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Banken-Gipfel ING-Chef Hamers macht Werbung fürs Öko-Banking

Ralph Hamers will andere Bankchefs zum nachhaltigen Wirtschaften bekehren. Die Transformation seines eigenen Hauses läuft nicht ohne Probleme ab.
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Zukäufe sind nur denkbar, wenn es darum geht, neue Techniken oder Fähigkeiten zu erwerben. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
ING-Chef Ralph Hamers

Zukäufe sind nur denkbar, wenn es darum geht, neue Techniken oder Fähigkeiten zu erwerben.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Frankfurt Die „Fridays for Future“-Bewegung, der Schülerprotest für mehr Klimaschutz, hat nicht nur die politische Debatte verändert. Auch in der Finanzbranche zählt Nachhaltigkeit längst zu den wichtigsten Themen.

Nachdem Larry Fink, der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am Mittwoch auf der Bühne mit dem Pappbecher einer großen Kaffeehauskette auffiel, muss sich Ralph Hamers, Chef des niederländischen Geldhauses ING, am Donnerstag Fragen zu seiner persönlichen Klimabilanz stellen. „Wie sind Sie von Amsterdam nach Frankfurt gekommen?“, will Moderatorin Andrea Rexer wissen. Hamers: „Ich bin mit einem Hybridauto hergekommen. Also zumindest etwas nachhaltig.“

In der Folge streicht der Manager die Bedeutung des „grünen“ Bankings heraus. Die ING-Gruppe wirtschafte schon seit 2007 klimaneutral. Ab 2020 wolle die Bank für alle Standorte rund um den Globus erneuerbare Energien nutzen.

Zunehmend würden auch andere Wettbewerber das Thema aufgreifen. „Banken können ziemlich schnell grün werden“, glaubt Hamers. Schließlich sei ihr direkter Klima-Fußabdruck relativ klein: Büros müssen gedämmt sein, erneuerbare Energien den Strom liefern und Dienstreisen möglichst vermieden werden.

Problematischer sei der indirekte ökologische Fußabdruck, den Banken durch ihre Geschäfte hinterlassen, mahnt Hamers. Hier sei noch viel zu tun. ING habe sich dazu verpflichtet, den Kunden zunehmend nachhaltige Produkte anzubieten. Ein Mittel sei etwa die Emission grüner Anleihen, die ING zuletzt für den Autobauer Porsche organisiert hatte. Unter globalen Vermögensverwaltern wachse die Nachfrage nach nachhaltigen Bonds stark. Auch grüne Kredite seien ein Thema, bei denen ING Zinsraten senke, wenn selbst auferlegte Nachhaltigkeitsziele erreicht würden.

Folgen sind spürbar

Darüber hinaus sieht Hamers seine Branche in der Pflicht, die Kunden mit mehr oder weniger sanftem Druck davon zu überzeugen, selbst nachhaltiger zu wirtschaften. Seit 2018 versuche ING, den indirekten ökologischen Fußabdruck des 600 Milliarden Euro schweren Kreditbuchs in Einklang mit der Pariser Klimavereinbarung zu bringen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

„Wir haben für jeden Sektor untersucht, wie man ökologischer wirtschaften kann, egal, ob es um den Energiesektor geht, um Automobile, Stahl, Zement, Logistik, Infrastruktur, Schiff- oder Luftfahrt“, erklärt Hamers.

Manche Kunden haben den neuen Ansatz bereits zu spüren bekommen. „Wenn wir den Eindruck haben, dass bestimmte Kunden nicht mit uns an einem Strang ziehen, können wir die Geschäftsbeziehung am Ende abbrechen. Wenn wir das Gefühl haben, dass ein spezifischer Sektor keine Fortschritte macht, können wir ihn ausschließen“, sagt Hamers.

