Banken Das langsame Sterben der Filiale

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Die neue Wechselwilligkeit

Das stellt die Banken vor das Problem, wie sie ihre Kunden halten wollen, wenn der regelmäßige persönliche Kontakt fehlt. Denn die Studie von Emotion Banking und Handelsblatt zeigt auch: Die Kunden werden ihren Banken untreu. Viele Jahrzehnte hielt die Beziehung zur Hausbank länger als die durchschnittliche Ehe. Heute sehen mehr als die Hälfte keine Vorteile mehr durch eine langjährige Beziehung zu ihrer Bank. Inzwischen pflegen die Kunden im Schnitt 2,5 Bankbeziehungen, und immerhin knapp 13 Prozent sind erst seit weniger als drei Jahren bei ihrem Kreditinstitut.

Höheres Tempo beim Filialsterben
Die Gründe für die Schließung der Filialen
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In den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle.

(Quelle: KfW Research)

Die Zahlen
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Von 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen.

Alle Kreditinstitutstypen sind betroffen
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Dass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender.

Fast alle Regionen betroffen
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Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent.

Europäischer Durchschnitt
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Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut.

Immer weniger Standorte
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Setzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet.

Die neue Wechselwilligkeit kann zum Problem für die Geldhäuser werden. Im Durchschnitt sind die Befragten zwar recht zufrieden mit ihrer Bank, aber die Einzelergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus. Am besten schneiden bei den Kunden Genossenschafts- und Direktbanken ab. Ganz am Ende der Liste rangiert das größte heimische Geldhaus, die Deutsche Bank und seine Tochter Postbank.

Für die Studie hat Emotion Banking von Juni bis Juli 2017 knapp 28.000 Bankkunden aus 30 deutschen Städten via Internet befragt. Die Teilnehmer mussten 20 Fragen zu den Kategorien Service, Beratung, Digitalangebot, Vertrauen und Zufriedenheit beantworten. Daraus errechnete Emotion Banking einen Gesamtscore, der im Durchschnitt bei 67,8 Prozent liegt. Unabhängig vom Gesamtergebnis liefert darüber hinaus der sogenannte „Net Promoter Score“ (NPS) eine Kennzahl, die angibt, ob die jeweilige Bank von ihren Kunden weiterempfohlen wird oder nicht.

Der NPS kann Werte zwischen plus 100 und minus 100 erreichen. Je höher der NPS ausfällt, desto eher empfiehlt ein Kunde das Institut einem Bekannten weiter. Ein Wert unter null signalisiert, dass die Befragten ihren Bekannten davon abraten würden, mit der entsprechenden Bank Geschäfte zu machen.

Staedtesieger_10_2017

Auf Rang eins der Studie rangieren die genossenschaftlichen PSD Banken. Keine andere Institutsgruppe wird von ihren Kunden so oft weiterempfohlen. Bei keiner anderen Bankengruppe ist das Vertrauen der Kunden so groß. Dieter Jurgeit, Verbandspräsident der PSD Banken, glaubt auch zu wissen, warum das so ist: „Wir verbinden die Vorteile einer beratenden Direktbank mit denen einer genossenschaftlichen Bank.“

Den zweiten Platz belegen die ebenfalls genossenschaftlich organisierten Sparda Banken, und die klassischen Volks- und Raiffeisenbanken folgen auf Rang vier. Dazwischen haben sich die Direktbanken geschoben, die zusammen mit den PSD Banken in den Kategorien Service, Digitalangebot und Zufriedenheit die ersten Plätze belegen.

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9 Kommentare zu "Banken: Das langsame Sterben der Filiale"

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  • Herr Toni Ebert11.10.2017, 16:50 Uhr
    Eine Umfrage fürs Handelsblatt zeigt, dass immer mehr Kunden ohne FAZ, SZ, Bild; HB auskommen. Gleichzeitig lässt die Treue zu den Mainstram-Medien nach – ein Problem vor allem für das HB.
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    Wer braucht schon die Bild - ich jedenfalls habe dieses Blatt in meinem bisherigen Leben nicht gebraucht und werde es auch nicht gebrauchen.

