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Banken-Gipfel „Kein Nullsummenspiel“ – Warnungen vor hartem Brexit werden lauter

Manager und Politiker warnen vor den Folgen eines unkontrollierten EU-Austritts der Briten und befürchten eine Zersplitterung des Finanzsektors.
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Die Finanzbranche ist auf einen harten Brexit unterschiedlich gut vorbereitet. Quelle: AP
Blick auf das Londoner Bankenviertel Canary Wharf

Die Finanzbranche ist auf einen harten Brexit unterschiedlich gut vorbereitet.

(Foto: AP)

FrankfurtViele Banker und Politiker sehen im Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union eine große Chance für den Standort Frankfurt. Doch der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, warnt vor jeder Form von Euphorie.

„Der Brexit ist kein Nullsummenspiel, sondern lässt die Kosten für alle in Summe steigen – und das ist schlecht für Europa“, mahnt der oberste deutsche Finanzaufseher auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts. „Das sollten wir bei der Frage, wer davon profitiert, nicht untergehen lassen.“

Sorgen bereitet ihm vor allem die Gefahr eines ungeordneten Brexits. Denn es ist völlig unklar, ob es bis zum Austrittstermin am 29. März 2019 ein Vertragswerk geben wird, das den Ausstieg regelt. „Die Bundesregierung versucht alles, damit wir zu einem Vertrag kommen, aber man kann nicht sagen, dass das eine sichere Ausgangslage ist“, betont Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). „Der ein oder andere wird sich in seinem Kopf darauf einstellen müssen, dass es auch zu einem ungeregelten Brexit kommen kann.“

Für Hufeld wäre das ein Horrorszenario. „Ein harter Brexit würde in Hunderttausende von Verträgen eingreifen und würde gravierende Unsicherheit hervorrufen über die Fähigkeit von Instituten, im jeweils anderen Land operieren zu dürfen“, warnt der Bafin-Chef. „Wir Regulierer würden dann mit Notmaßnahmen operieren müssen.“

Im allerschlimmsten Falle könne die Bafin eingespielte Geschäftspraktiken dulden, um ein Chaos zu vermeiden. Aber dabei könne es sich nicht um dauerhafte Lösungen handeln. „Wir dürfen, können und wollen nicht ein Reparaturbetrieb für nicht getätigte politische Ergebnisse sein.“

Die Finanzbranche ist auf einen harten Brexit unterschiedlich gut vorbereitet. Die größeren Geldhäuser hätten „ungeheuer viel Zeit, Geld, Ressourcen und Berater“ investiert und seien „sehr gut vorbereitet“, beobachtet Hufeld. Wegen des Brexits müssen viele in London ansässige Banken eine Tochter in der EU gründen. Über 25 Institute haben bei der Bafin bereits eine Banklizenz beantragt.

Aber bei kleinen und mittelgroßen Finanzfirmen sei vieles noch nicht erledigt. „Das ist bedauerlich, aber unter Finanzstabilitätsaspekten nicht tödlich.“

„Der größte Profiteur des Brexits wird New York sein“

Der Deutschlandchef von Goldman Sachs, Wolfgang Fink, kann das nachvollziehen. Bei der US-Investmentbank beschäftigt sich eine Brexit-Taskforce seit Monaten mit dem Thema. „Es ist offensichtlich, dass Sie als Großorganisation diese Ressourcen bereitstellen können. Für kleinere Organisationen ist das aber schon extrem, was da stattfindet.“

Auch Fink wären längere Übergangsfristen lieber. „Dann könnte man sich akribischer vorbereiten.“ Doch Goldman Sachs könne seine Kunden auch bei einem harten Brexit von Beginn an wie gewohnt mit allen Dienstleistungen europaweit versorgen, versprach Fink.

Handelsblatt-Ressortleiter Daniel Schäfer (links) im Gespräch mit Jörg Asmussen, Europa-Chef von Lazard. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Jörg Asmussen

Handelsblatt-Ressortleiter Daniel Schäfer (links) im Gespräch mit Jörg Asmussen, Europa-Chef von Lazard.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt ist im Fall von Goldman Sachs Profiteur des Brexits. Etwa 500 Mitarbeiter will das Institut nach Kontinentaleuropa verlegen, den größten Teil davon an den Main. Beispiele wie diese stimmen Hubertus Väth von der Standortinitiative Frankfurt Main Finance optimistisch. Laut Väth sind im Zuge des Brexits in der Stadt bisher 1.500 bis 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Bis Ende 2021 geht er von 8000 weiteren Jobs aus. „Aus unserer Sicht liegt Frankfurt vorne“, sagt Väth.

Der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, heute Europachef der Investmentbank Lazard, warnt aber vor Übermut. „Der größte Profiteur des Brexits wird der Finanzplatz New York sein, nicht Frankfurt“, sagt er. Natürlich würden auch europäische Standorte wie Frankfurt, Paris oder Dublin profitieren. Aber insgesamt befürchtet er: „Wir werden einen fragmentierten Finanzmarkt haben. Das ist nicht positiv.“

Goldman-Sachs-Manager Fink ruft die europäische Politik dazu auf, künftig aktiver die Finanzmarktpolitik zu gestalten. Die EU solle sich nicht mit einer passiven Rolle begnügen und nur das Geschäft aufnehmen, was zwingend aus London verlagert werden müsse. „Wir sollten eine aktive Rolle einnehmen und Frankfurt als den Finanzplatz im Euro-Raum entwickeln“, fordert Fink. „Dafür brauchen wir die Politik.“

Standortpolitik gefordert

Aus diesem Grund spricht sich Lazard-Manager Asmussen auch dafür aus, das Clearing, also die Abwicklung von Euro-Derivaten, in die EU zu verlagern. „Wir wissen ja, dass in geopolitischen Fragestellungen die Bereitstellung von Finanzmarktinfrastruktur eine wachsende Bedeutung gewinnt. Deshalb wäre ich immer dafür, eine europäische Infrastruktur in allen Kernbereichen bereitzustellen“, sagt der Ex-Finanz-Staatssekretär.

Viele deutsche Finanzmanager kritisieren, dass sich die Bundesregierung im Gegensatz zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bisher nicht genug für den heimischen Finanzplatz eingesetzt hat. Vor allem die misslungene Bewerbung um den Sitz der EU-Bankenaufsicht Eba, die nun nach Paris zieht, schmerzt viele.

In der Bundesregierung scheint die Botschaft inzwischen angekommen zu sein. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sei es aus der Mode gekommen, im Finanzsektor Industriepolitik zu machen, sagt Finanzminister Scholz. „Das war nicht zum Nutzen unseres Wirtschaftsstandortes. Und deshalb glaube ich, es muss eine neue Bedeutung in der politischen Betrachtung erhalten.“

Kanzlerin Angela Merkel sieht das offenbar ähnlich. Sie will nächste Woche in Frankfurt mit Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer über die Zukunft des Finanzplatzes Deutschland sprechen. Der lobt das wachsende Engagement der Bundesregierung. „Die Politik hat erkannt, wie wichtig es ist, dass das Euro-Clearing nach Europa kommt, und unterstützt uns sehr gut.“

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