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Banken Die Proteste in Hongkong werden für die HSBC zur Gratwanderung

Die Proteste in Hongkong bringen Europas größte Bank HSBC in eine Zwickmühle. Sucht es die Nähe zu Chinas Regierung – oder zu seinen Kunden?
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China fordert Loyalität von internationalen Konzernen in der Hongkong-Frage. Quelle: Bloomberg
Hongkong

China fordert Loyalität von internationalen Konzernen in der Hongkong-Frage.

(Foto: Bloomberg)

Peking, London Zeitungsleser in Hongkong konnten die großflächige Anzeige nicht übersehen. „Wir sind sehr besorgt über die jüngsten Ereignisse in Hongkong“, stand da in chinesischen Schriftzeichen. Man verurteile jegliche Gewalt aufs Schärfste und unterstütze eine friedliche Lösung. Die Aufrechterhaltung des Rechtsstaats sei entscheidend für Hongkongs Status als internationales Finanzzentrum.

Elf Wochen nach Beginn der Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone bezog die britische Großbank HSBC vergangenen Donnerstag erstmals Stellung. Europas größte Bank war 1865 in Hongkong gegründet worden und ist auch nach dem Umzug der Zentrale nach London im Jahr 1993 das dominierende Geldhaus vor Ort geblieben.

Die Anzeige illustriert das Dilemma, vor das die Massenproteste die HSBC stellen. Sie muss Sympathie für die demonstrierende Bevölkerung erkennen lassen, viele sind schließlich ihre Mitarbeiter und Kunden.

Zugleich will sie sich die chinesische Regierung nicht zum Feind machen. Darum erinnerte die Bank nun an die „tiefe und besondere Verbundenheit“ zur Bevölkerung Hongkongs. Zugleich betonte sie, dass man die wirtschaftliche Entwicklung Chinas weiter unterstützen wolle.

„Wie jedes Unternehmen in Hongkong sucht die HSBC einen Weg, weder die eigenen Kunden noch die Herrscher in Peking zu verprellen“, sagt Peter Hahn, Dekan des London Institute of Banking and Finance.

Die Reaktionen im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo auf die Anzeige waren überwiegend negativ. Viele Nutzer bewerteten die Stellungnahme als unehrlich und forderten, dass sich die Bank stärker auf die Seite Chinas schlagen sollte. Peking macht gezielt Stimmung gegen die Demonstranten, die gegen die Einschränkung ihrer Rechte protestieren.

Westliche Unternehmen knicken vor China ein

Auslöser der Proteste war ein geplantes Auslieferungsgesetz der Hongkonger Regierung. Die Demonstranten befürchten, dass Peking das Gesetz ausnutzen könnte, um Regimekritiker zu inhaftieren.

Staatliche Sender wie CCTV und staatliche Nachrichtenseiten wie „People’s Daily“ stellen die Demonstranten als Gewalttäter und Vandalen dar. Besonders auf die Hongkonger Fluglinie Cathay übt Peking starken Druck aus. Das Unternehmen hat laut dem Gewerkschaftsbund bislang 14 Mitarbeiter im Zusammenhang mit den Protesten entlassen.

Aber auch westliche Unternehmen knicken zunehmend vor Peking ein. So wiesen die Beratungsfirmen KPMG und PwC ihre Mitarbeiter an, nicht in sozialen Netzwerken im Namen des Unternehmens zu sprechen.

Für HSBC dürften die Proteste erhebliche Folgen haben. Finanzvorstand Ewen Stevenson sagte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August, dass eine weitere Eskalation die Gewinne in der zweiten Jahreshälfte beeinflussen könnte. Die Aktie hat diesen Monat zweistellig an Wert verloren.

Das hängt zwar auch mit dem überraschenden Rauswurf des Vorstandschefs John Flint zusammen, aber die instabile Lage in Hongkong zeigt die gefährliche Abhängigkeit der Bank. HSBC erwirtschaftet die Hälfte ihres Gewinns in Hongkong. Der Anteil steigt auf 64 Prozent, wenn man den Rest Chinas mit einrechnet. Der größte Anteilseigner ist der chinesische Versicherungskonzern Ping An mit einem Anteil von sieben Prozent.

Den Aktionären werde langsam bewusst, dass HSBC in Wahrheit eine chinesische Bank sei, sagt Finanzprofessor Hahn. Die Bank habe in den vergangenen Jahrzehnten davon profitiert, lukrative Geschäfte in asiatischen Schwellenländern zu machen, aber als risikoarme europäische Bank bewertet zu werden. „Europas größte Bank klingt gut“, sagt Hahn.

Aber in Zukunft würden Investoren genauer hinschauen – so wie bei der spanischen Bank Santander, die an den Märkten als lateinamerikanische Bank wahrgenommen und darum niedriger bewertet werde.

Die Bank kann es sich nicht leisten, in Peking in Ungnade zu fallen

HSBC war rechtzeitig nach London umgezogen, bevor Großbritannien die Kronkolonie 1997 an China zurückgab. Wegen der Dominanz des Asiengeschäfts hatte die Bankführung vor einigen Jahren überlegt, die Zentrale wieder nach Hongkong zurückzuverlegen, hatte sich dann aber dagegen entschieden. Die Proteste dürften dies nun noch unwahrscheinlicher machen.

Doch langfristig müsse das Management akzeptieren, dass HSBC eine chinesische Bank sei, sagt Hahn. Das bedeute vor allem, nicht mit dem autoritären Regime anzuecken. Die Bank wird daher alles tun, um nicht auf einer schwarzen Liste unerwünschter ausländischer Unternehmen zu landen.

Die HSBC war bereits wegen ihrer Rolle bei der Verhaftung von Meng Wanzhou, der Finanzchefin des chinesischen Technologieunternehmens Huawei, in Peking in Ungnade gefallen. Die Bank hatte im Jahr 2017 Dokumente an die US-Ermittler ausgehändigt, die zur Verhaftung Mengs beigetragen hatten.

Derzeit ist unklar, wie sich der Konflikt in Hongkong weiterentwickelt. Am Wochenende gingen erneut Tausende auf die Straße. Die Polizei schoss mit Tränengas und Pfefferspray, die Demonstranten warfen Steine und Molotowcocktails.

Mindestens zehn Menschen mussten ins Krankenhaus. Die Demonstranten fordern unter anderem eine unabhängige Untersuchung des Vorgehens der Polizei und die formelle Rücknahme des geplanten Auslieferungsgesetzes. Bislang hatte die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam es lediglich mündlich für gestorben erklärt.

Peking bekräftigte unterdessen indirekt die Drohung, die Volksbefreiungsarmee einzusetzen. Bei Unruhen in Hongkong könne die Zentralregierung „natürlich“ eingreifen, um die Ordnung wiederherzustellen, sagte Maria Tam Wai-Chu, eine hochrangige Politikerin im Ständigen Ausschuss des Volkskongresses, laut dem chinesischen Propagandablatt „Global Times“.

Mehr: Peking duldet keine Kritik am Vorgehen in Hongkong. Der Chef der Airline Cathay Pacific musste gehen. Jetzt geraten die weltgrößten Wirtschaftsprüfer in den Fokus.

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