und mit ihnen die Gewinne der Banken. Besonders schlecht lief es daher zuletzt in den Abteilungen Bondhandel. Aber auch sonst sieht die Welt der Investmentbanker derzeit trübe aus. Denn an den Aktienmärkten war zuletzt ebenso wenig zu holen. In Krisenzeiten gibt es nur wenige Börsengänge zu betreuen, kaum große Übernahmen einzufädeln.

Am Montag hatte bereits das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, dass die Boni bei den Wall-Street-Bankern deutlich sinken würden. Die Investment-Experten bei Morgan Stanley etwa bekämen rund 30 bis 40 Prozent weniger. Bei Goldman Sachs würden die Boni für Top-Investmentbanker sogar halbiert; im Bereich Anleihehandel seien sogar Abschläge von rund 60 Prozent möglich, hieß es. Aber auch die Gehälter der Angestellten in den unteren Ebenen dürften zuletzt deutlich gesunken sein, im Schnitt um rund elf Prozent auf 385000 Dollar. Der Abschlag könnte sogar noch größer ausfallen, sollte sich Goldman-Chef Lloyd Blankfein entschließen, im vierten Quartal weniger für Gehälter zurückzustellen als in den neun Monaten zuvor. Beim Finanzkonzern von der Wall Street wollte sich gestern niemand zu den Gehältern und Boni äußern.

"2011 wird wahrscheinlich das schlechteste Jahr im Hinblick auf das Einnahmewachstum für Banken seit 1938 sein. Bislang fühlt es sich für 2012 kaum besser an", sagte Mike Mayo, Starbankenanalyst bei CLSA. Die Branche sei einfach in den vergangenen Jahrzehnten zu schnell gewachsen. Nun müsse sie Größe und Ausgaben an die sinkenden Einnahmen anpassen.

Druck auf Banken wächst
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10 Kommentare zu "Banken: Das Ende des schnellen Geldes"

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  • Angenommen, Sie loben für die Stelle eines Kindergärtners ein Jahresalär von 20 Millionen Euro aus.
    Dann werden sie am Ende des Tages nicht etwa die tüchtigsten
    Pädagogen in diesem Beruf finden, sondern einen zusammengewürfelten Haufen von durchsetzungsfreudigen Ganoven...
    Nichts anderes gilt in der Ackermann-Branche

  • Angenommen, Sie loben für die Stelle eines Kindergärtners ein Jahresalär von 20 Millionen Euro aus.
    Dann werden sie am Ende des Tages nicht etwa die tüchtigsten
    Pädagogen in diesem Beruf finden, sondern einen zusammengewürfelten Haufen von durchsetzungsfreudigen Ganoven...
    Nichts anderes gilt in der Ackermann-Branche

  • Welche "Leistung" im volkswirtschaftlichen Sinne erbringt denn ein Investmentbanker? Richtig: Keine! Demzufolge steht das Einkommen nicht im Verhältnis zur "Leistung".

    Das mit dem Soli für Banker war sicher Ironie, also kein Grund mit Sprüchen wie "wenn man keine Ahnung hat..." um sich zu werfen.

    btt: die Boni sind im Verhältnis zum Festeinkommen zu sehen. Ist das Festeinkommen niedrig, dann ist der Bonus eine leistungsorientierte Vergütung - wenn auch hier ohne Leistung. In der freien Wirtschaft jedoch üblich. Ist das Festeinkommen hoch, dann sind Boni Bereicherung.

  • Kann mich nur meinem Vorredner AndiWand anschließen. Sobald ein Mensch mehr Leistung bringt und ein überdurchschnittliches Gehalt bekommt, kommen Neid und Missgunst immer wieder zum Tragen. Dann heißt es wieder, die Vermögenden sollen zahlen und auf Einkommen verzichten. Mich würde interessieren, ob diese Leute, die sowas fordern, im Falle dass Sie vermögend werden, auch freiwillig mehr zahlen würden ? Bestimmt nicht. Soli für Banker ist der größte Schwachsinn. Diese Leute hätten doch am liebsten, dass sich das Gehaltsgefüge am Hartz IV Satz orientiert. Aber es ist ja immer so, hauptsache seinen Senf dazu geben, obwohl man keine Ahnung hat. Weiter so, dann werden weiter hochqualifizierte Fachkräfte ins Ausland gehen. Ohne ein adäquates Anreizsystem wird Deutschland wieder auf das Niveau von vor 30 - 40 Jahren zurückgesetzt.

  • Höre ich in diesen Kommentaren etwaige Missgunst?
    Einige haben es immer noch nich kapiert, dass nur ein minimaler Anteil der Banker für die hohen Durchschnittseinkommen verantwortlich ist. Die Übrigen Handlanger gehen mit Gehältern nach Hause, welche normaler Industrie Average sind. Ingenieure bei Automobilbauern erhalten höhere Einstiegsgehälter. Nicht zu vergessen die hire and fire Mentalität im angelsächsichen Raum. Dort werden zwar hohe Boni gezahlt, jedoch kann es dort von heute auf morgen vorbei sein. Der Druck ist immens und der relativ unsichere Arbeitsplatz wird eben vergütet.
    Ich weiß nicht wieso es immer ein Geschrei und Diskussionen über die Gehälter der Banker gibt. Beschwert sich die breite Masse über die Gehälter der Bundesliga Profis?
    Es wird nunmal nach Leistung bezahlt...im Fussball wie auch im Investment Banking. Wer die Besten haben will, muss eben zahlen. Da geht es einem CEO einer Bank genauso wie dem Höneß bei Bayern!
    P.S. jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wer Leistung bringt, dem sind die Türen zu hohen Gehältern nicht verschlossen.

    Cheers

  • Lasst uns doch einen Soli für die Banker einführen!

  • http://www.reuters.com/article/2009/08/13/us-usa-corporate-pay-idUSTRE57C5AX20090813

    Es gab Banker die haben über 100 Mio erhalten. Es kommt einem so vor als würde die Roulette spielen und vom Gewinn die Hälfte abbekommen und die Verluste gehen zulasten der Anleger. Warum greift der Gesetzgeber nicht durch. Vielleicht ergibt sich da irgendwann ein netter Aufsichtsratposten oder mal als Berater, oder ein günstiger Kredit, oder ksotenloser Urlaub ..

  • Nein, da hat sich keine Null eingeschlichen! 385.000 das ist der Durchschnitt, also auch Pförtner, Fahrer etc. eingerechnet. Also ein normaler Banker hat sicher mindestens 50% mehr und liegt bei nahezu 600.000 p.a.

  • Die HARTZ IV Empfänger werden sicher für die armen Bänker sammeln!
    Klar doch, 380.000 p.a. reichen wirklich nicht zum Leben und sind ein wenig zuviel zum Sterben, in der Tat!
    Nun wird es für die Politiker immer uninteressanter nach solchen Jobs zu schielen!

  • An die Durchschnittsgehälter der unteren Ebenen hat sich von hinten eine Null angeschlichen. 385000 sind unglaublich viel!

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