    Eine Umfrage für das Handelsblatt ..... - wo gibt es die Veröffentlichung?

    Es gibt doch viele Leser, die das Handelsblatt nutzen - Sie doch auch Herr Ebert, wie Ihre täglichen Kommentare zeigen. Wie einige, Sie hätten doch sonst Entzugserscheinungen.

  • keine Überraschung schon 1999 hat Microsoft auf das Potential der Einsparung bei Banken weltweit hingewiesen - gleichzeitig Offerten der Zusammenarbeit angeboten. Nun 18 Jahre später beugt man sich den Kosten.

  • Eine Umfrage fürs Handelsblatt zeigt, dass immer mehr Kunden ohne FAZ, SZ, Bild; HB auskommen. Gleichzeitig lässt die Treue zu den Mainstram-Medien nach – ein Problem vor allem für das HB.

    hihi, schon interessant, wie das alles so zusammen passt.

  • sorry.....der Mensch hat dazu gelernt....hat sich geöffnet....

  • .......noch schnell.....ein paar Takte.....zu der Entwicklung....bei den Banken....und bei den anderen Neuerungen.....in der Wirtschaft....seit langer...langer Zeit

    ......soll nun geweint werden.....das die gute alte Schreibmaschine.....in der Praxis kein Thema mehr ist?.....sollen melancholische Gedanken......Sprache + Gesänge nun angekündigt und durchgeführt werden?.....
    .....doch sicher nicht....nicht wahr?

    .......ist es doch eher ein Zeichen.....von Fortschritt....Intelligenz + Kraft....dass diese Entwicklungen durchgeführt wurden und werden....der Mensch dazu lernt....sich öffnet....um Neues...Richtiges und auch Gutes....in seine Zentrale...oben reinzulassen.....um an den Fortschritten teilzunehmen.....
    .....also kein Gejammere......und die aufgerissenen alten Lücken......zu schließen....falls Personal gehen muß...
    .....ist auch hier der Mensch....klug genug....Wege und neue Unterkünfte.....zu finden....damit keiner auf der Straße landet......

  • Die Filiale wird definitiv aussterben und der blöde Kunde wird für Selbstbedienung auch noch selbst zahlen müssen.

  • Bei mir persönlich ist es anders: Nach einigen Erfahrungen mit den im Artikel genannten Banken, die z. T. belastend waren, sowie mit Internetbanken (die IngDiba möchte ich lobend erwähnen) . habe ich jetzt quasi "nach Hause gefunden". Ein Bankkontakt mit Wohlfühlcharakter: Die HypoVereinsbank Dresden: Sehr kompetent und sehr freundlich werde ich dort im persönlichen Gespräch, per Mail und telefonisch betreut. Phantastisch!

  • Meine letzten Erfahrungen mit Bankangestellten:
    1."Devisen haben wir direkt keine mehr vorrätig. Die müssen wir bestellen. Das dauert einige Tage."
    2. Obwohl explizit darauf hingewiesen, dass eine SEPA-Überweisung nicht möglich ist, da mein Geschäftspartner seine Bank zwar im UK, aber NICHT im SEPA-Raum (Kanalinseln) hat, machte der Bankangestellte eine SEPA-Überweisung, die natürlich nicht gebucht werden konnte.
    -> Der Service wird nach meinen eigenen Erfahrungen auch immer schlechter.
    Insbesondere für die ältere Generation, die nicht Computer- oder Smartphone-affin ist.

  • Sollen wir jetzt weinen?
    Die Deutsche Bank hat soviel in Strafen bezahlt in den letzten Jahren und ist noch lange nicht damit fertig. Keine Kundennähe, keinen Mut zum Risiko für newcomer, aber selber nichts als Probleme bereiten und sich dann noch königlich dafür zu Entlohnen. Es ist richtig wenn der Kunde sich das merkt.
    .
    Sparkasse muss sich wohl umstellen. Mangelnden Mut und Kundennähe gibt es leider auch hier. Die brauchen uns nicht ..... Schade.
    Dann eben weiter so.

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