2017 habe ING etwa die Entscheidung getroffen, die Kohleverstromung im Energiesektor nicht weiter finanzieren zu wollen. Energieunternehmen müssten nun bis 2025 den Anteil der Kohleverstromung am Umsatz auf unter fünf Prozent drücken, um weiter mit ING Geschäfte machen zu dürfen.

Die Bekämpfung des Klimawandels dürfe die Wirtschaft nicht allein der Politik überlassen. „Es ist sehr wichtig, dass wir Unternehmenschefs vorangehen. Wir wissen, dass Politiker es schwer haben, kurzfristig effektive Maßnahmen zu ergreifen, zumal, wenn die nächste Wahl ansteht.“

Der ING-Chef will daher auch andere Banker vom Ziel des nachhaltigen Wirtschaftens überzeugen – auch, um den Druck auf enttäuschte Kunden aufrechtzuerhalten, die einfach die Bank wechseln könnten. ING habe sich anlässlich des Klimagipfels in Kattowitz gemeinsam mit vier anderen Großbanken – BNP, Société Générale, BBVA und Standard Chartered – denselben Nachhaltigkeitszielen verpflichtet. Nun unterlägen Einlagen über 2,7 Billionen Euro den Zielen des Pariser Klimavertrags, verkündet Hamers stolz.

Digitalisierung kann neue Ertragsquellen heben

Nachhaltigkeit ist freilich nicht das einzige Thema, das den ING-Chef umtreibt. Auf die Frage, was die größere Herausforderung für Banken sei, digitaler zu werden oder grüner, antwortet er denn auch: „Die Digitalisierung ist zumindest kurzfristig die größere Herausforderung.“ Schließlich bedeutet sie, die komplette Bank umzustrukturieren und agiler zu machen. Noch seien ein Drittel der ING-Angestellten IT-Spezialisten, bald würden es 50 Prozent sein.

Die Digitalisierung ist nicht nur ein Kostenfaktor, den Banken schultern müssen. Stattdessen kann sie Banken dazu bringen, neue Ertragsquellen zu heben“, glaubt Hamers. „Wir haben innerhalb von zehn Monaten eine digitale Bank auf den Philippinen aufgebaut“, erzählt er. Das Besondere: Neu programmiert werden musste hier nur wenig. „Wir haben vor allem bestehende Codes verwendet.“

Das neue Arbeiten bringt für die Angestellten deutliche Veränderungen. So hat die deutsche ING sogar die Vorstandsbüros abgeschafft. Auch Hamers wird nach dem Umzug in die neue Zentrale in zwei Monaten kein eigenes Büro mehr haben. Allerdings: Die Abschaffung von Einzelbüros sei nicht die ultimative Lösung. Die digitale Bank erfordere mehr – etwa den Einsatz agiler Teams, die ING „Tribes“ nennt, „Stämme“.

In Deutschland wurde das System bereits etabliert – und hat für viel Unmut gesorgt. So ist die Arbeitszufriedenheit der ING-Mitarbeiter laut internen Umfragen zwischen 2017 und 2018 empfindlich gesunken. Hamers weiß um die Schwierigkeiten: Natürlich könne die Zufriedenheit angesichts des Umbaus zunächst sinken.

Doch langfristig werde das Engagement wieder steigen, gibt sich der Chef überzeugt. Banken müssten ihre Mitarbeiter auf dem Transformationsweg mitnehmen, etwa durch den Einsatz externer Coaches. Diese würden bei ING regelmäßig eingesetzt. Wie er es selbst damit hält, will Moderatorin Rexer wissen. „Ich habe keinen Coach“, gibt Hamers zu. Warum? „Das ist eine gute Frage.“

Größere Akquisitionen plant ING, die vor einigen Monaten als möglicher Käufer der Commerzbank gehandelt wurde, derzeit nicht. „Fusionen und Übernahmen sind für uns kein wichtiges Thema, um uns zu vergrößern“, betonte Hamers. Zukäufe könne er sich nur vorstellen, wenn es darum gehe, neue Techniken oder neue Fähigkeiten zu erwerben.

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